Wahlparteitag Gore will ein "besseres Amerika"

Mit Jubel und Sprechchören "Wir wollen Al" haben die Demokraten auf ihrem Wahlparteitag den Präsidentschaftskandidaten Al Gore gefeiert. In seiner mit großer Spannung erwarteten Antrittsrede versprach Gore, die Demokratie "zurück in die Hände des Volkes zu legen".


Gore küsste seine Frau Tipper
DPA

Gore küsste seine Frau Tipper

Los Angeles - Gore will als "Kämpfer für die arbeitenden Familien" in die heiße Phase des US-Wahlkampfes ziehen. In seiner Antrittsrede zum Abschluss des Wahlparteitages der Demokraten in Los Angeles betonte er zugleich seine politische Eigenständigkeit und grenzte sich damit von Präsident Bill Clinton ab. Gore ging auch direkt auf Vorwürfe ein, er sei zu ernst und zu tiefgründig. Er wisse, dass er als Präsident nicht immer "der aufregendste Politiker" sein werde, sagte Gore. "Aber ich verspreche heute: Ich werde für euch jeden Tag arbeiten, und ich werde euch nicht im Stich lassen."

Gore tritt mit Vizekandidat Joseph Lieberman an seiner Seite bei der Wahl am 7. November gegen den Republikaner George Bush an, hinter dem er bisher deutlich in der Wählergunst liegt. Seine Antrittsrede war daher mit besonderer Spannung erwartet und als "kritisch" für die Erfolgschancen der Demokraten eingestuft worden. In seiner Rede erwähnte Gore jedoch Bush und die Republikaner mit keinem Wort. Stattdessen setzte er dem Programm seines Kontrahenten Punkt für Punkt seine eigenen Ziele entgegen.

Vote
Bush oder Gore?

Wenn es nach Ihnen ginge, wer sollte nach Bill Clinton die Vereinigten Staaten führen?

Auch der Name Clinton fiel nur ein einziges Mal. Millionen Menschen hätten Clinton ein besseres Leben zu verdanken, sagte Gore, der in diesem Zusammenhang vor allem auf die gute Wirtschaftslage verwies. Aber bei der Wahl gehe es nicht um eine Belohnung für vergangene Leistungen. Er bitte nicht wegen der wirtschaftlichen Errungenschaften um Stimmen. "Ich bitte euch heute um eure Unterstützung, weil wir zusammen ein besseres, faireres Amerika mit noch mehr Wohlstand bauen können." Es gehe darum, dass der Wohlstand nicht nur einigen wenigen zugute komme, sondern allen arbeitenden Familien.

Gore betonte wiederholt die Familienwerte und brach eine Lanze für Ehrlichkeit. Im Einzelnen setzte er sich für einen weiteren Sparkurs zur Entschuldung des Staates und für Steuererleichterungen zu Gunsten der Mittelklasse ein. Riesenentlastungen für die Reichen auf Kosten aller anderen werde es mit ihm nicht geben. Gore versprach außerdem "kühne" Schritte zur Förderung der öffentlichen Schulen. Sie sollten die Besten auf der Welt werden. Der Präsidentschaftskandidat will außerdem eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für die Alten und Bedürftigen und an der Minderheitenförderung etwa an Universitäten festhalten.

"Wir müssen die Wahlen gewinnen, denn jede hart arbeitende Familie verdient eine offene Tür zu ihrem Traum", beschwor Gore seine Zuhörer, die ihn immer wieder mit Jubel und Sprechchören wie "Go, go" feierten. "In unserer Demokratie ist die Zukunft nicht etwas, was uns einfach so zustößt - wir müssen sie für uns gestalten."



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.