Wahlkampf in Frankreich Hollande will Fiskalpakt neu verhandeln

Er führt in den Umfragen vor Amtsinhaber Sarkozy - der Sozialist François Hollande will Präsident Frankreichs werden. Dann werde er auf eine Neuverhandlung des europäischen Fiskalpakts drängen, sagte er dem SPIEGEL. Auch sogenannte Projekt-Bonds will er in Europa einführen.
Kandidat François Hollande: "Ich glaube, es macht keinen Sinn, nachzubohren."

Kandidat François Hollande: "Ich glaube, es macht keinen Sinn, nachzubohren."

Foto: FRED DUFOUR/ AFP

Der französische Präsidentschaftskandidat hat sich durch die Weigerung der deutschen Bundeskanzlerin, ihn zu empfangen, nicht provozieren lassen. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL sagte François Hollande: "Ich verstehe, dass Frau Merkel Herrn Sarkozy unterstützt, sie sind ja in der gleichen konservativen Parteienfamilie."

Im Übrigen hält der Kandidat es nicht für ausgemacht, dass diese Unterstützung dem Staatspräsidenten auch wirklich nutzt. Die Franzosen hätten sich als Erstes gefragt, "warum es diese Absicht gab", und außerdem seien es schließlich "nicht ausländische Regierungschefs, die für das französische Volk die Wahlen entscheiden". Vielleicht hätten diejenigen, die ihn nicht empfangen wollten, "mir einen Dienst erwiesen, ohne es zu wissen".

Hollande sagte, er habe Merkel signalisiert: "Ich stehe zur Verfügung, falls es vor der Wahl eine Gelegenheit gibt, uns zu treffen." Eine förmliche Absage habe er nicht bekommen. "Aber ich glaube, es macht keinen Sinn, nachzubohren."

Selbstbewusst sagt er von sich: "Alle kennen nun meine Haltung zum Fiskalpakt, und nach der Wahl werden sie darauf Rücksicht nehmen müssen." Wenn er Präsident werde, schlage "Frankreich einen anderen Weg ein als unter Nicolas Sarkozy".

Kein "Merlande" statt "Merkozy"

Hollande bestätigte dem SPIEGEL, dass er den europäischen Fiskalpakt "neu verhandeln" will. Vor allem sei es "notwendig, die Sparpolitik durch Wachstum zu ergänzen". Wer glaube denn im Ernst, "außer vielleicht ein paar Leuten in Deutschland, dass wir unsere Defizite reduzieren können, wenn es kein Wachstum gibt?"

Zu seinen Zielen gehört es, Euro-Bonds einzuführen "als Mittel gegen die Spekulation" - allerdings nicht um die Schulden der europäischen Staaten zu vergemeinschaften, das gehe nur langfristig. Er spreche lieber von "Projekt-Bonds" statt Euro-Bonds. Damit sollen "zielgerichtete Investitionen in Zukunftsprojekte finanziert" werden. Er sei auch dagegen, dass der Europäische Gerichtshof in die nationale Budgethoheit eingreifen könne.

Auf die Frage, ob bei einem eventuellen Wahlsieg das Tandem "Merkozy" durch die Kombination "Merlande" ersetzt werden würde, antwortete der Kandidat eher kühl: "Im Augenblick sind wir noch nicht so weit, dass wir unsere Familiennamen verschmelzen."

Lesen Sie das Interview zu dieser Meldung im neuen SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.