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Kuba Fidel Castro zeigt sich als Wähler

Erstmals seit Monaten hat sich Fidel Castro wieder in der Öffentlichkeit präsentiert. Der gesundheitlich angeschlagene Revolutionsführer gab in Havanna seine Stimme bei den Wahlen zur Nationalversammlung von Kuba ab.

Havanna - Das kubanische Staatsfernsehen hat Fidel Castro bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal in der Hauptstadt Havanna gezeigt. Der 86-jährige Revolutionsführer soll sich laut einem BBC-Bericht bis zu eine Stunde lang mit anderen Wählern und Reportern unterhalten haben, ehe er unter dem Jubel der Menschenmenge in einem Auto davonfuhr.

Der Auftritt anlässlich der Parlamentswahl war der erste öffentliche Auftritt von Fidel Castro seit Monaten. Zuletzt war der langjährige Staatschef beim Besuch von Papst Benedikt XVI. auf Kuba im März vergangenen Jahres live im Fernsehen zu sehen gewesen. Nachdem es zwischenzeitlich Gerüchte um seinen nahen Tod gegeben hatte, waren im vergangenen Oktober lediglich Fotos von Castro verbreitet worden. Castro selbst hat in seinem hohen Alter noch einmal für einen Parlamentssitz kandidiert. Er führt die Liste in der Stadt Santiago de Cuba an.

"Ich bin sicher, dass das (kubanische) Volk ein wahrhaft revolutionäres Volk ist, das große Opfer gebracht hat", sagte Castro jetzt mit schwacher Stimme zu Reporten an seinem Stammwahllokal im Stadtteil Vedado.

Nach einer schweren Erkrankung hatte Castro die Macht seit 2006 schrittweise an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl abgegeben.

Rund 8,6 Millionen Kubaner waren aufgerufen, die 612 Mitglieder des Volkskongresses sowie 1269 Delegierte in 15 Provinzversammlungen neu zu bestimmen. Die Wahl ist jedoch eine Farce - denn auf der sozialistischen Karibikinsel sind keine anderen Parteien außer der kommunistischen Partei zugelassen.

Die neuen Abgeordneten kommen in rund zwei Wochen zur konstituierenden Parlamentssitzung zusammen und bestimmen den Staatsrat sowie den Staats- und Regierungschef. Raúl Castro dürfte dann eine Amtszeitverlängerung von weiteren fünf Jahren als Staatschef erhalten.

als/AFP/dpa
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