Wahlkampfpatzer Britischer Premier Brown beleidigt Wählerin

Der Premier im Kontakt mit dem Volk - was PR hätte sein sollen, wurde am Ende ein Fiasko. Eine Woche vor der Wahl hat sich Gordon Brown einen peinlichen Ausrutscher geleistet: Vor angeschaltetem Mikrofon nannte er eine Wählerin "borniert". Die Opposition ist entzückt.
Wahlkämpfer Brown im Gespräch mit Gillian Duffy: "Das war ein Desaster"

Wahlkämpfer Brown im Gespräch mit Gillian Duffy: "Das war ein Desaster"

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

Gordon Brown

Labour

London - Wo ist, sind Fettnäpfchen nicht weit. Knapp eine Woche vor der Parlamentswahl hat der britische Premier sein Tölpel-Image unter Beweis gestellt. Als ein Mikrofon bei einer Parteiveranstaltung noch lief, lästerte der -Politiker über eine Wählerin und bezeichnete sie als "bigoted" - wörtlich bigott, im Sprachgebrauch borniert und menschenfeindlich.

Brown traf Gillian Duffy bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rochdale bei Manchester. Die 65-Jährige stellte ihm unter anderem kritische Fragen zur Einwanderung und Staatsverschuldung. Seinen verhängnisvollen Kommentar gab Brown auf dem Rückweg zu seinem Wagen ab - ohne zu bemerken, dass er noch ein Mikrofon eines Rundfunksenders am Hemd hatte.

"Das war ein Desaster - sie hätten mich niemals mit dieser Frau zusammenbringen dürfen. Wessen Idee war das denn? Es ist lächerlich", sagte der Premier wörtlich zu Mitarbeitern. Duffy sei "bigoted".

Die Rundfunkanstalten sendeten den Aussetzer des Premiers in aller Ausführlichkeit. Die bloßgestellte Rentnerin reagierte empört, als sie von Browns Äußerungen hörte, und verlangte eine Entschuldigung. "Er ist ein gebildeter Mann. Warum benutzt er solche Worte?"

Der Premier gab sich daraufhin reumütig: "Ich bitte diese Dame mehrfach um Entschuldigung", sagte er im BBC-Radio. Er denke nicht so über sie, wie er dies geäußert habe. Nach Angaben seines Sprechers meldete sich Brown auch telefonisch bei Duffy und entschuldigte sich persönlich.

Später ließ er sich in seinem Dienst-Jaguar obendrein noch zu Duffys Haus bringen und entschuldigte sich persönlich in ihrem Wohnzimmer. Nach dem Gespräch trat er lächelnd aus der Haustür und sagte, er habe Duffy "falsch verstanden". Er sei ein "reuiger Sünder". Duffy selbst erschien nicht mehr vor dem Haus. Sie ließ nur ausrichten, dass die Medien aus ihrer Einfahrt verschwinden sollten.

"Ich werfe mir das selbst vor", sagte Brown laut der britischen Nachrichtenagentur PA. "Man muss aber auch darauf hinweisen, dass ich den Radioleuten behilflich war, in meinem Auto mit eingeschaltetem Mikrofon zum nächsten Termin geeilt bin und es ein privates Gespräch war, dass sie gesendet haben." Er habe sich über eine Frage zur Einwanderung geärgert. Die Rentnerin hatte den Regierungschef unter anderem gefragt, was er angesichts der Rekordverschuldung, der Einwanderung aus Osteuropa und der Studiengebühren zu tun gedenke.

Image-Kampagne dürfte gescheitert sein

Ob Brown auf Duffys Stimme bei der Unterhauswahl am 6. Mai zählen kann, ist unklar. Vor Browns Entschuldigung hatte sie gesagt, sie sei sehr enttäuscht und werde nun gar nicht wählen. Nach der überraschenden Stippvisite äußerte sie sich nicht mehr.

Jüngsten Umfragen zufolge liegt Browns Labour-Partei derzeit hinter den konservativen Tories und den Liberaldemokraten an dritter Stelle. Ein Sprecher der Tories sagte, die Bemerkungen des Premiers sprächen für sich: "Der Premierminister muss nun eine ganze Menge erklären."

Der Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, sagte, Brown habe einen Fehler gemacht. Die Einwanderung sei eine große Sorge der Wähler und Duffy habe eine Antwort auf ihr legitimes Anliegen verdient.

Brown kommt die Berichterstattung über seinen Ausrutscher enorm ungelegen. Erst vor wenigen Wochen versuchte er, sein Image als hölzerner Politiker durch ein tränenreiches Interview aufzupolieren. Kurz darauf erschien jedoch ein Buch, das ihn als jähzornigen Wüterich schildert. Brown wurde immer wieder ein Tölpel-Image nachgesagt. Im Dezember war er aufgefallen, als er öffentlich US-Schauspielerin Reese Witherspoon mit ihrer Kollegin Renée Zellweger verwechselte.

mmq/cvo/Reuters/apn/dpa/AFP