Wahlkampfendspurt Obama und Romney liefern sich Spendenschlacht

Mitt Romney hat so viele Spenden gesammelt wie noch nie in diesem Wahlkampf: Allein im September waren es mehr als 170 Millionen Dollar. Allerdings liegt der Republikaner damit hinter Amtsinhaber Barack Obama. Der umwirbt kurz vor dem zweiten TV-Duell vor allem Briefwähler.

US-Präsident Obama und Herausforderer Romney: Kampf um Millionen Dollar
AFP

US-Präsident Obama und Herausforderer Romney: Kampf um Millionen Dollar


Washington - Der Kampf ums Weiße Haus geht in die entscheidende Phase. Für die beiden Konkurrenten Barack Obama und Mitt Romney kommt es jetzt nicht nur auf überzeugende TV-Duelle an, sondern auch auf eine gut gefüllte Spendenkasse, um in groß angelegten Werbeoffensiven, vor allem Wahl-Spots, auf Stimmenfang gehen zu können. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat meldet nun einen neuen Spendenrekord: Im September habe er mehr als 170 Millionen Dollar gesammelt, teilte sein Wahlkampfteam mit. Derzeit verfügten Romney und die Republikaner über Barmittel in Höhe von 191 Millionen Dollar.

Doch obwohl Romneys Spendenmaschine wie geschmiert läuft, liegt er mit seiner Summe noch unter der von Amtsinhaber Obama. Der nämlich hat im vergangenen Monat von seinen Unterstützern nach Angaben der Demokraten 181 Millionen Dollar erhalten.

Im Kampf um die Spendengelder kommt Romney damit im Wahlkampfendspurt den zweiten Monat in Folge nur auf Platz zwei. Zuvor hatte der Republikaner drei Monate lang finanziell noch vorn gelegen. Laut einer Aufstellung der "Washington Post" nahm der Ex-Finanzinvestor und frühere Gouverneur von Massachusetts im September an mindestens 23 Spendenveranstaltungen teil. Obama war nach Angaben der Zeitung im vergangenen Monat bei mindestens 13 Spendenaktionen anwesend.

Zweites TV-Duell in Hempstead

Demoskopen sagen für die Wahl am 6. November ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Besonders Obama steht unter Druck: Der Präsident hatte bei der ersten TV-Debatte Anfang Oktober einen schwachen, müden Auftritt hingelegt. Romney, der sonst häufig hölzern wirkt, zeigte sich dagegen schlagfertig und souverän. Der Republikaner hat in den Umfragen inzwischen aufgeholt, in einigen Erhebungen liegt er sogar vor Obama.

Am Dienstagabend (Mittwoch, 3 Uhr deutscher Zeit) geht es nun in Hempstead im Bundesstaat New York in die zweite Runde. Obama und Romney werden dieses Mal in ihrem 90-minütigen Duell nicht nur über Innen- und Wirtschaftspolitik, sondern auch erstmals über außenpolitische Themen streiten.

Obama ging am Montag in die Offensive: Er platzierte neue Fernsehspots, in denen er die sinkende Arbeitslosenquote und steigende Verbraucherzuversicht betont. Romney zeigte sich im Interview mit einer Tageszeitung in Iowa in der Abtreibungsdiskussion plötzlich deutlich liberaler als zuvor. Er versprach, die bisherige Gesetzgebung nicht zu ändern.

"Ich konnte den Wahltag nicht abwarten!"

Die zweite Debatte im Stil einer Bürgerversammlung könnte entscheidende Auswirkungen auf das Wahlergebnis haben. In vielen US-Bundesstaaten dürfen die Bürger ihre Stimme schon jetzt abgeben. Obamas Wahlkampfteam versucht mit einer Kampagne, die Anhänger der Demokraten zu einer vorzeitigen Stimmabgabe zu bewegen. US-Präsidentengattin Michelle Obama teilte am Montag via Twitter mit, sie habe bereits per Briefwahl abgestimmt: "Ich konnte den Wahltag nicht abwarten! Liebe Dich!"

Obama erklärte, er werde am 25. Oktober in seiner Heimatstadt Chicago vorzeitig seine Stimme abgeben. "Wenn euer Bundesstaat eine vorzeitige Stimmabgabe erlaubt, folgt mir", schrieb der Amtsinhaber ebenfalls bei Twitter.

Gerade in umkämpften Staaten wie Ohio oder Florida wollen die Demokraten so viele Wähler wie möglich für den Präsidenten mobilisieren. Insgesamt erlauben nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP 32 der 50 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington das sogenannte early voting per Briefwahl oder persönlich. Vor vier Jahren lag Obama der "Washington Post" zufolge mit 58 Prozent bei den vorzeitig abgegebenen Stimmen vor dem damaligen republikanischen Kandidaten John McCain. Der kam damals bei den Frühwählern nur auf 40 Prozent.

heb/AFP/Reuters/dpa/dapd



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roland.vanhelven 16.10.2012
1. soso
wenn man sieht, dass die meisten spenden von Banken, Versicherungen und grossen Konzernen kommen, wird schnell klar, wessen politik hier vertreten wird...
zeitmax 16.10.2012
2. Michelle Briefwahl:
Na klar, so hat sie mehr Zeit für ihre exzessiven Shoppingtouren!
roskipper 16.10.2012
3. Kriegskasse in Amerika
Ich dachte, Romney vertritt die Interessen der Super-Reichen. Da müßte doch locker ein Haufen Geld gespendet werden für seine Mickey-Mouse show für "tax-Cut for the rich." ( in neo-liberalem Deutsch: die Leistungsträger ) Übrigens ist der Typ ein Mormone. Normalerweise haben die 2 bis 4 Frauen je nach Finanzkraft, das ist ganz normal dort. Wieviel Frauen hat Romney, weiß da jemand was ?
spon-facebook-10000283853 16.10.2012
4. Eine wichtige Nachricht.
Zitat von sysopAFPMitt Romney hat so viele Spenden gesammelt wie noch nie in diesem Wahlkampf: Allein im September waren es mehr als 170 Millionen Dollar. Allerdings liegt der Republikaner damit noch immer hinter Amtsinhaber Barack Obama. Der umwirbt kurz vor dem zweiten TV-Duell vor allem Briefwähler. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahlkampf-in-usa-obama-und-romney-liefern-sich-spendenschlacht-a-861451.html
Ich wundere mich, dass nicht über Hillary Clinton berichtet wird - sie gibt zu, dass sie die Wahrheit über die Benghazi Angriffe zurückgehalten hat, weil "Wahlen sind" ... Und Spon berichtet nicht darüber? "She added, "What I want to avoid is some kind of political gotcha or blame game." "I know that we're very close to an election," Clinton said." Clinton: I'm responsible for diplomats' security - CNN.com (http://edition.cnn.com/2012/10/15/us/clinton-benghazi/index.html)
Rahvin 16.10.2012
5. optional
Immer wieder erstaunlich, wieviel Geld die Amerikaner in ihren Präsidentschaftswahlkämpfen sinnlos verpulvern. Da streitet man sich um ein bezahlbares Gesundheitssystem, während man Geld für TV-Spots verballert. Und dann spricht man von Demokratie, weil das TV-süchtige Wahlvieh am Ende sein Kreuz bei einem von zwei Kandidaten machen darf. Und dieses System von Freiheit und Demokratie möchte man in alle Welt exportieren, notfalls mit militärischen Mitteln. Ein Trauerspiel mit unendlich vielen Akten.
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