Wahlen in Serbien Ultranationalisten nach Hochrechnungen stärkste Partei

Bei der Parlamentswahl in Serbien zeichnete sich am Abend ein Sieg der Ultranationalisten ab. Allerdings reichen ihre Stimmen nicht, um alleine regieren zu können. Die Demokraten könnten demnach eine künftige Regierung bilden - wenn sie sich auf einen Ministerpräsidenten einigen.


Hamburg - Laut dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut CESID kam die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS), die in den 90er Jahren unter Slobodan Milosevic das Land regierte, auf etwa 28 Prozent der Stimmen. Die reformorientierte und prowestliche Demokratische Partei (DS) von Präsident Boris Tadic erzielte demnach 23 Prozent. Den dritten Platz mit 17 Prozent belegte die zurzeit noch regierende zentristische Koalition unter Führung der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Ministerpräsident Vojislav Kostunica.

SRS-Kandidat Nikolic: Stärkste Partei im Parlament
REUTERS

SRS-Kandidat Nikolic: Stärkste Partei im Parlament

Ähnliche Trendmeldungen gingen auch von der amtlichen Wahlkommission ein. Beobachtern zufolge könnten DS und DSS unter Ausschluss der Ultranationalisten die künftige Regierung bilden, wenn sie sich auf einen Ministerpräsidenten einigen könnten. Kostunica beansprucht dieses Amt allerdings auch weiterhin für sich, während die DS in einer Koalition ebenfalls den Regierungschef stellen will. Sollte die Regierungsbildung nicht binnen drei Monaten nach der Abstimmung abgeschlossen sein, findet eine Neuwahl statt.

Es war die erste Wahl seit der Abtrennung der Republik Montenegro im vergangenen Jahr. Mehr als 6,6 Millionen Serben waren zur Abstimmung aufgerufen. Bis eine Stunde vor Schließung der Wahllokale gaben 51,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.Im Wahlkampf ging es vor allem um die Zukunft des Kosovos und um die Beziehungen zur Europäischen Union. Das Kosovo gilt den Serben als historisches Herz des Landes, während die dortige albanische Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit fordert. "Wir werden gewinnen und sicherstellen, dass das Kosovo Teil Serbiens bleibt", sagte der Vorsitzende der Radikalen Partei, Tomislav Nikolic, nach der Stimmabgabe.

Seit dem Krieg der NATO von 1999 steht die Provinz unter internationaler Verwaltung. Nach der Wahl wollte der Uno-Sondergesandte für das Kosovo, Martti Ahtisaari, eine Empfehlung über den künftigen Status des Gebietes abgeben. Die Abstimmung dürfte auch darüber entschieden haben, wie die künftige Regierung mit der internationalen Forderung nach einer Verhaftung von Ratko Mladic umgehen wird - der ehemalige General der bosnischen Serben ist vom Uno-Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Außerdem ist Serbien mit anhaltenden Wirtschaftsproblemen konfrontiert. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 31 Prozent, der monatliche Durchschnittslohn liegt bei 250 Euro.

bri/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.