Wahlkampf im Krisengebiet Obama trifft in Kabul ein

Nächster Halt Afghanistan: US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama ist am Samstagmorgen in Kabul eingetroffen. Der Demokrat wird in den kommenden Tagen mehrere europäische Länder besuchen - und in Berlin an der Siegessäule eine Rede halten.


Kabul - Nach Angaben eines Sprechers traf der Senator am Samstagmorgen in der afghanischen Hauptstadt ein. Zuvor hatte er in Kuweit US-Truppen besucht. Die Stippvisiten sind Teil einer Rundreise, mit der Obama sein außenpolitisches Profil schärfen will. In den kommenden Tagen trifft der demokratische Präsidentschaftskandidat unter anderem König Abdullah von Jordanien, den französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In Berlin könnte Obama nach übereinstimmenden berichten von Tagesschau.de und "Berliner Zeitung" in Berlin vor der Siegessäule sprechen. Für den Senator werde am kommenden Donnerstag eine Art Fanmeile aufgebaut, schreibt das Blatt. Auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor sollten Großleinwände wie jüngst zur Fußballeuropameisterschaft installiert werden. Vorgesehen sei, dass Obama etwa eine Stunde lang spricht. Die Bühne wird dem Bericht zufolge so aufgebaut, dass der Politiker die Siegessäule im Rücken hat. Die Idee dabei: So sind sowohl Fernsehbilder von Obama vor der Säule wie auch vom Publikum mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund möglich. Die Kosten für den Auftritt zahlt Barack Obama. Weitere Details des Auftritts würden mit Obamas Planungsstab noch geklärt, hieß es.

McCain greift Obama erstmals frontal an

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain greift seinen demokratischen Rivalen Barack Obama in einem am Freitag vorgestellten Fernsehrwerbespot erstmals direkt an und wirft ihm mangelnde Sachkenntnis und Opportunismus vor. Der 30 Sekunden lange Werbefilm soll im landesweiten Kabelfernsehen und in elf besonders umkämpften Staaten im Fernsehen zu sehen sein.

Der Sprecher des Negativ-Spots wirft Obama vor, sich im Senat nie um Afghanistan gekümmert zu haben, seit Jahren nicht im Irak gewesen zu sein und auch die Finanzierung der beiden Kriege nicht unterstützt zu haben. Diese Haltung habe Obama geholfen, sich die Nominierung seiner Partei zu sichern, aber jetzt ändere er seine Positionen, "um Präsident zu werden", behauptet der Spot.

Es ist McCains bislang schärfster Angriff auf seinen Senatskollegen. Zuvor gab es nur einen kritischen Spot der republikanischen Partei. Obama war zuletzt 2006 im Irak, McCain war in diesem Jahr dort. Beobachter gehen davon aus, dass Obama noch vor der Wahl am 4. November die US-Truppen im Irak besuchen wird. Obama war zuletzt in die Kritik geraten, nachdem er seine Forderung nach einem kompletten Truppenrückzug aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten verwässert hatte.

Iraker besorgt über Abzugspläne

Nach einem Bericht der "Washington Post" sehen viele Iraker Obamas Abzugspläne kritisch. Die Zeitung zitiert Meinungsumfragen, nach denen zwar die Hälfte der irakischen Bürger eine Ende der Okkupation durch das US-Militär wünscht. Gleichzeitig befürworte aber nur eine Minderheit einen sofortigen Abzug.

hil/AFP/dpa/Reuters



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