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26. November 2016, 18:39 Uhr

US-Präsidentschaftswahl

Clinton-Kampagne will sich an Neuauszählung beteiligen

Die Grünen-Präsidentschaftskandidatin Jill Stein lässt das Ergebnis der US-Wahl im US-Bundesstaat Wisconsin prüfen. Nun gab Hillary Clintons Wahlkampfmanager bekannt, den Vorgang zu unterstützen. Donald Trump reagiert ungehalten.

Die Wahlkampfkampagne von Hillary Clinton unterstützt die Neuauszählung der Stimmen im US-Bundesstaat Wisconsin nach der Präsidentschaftswahl. Das melden mehrere US-Medien unter Berufung auf eine Mitteilung von Wahlkampfchef Marc Elias.

Die ehemalige grüne US-Präsidentschaftskandidatin Jill Stein will die abgegebenen Stimmen in Wisconsin überprüfen lassen. Der Bundesstaat genehmigte ihren Antrag. In Wisconsin lag Donald Trump laut dem offiziellem Ergebnis mit 22.177 Stimmen (und 0,8 Prozentpunkten) vor Hillary Clinton. Stein hatte innerhalb von zwei Tagen mehr als fünf Millionen Dollar an Spenden für die Nachzählung in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania gesammelt.

Der Gewinner der Präsidentschaftswahl bezeichnete Steins Antrag als "Masche". Sie habe die Spenden nur gesammelt, um ihre Koffer mit Geld zu füllen, behauptete Trump in einer Mitteilung. Sie werde das meiste davon jedoch nicht für diese "lächerliche Neuauszählung" verwenden. "Die Wahl ist vorüber und Hillary Clinton selbst hat das Wahlergebnis anerkannt", heißt es in dem Statement. "Die Ergebnisse dieser Wahl sollten respektiert und nicht angefochten und missbraucht werden."

Stein stellt das Ergebnis auf Grundlage von IT-Experten infrage. Diese behaupten, die Wahl könnte zulasten von Clinton manipuliert worden sein: Im umkämpften Bundesstaat Wisconsin erhielt Clinton demnach in jenen Bezirken, in denen elektronisch gewählt wurde, sieben Prozent weniger Stimmen als dort, wo Stimmzettel per Hand ausgezählt wurden.

Auf der Plattform "Medium" schrieb Elias nun, die Clinton-Kampagne habe eigenen Untersuchungen zufolge keine Unstimmigkeiten bei der Stimmauszählung feststellen können: "Wir haben keine Beweise für Hacker oder andere Versuche von außen feststellen können, die die Stimmauszählung beeinflusst haben könnten", schrieb er. Dennoch unterstütze man den Antrag von Stein, das Wahlergebnis in Wisconsin zu prüfen. "Wir nehmen teil, um sicherzugehen, dass der Prozess für alle Seiten fair abläuft."

In den vergangenen Tagen hätten zig Nachrichten die Wahlkampfkampagne erreicht mit der dringenden Bitte, die Richtigkeit des Wahlergebnisses zu überprüfen, heißt es in dem Text. Bedenken seien insbesondere bezüglich Michigan, Wisconsin und Pennsylvania geäußert worden, wo Trump insgesamt nur 107.000 Stimmen vor Clinton gelegen hätte. "Wir nehmen diese Hinweise extrem ernst", schreibt Elias. "Es ist ein grundlegendes Prinzip unserer Demokratie, sicherzustellen, dass jede einzelne Stimme richtig gezählt wird."

Nichtsdestotrotz gehe die Kampagne nicht davon aus, dass es eine Manipulation gegeben habe. Doch jetzt, wo eine Neuauszählung im Gange sei, sehe sie sich in der Verantwortung den Wählern von Clinton gegenüber, an dem Prozess teilzunehmen und anschließend ein richtiges Wahlergebnis zu verkünden.

Die Nachzählung in Wisconsin soll Ende nächster Woche beginnen. Der Prozess könnte einige Wochen in Anspruch nehmen. Bis zum 13. Dezember müssen die endgültigen Ergebnisse jedoch eingereicht werden. Falls die Stimmen auch in den anderen beiden Bundesstaaten neu ausgezählt werden und Clinton Trump tatsächlich in allen drei Bundesstaaten überholt, könnte sie rechnerisch noch gewinnen - auch wenn dieser Fall als eher unwahrscheinlich gilt.

kry

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