Wahlkampf Obamas illegale Tante

Böse Überraschung für Obama: Ausgerechnet drei Tage vor der Wahl wird bekannt, dass sein "Tantchen Zeituni" sich illegal in den Staaten aufhält. Ihr Asylantrag wurde bereits vor vier Jahren abgelehnt. Vom Status seiner Tante will Obama jedoch nichts gewusst haben - und zahlt ihr Geld zurück.


Washington - Präsidentschaftskandidat Barack Obama wird kurz vor der Wahl von seiner Familiengeschichte eingeholt: Eine aus Kenia stammende Tante lebt nach Informationen der Nachrichtenagentur AP seit Jahren illegal in den USA. Trotz eines 2004 abgelehnten Asylantrags sei Zeituni Onyango im Land geblieben, teilten Gewährsleute mit. Das Wahlkampfteam des Demokraten erklärte am Samstag, Senator Obama wisse nichts über ihren Aufenthaltstatus. Natürlich sei er dafür, dass "allen entsprechenden Gesetzen Folge geleistet wird".

Sozialwohnung in Boston: Abschiebungen vor der Wahl nur noch mit höchster Genehmigung
AP

Sozialwohnung in Boston: Abschiebungen vor der Wahl nur noch mit höchster Genehmigung

Unterdessen gab Obamas Wahlkampfteam bekannt, dass man Zeituni Onyango 260 Dollar an Spendegeldern zurückzahlen werde. Das US-Wahlrecht verbietet Ausländern politische Spenden. Immer wieder hatte sie kleinere Summen für die Wahlkampagne ihres Neffen gespendet, zuletzt fünf Dollar am 19. September.

Die 56-Jährige, die Obama in seiner Autobiografie "Tantchen Zeituni" nennt, soll in einer Sozialwohnung in Boston im US-Staat Massachusetts leben. Onyangos Weigerung, das Land zu verlassen, wäre ein Verstoß gegen das Einwanderungsgesetz. Derartige Vergehen werden aber für gewöhnlich nicht strafrechtlich verfolgt. Schätzungen zufolge leben mehr als zehn Millionen solcher Immigranten ohne Erlaubnis in den Vereinigten Staaten.

Wahl angeblich kein Motiv für Enthüllung

Die Geschichte Onyangos wurde der AP am Freitagabend (Ortszeit) von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person berichtet, die nicht namentlich genannt werden wollte. Zwei verschiedene Quellen bestätigten die Informationen. Der Fall soll auch Regierungsbeamten bekannt sein.

Ob ein ranghoher Mitarbeiter der Regierung von George W. Bush oder des Wahlkampfteams von Obamas Kontrahent John McCain an der Enthüllung beteiligt war, war zunächst unklar. Einer der Gewährsleute erklärte jedoch, er sei weder für Obama noch für den Republikaner McCain. Die unmittelbar bevorstehende Präsidentenwahl sei kein Motiv für seinen Gang an die Öffentlichkeit gewesen. Onyango selbst war zunächst nicht zu erreichen. Eine Sprecherin der Einwanderungsbehörde lehnte jeden Kommentar ab. Es gebe keine Auskunft zu Einzelfällen, erklärte Kelly Nantel.

Offenbar mit Blick auf die politische Sensibilität des Themas wurde nach Angaben eines Informanten verfügt, dass jede Abschiebung vor Dienstag - dem Tag der Wahl - auf hoher Ebene abgesegnet werden müsste. Barack Obama wurde 1961 als Sohn einer weißen Amerikanerin und eines Kenianers in Honolulu auf Hawaii geboren. Seine Mutter stammt aus Kansas. Der Vater des Präsidentschaftskandidaten studierte einige Jahre in den USA.

Eileen Sullivan, AP



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