Wahlkampf in Israel Scharon liegt weiter vorn

Am Dienstag entscheidet Israel über einen neuen Ministerpräsidenten. Umfragen sagen eine Niederlage für Amtsinhaber Ehud Barak gegen seinen Kontrahenten Ariel Scharon voraus.


Ariel Scharon: Wird er gewinnen?
AFP

Ariel Scharon: Wird er gewinnen?

Jerusalem - Der Meinungsforscher Rafi Smith sagte im Armee-Rundfunk, in seiner jüngsten Umfrage liege Oppositionschef Scharon 19 Prozent vor Barak und damit innerhalb der bisherigen Bandbreite von 17 bis 22 Prozent. Barak hat es abgelehnt, die Kandidatur in letzter Minute seinem angeblich aussichtsreicheren Parteifreund Schimon Peres zu überlassen.

Smith berichtete vor der Veröffentlichung der Ergebnisse seiner Umfrage in der Nachmittagszeitung "Globes", Hardliner Scharon habe am Mittwoch 47 Prozent Zustimmung erhalten, Barak 27 Prozent. 20 bis 25 Prozent der Befragten hätten erklärt, am Dienstag nicht wählen zu gehen oder nicht zu wissen, wen sie wählen sollen. Bei den Israelis arabischer Abstammung, die 12,3 Prozent der Wähler stellen, liege der Anteil der Wahlverweigerer über 50 Prozent. 1999 hatten 95 Prozent von ihnen den Sozialdemokraten Barak gewählt, der raschen Frieden mit den Palästinensern und eine Begrenzung des politischen Einflusses der orthodoxen Juden versprochen hatte.

Doch selbst wenn sich die Wahlbeteiligung und das Abstimmungsverhalten von 1999 wiederholten, läge Barak noch um einen zweistelligen Prozentsatz hinter Scharon, sagte Smith. Den Vorsprung Scharons vor dem früheren Ministerpräsidenten Peres bezifferte der Meinungsforscher auf sechs Prozent.

Barak lehnte es erneut ab, zu Gunsten von Peres auf die Kandidatur zu verzichten. Er erhielt Unterstützung von seinem Kabinettskollegen Matan. Vilnai sagte, es sei nicht sicher, dass Peres Scharon schlagen könnte. "Wollen wir dafür die Partei spalten?"

Scharon warf Peres und Barak vor, mit den bisherigen Verträgen und Zugeständnissen Israel in die vielleicht schwierigste Lage seiner Geschichte gebracht zu haben. Der Palästinenser-Aufstand dauert bereits seit Ende September an. Am Donnerstag wurde ein Israeli am Rande der Palästinenser-Stadt Dschenin in seinem Auto beschossen und starb später, wie aus Armeekreisen verlautete. Bislang wurden 315 Palästinenser und 63 Israelis getötet.

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