Wahlen in Marokko Konservative gewinnen, Islamisten sprechen von Betrug

Bei der Parlamentswahl in Marokko haben die Islamisten entgegen den Prognosen überraschend schlecht abgeschnitten. In einer ersten Reaktion spekulierten sie über Stimmenkäufe zu ihrem Nachteil. Die konservative Unabhängigkeitspartei erzielte die meisten Mandate.


Rabat - Den vorläufigen Ergebnissen zufolge errang die konservative Unabhängigkeitspartei 52 der 325 Parlamentssitze. Die Islamisten von der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei PJD verbesserten sich zwar auf 47 Mandate, schnitten aber schlechter ab als allgemein erwartet.

PJD-Vertreter sagten, sie seien durch Stimmenkauf des Wahlsiegs beraubt worden. Die Regierung wies dies zurück, sagte aber eine Untersuchung zu, falls es entsprechende Belege gebe.

Das marokkanische Wahlrecht macht die Dominanz einer einzelnen Partei im Parlament praktisch unmöglich. Die tatsächliche Macht liegt überdies bei Staatsoberhaupt König Mohammed VI., der auch an der Spitze des Militärs steht und die religiöse Führungsrolle einnimmt.

Extrem niedrige Wahlbeteiligung

Zu den zweiten Parlamentswahlen seit der Thronbesteigung des Regenten im Jahr 1999 waren 33 Parteien und Dutzende unabhängige Kandidaten angetreten. Eine internationale Beobachtergruppe bezeichnete den Wahlverlauf als insgesamt geordnet und transparent. Es habe nur vereinzelt Unregelmäßigkeiten gegeben. Die Beobachter kritisierten jedoch die niedrige Wahlbeteiligung von 37 Prozent.

Innenminister Chakib Benmoussa räumte ein, dies bedeute eine Herausforderung für Regierung, Parteien und Zivilgesellschaft. Knapp ein Fünftel der abgegebenen Stimmen war den Angaben zufolge ungültig.

Viele der 33 Millionen Einwohner des nordafrikanischen Landes halten die Politikerkaste für unnahbar und abgehoben. Korruption und Armut spielten daher offenbar für viele Wähler eine wichtigere Rolle als religiöse Aspekte. Die Sozialisten, bisher Hauptkoalitionspartner der Konservativen, ist den Zahlen zufolge nur noch fünftstärkste Kraft. Die Partei hatte gehofft, von den behutsamen sozialen und wirtschaftlichen Reformen der Regierung profitieren zu können.

yas/rtr



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