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Polit-Satire in Mexiko Kater Morris mischt den Wahlkampf auf

Im mexikanischen Xalapa bewirbt sich ein tierischer Kandidat als Bürgermeister: Morris, die Katze. Gedacht als Polit-Satire, trifft die Kampagne einen Nerv. Viele Mexikaner haben genug von korrupten Politikern. "Keine Lust mehr, Ratten zu wählen?", fragt Morris. "Wählen Sie eine Katze."

Mexiko-Stadt - Der Kandidat ist ein wenig anders, und gerade deswegen hat er so viele Anhänger. Er heißt Morris, hat schwarzweißes Fell und ist zehn Monate alt. Morris ist ein Kater und möchte Bürgermeister der mexikanischen Stadt Xalapa werden. Er ist der candigato - der Katzen-Kandidat.

Er wirbt in YouTube-Videos  für sich, es gibt Aufkleber, Poster und T-Shirts mit seinem Konterfei zu kaufen. Morris twittert  und hat eine Facebook-Seite  - mit inzwischen 118.000 Fans. Dort verrät er über sich, dass er schläft, isst und seine Geschäfte verrichtet. Er sei also ein "idealer Kandidat" für die Bürgermeisterwahl am 7. Juli.

Mit dieser Mischung aus gelungener Polit-Satire und professioneller Kampagne hat sich das Phänomen Morris verbreitet. Viele Mexikaner vertrauen ihren Politikern nicht, sie nehmen sie als korrupt und saturiert wahr. Der Slogan "Keine Lust mehr, Ratten zu wählen? Wählen Sie eine Katze" trifft einen Nerv. Auf einem seiner Wahlplakate wirbt er mit seiner "langen Erfahrung im Parlament" - auf dem dazugehörigen Bild gähnt er ausgiebig.

Nicht ganz auszuschließen ist, dass Morris in seinem Wahlkampf Hilfe von Menschen erhält - nämlich vor allem von seinem Besitzer Sergio Chamorro. Mit Freunden, die ebenso enttäuscht von Mexikos Politikern sind wie er, entwarf er die Idee, Morris als Kandidaten aufzustellen. "Er schläft fast den ganzen Tag und tut nichts, und somit ist er perfekt geeignet, Politiker zu werden", sagt Chamorro.

Das Ansehen der politischen Klasse in Mexiko ist denkbar schlecht. Das zeigt unter anderem eine Umfrage des Instituts Mitofsky im vergangenen Jahr: Die Bürger wurden nach ihrem Vertrauen in 15 Institutionen befragt, Politiker und Regierung rangierten unter den letzten fünf.

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Mexikanischer Kandidat: Das Phänomen Morris

Foto: STRINGER/MEXICO/ REUTERS

Morris ruft dazu auf, bei der Wahl im Juli auf den Stimmzettel "Morris" zu schreiben oder ein Katzengesicht auf das Papier zu malen, um ein Zeichen zu setzen. Die Wahlaufsicht von Veracruz rief die Wähler vergangene Woche dazu auf, sich darauf nicht einzulassen: "Bitte wählen Sie die registrierten Kandidaten."

Xalapa, die Heimatstadt von Morris, mit etwa 450.000 Einwohnern liegt im mexikanischen Bundesstaat Veracruz. In den vergangenen zwei Jahren ist die Region von Korruptionsskandalen erschüttert worden, Drogenbanden überziehen die Gegend mit Gewalt. Journalisten und kritische Politiker werden von ihnen brutal ermordet.

Der im vergangenen Jahr neu gewählte Präsident Enrique Peña Nieto hat versprochen, die Gewalt einzudämmen. Doch auch er musste in einem Interview mit dem SPIEGEL  eingestehen: "Der Frust in der Bevölkerung ist groß." Gegen die Korruption könne er nicht allein vorgehen, die Regionalregierungen müssten mithelfen.

Weil viele Bürger offenbar der Ansicht sind, dass diese zu wenig tun, reagieren sie mit schwarzem Humor. So ist Morris nicht das einzige Tier, das zur Wahl aufgestellt wurde - in anderen mexikanischen Städten kandidieren Chon der Esel, Tina das Huhn und Tintan der Hund.

kgp/AP
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