Wahlkampf in Frankreich Sarkozy verbietet Straßengebete

Frankreichs Präsident Sarkozy kämpft um Wählerstimmen von rechts - und verbannt betende Muslime von den Straßen. Seit Freitag dürfen Gläubige ihre Teppiche nicht mehr in der Öffentlichkeit ausrollen. Notfalls soll die Polizei sie mit Gewalt davon abhalten.

Muslime in einer alten Pariser Feuerwehrkaserne: Zum Beten weg von der Straße
AFP

Muslime in einer alten Pariser Feuerwehrkaserne: Zum Beten weg von der Straße


Paris - Das Beten auf den Straßen Frankreichs ist seit Freitag verboten. Die Regelung betrifft vor allem Muslime, die mangels Andachtsräumen in französischen Städten ihre Gebetsteppiche häufig auf dem Gehsteig ausrollen. Wer das Verbot nicht befolgt muss laut Innenminister Claude Guéant damit rechnen, dass die Polizei notfalls Gewalt anwenden werde.

Das Verbot wird als Versuch von Präsident Nicolas Sarkozy gesehen, sich vor der in sieben Monaten anstehenden Präsidentschaftswahl Stimmen aus dem rechten Lager zu sichern. In Frankreich leben rund fünf Millionen Muslime - die größte Gemeinde in Europa. Die Parteichefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, hatte die Straßengebete der Muslime im vergangenen Jahr mit der Nazi-Besatzung verglichen.

Vor allem in Paris und der Hafenstadt Marseille beteten freitags Tausende auf der Straße. Dort wurden den Gläubigen nun Gebäude zur Verfügung gestellt. Muslime in der französischen Hauptstadt können bis zur Fertigstellung einer großen Moschee eine alte Feuerwehrkaserne im Norden der Stadt nutzen. Am Freitag trafen sich dort 2000 Muslime, erst einen Tag zuvor hatten sie sich mit der Regierung auf den neuen Gebetsort geeinigt.

Burka-Verbot in den Niederlanden

Auch in den Niederlanden gab es am Freitag Neuigkeiten aus dem Innenministerium: "Es wird in der Öffentlichkeit ein allgemeines Verbot des Tragens von Kleidungsstücken geben, die das Gesicht bedecken." Die Regierung sei der Ansicht, dass die Bedeckung des Gesichts "grundsätzlich unvereinbar" mit Grundsatz sei, dass alle gleichermaßen erkennbar sein müssten.

Zudem verstoße der islamische Vollschleier gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter, da diese Art Kleidung nur von Frauen getragen werde. Auch wenn das Verbot als Einschränkung der Religionsfreiheit gewertet werden könne, sei dies gerechtfertigt, um die "guten Sitten" im öffentlichen Leben zu bewahren.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Burka in öffentlichen Raum einschließlich von Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden und Transportmitteln verboten wird. Ähnliche Verbote gibt es bereits in Frankreich und Belgien.

aar/Reuters/dpa/AFP

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ErekoseSK 16.09.2011
1. Kein Titel
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy kämpft um Wählerstimmen von rechts - und verbannt betende Muslime von den Straßen. Seit Freitag dürfen Gläubige ihre Teppiche nicht mehr in der Öffentlichkeit ausrollen. Notfalls soll die Polizei sie mit Gewalt davon abhalten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786781,00.html
Ganz egal warum Sarkozy so handelt. Ich, als geborener Moslem finde es richtig, dass sie nicht in der Öffentlichkeit beten dürfen. Ich bin der Meinung, dass Religion ins Private gehört und nichts in der Öffentlichkeit zu tun hat. Genauso sollten Christen, Juden usw. nicht in der Öffentlichkeit beten dürfen.
myoto 16.09.2011
2. Juhu
Lang lebe der Westen. Ein Hoch auf die Demokratie. Und wieso sollen die Muslime nun nicht mehr beten? Hierzulande wird gegen die NPD und Co gewettert, aber in Frankreich wird um die rechte Szene gebuhlt?
moe.dahool 16.09.2011
3. Man möge mich...
...gerne in die rechte Ecke stellen, aber ich finde sowohl das niederländische als auch das französische Modell für gut und richtig, wenn auch die Beweggründe aus meiner Sicht nicht glaubwürdig sind. Wenn es denn Sarkozy Stimmen brächte, er würde auch das Kruzifix verbieten. Und Geert Wilders ist für mich auch nicht mehr als ein Populist. Und all Ihr Vorstadtbewohner bin A-Besoldung, die Ihr nun aufschreit, ich möchte Euch sehen, wenn die ersten Teppiche vor Euren sauber geschnittenen Rosenbeeten liegen, es ist so leicht den Mund aufzumachen, wenn man selbst keine Befürchtung haben muss selbst betroffen zu sein.
dr.kabul 17.09.2011
4. populismus zieht nicht mehr
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy kämpft um Wählerstimmen von rechts - und verbannt betende Muslime von den Straßen. Seit Freitag dürfen Gläubige ihre Teppiche nicht mehr in der Öffentlichkeit ausrollen. Notfalls soll die Polizei sie mit Gewalt davon abhalten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786781,00.html
Ich dachte schon, dass Sarkozy etwas dazu gelernt hat. Aber jetzt hab ich wieder gesehen, dass er immer noch ein Populist ist. Die Franzosen sind kluge Menschen. Sie haben Sarkozy schon durchschaut, darum wird auch dieser jämmerliche Versuch nicht mehr ziehen.
Marshmallowmann 17.09.2011
5. Auf Thema antworten
Freiheit hört nunmal da auf wo die der anderen angegriffen wird. So ist das nunmal. Da braucht sich niemand über das im Text angesprochene Burkaverbot wundern.
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