Warnung vor Libanon-Intervention Ahmadinedschad droht Israel mit Auslöschung

Irans Eiferer hetzt wieder gegen Israel: Präsident Ahmadinedschad hat dem jüdischen Staat mit Auslöschung gedroht, sollte er noch einmal den benachbarten Libanon angreifen. Die USA drängen auf schärfere Sanktionen gegen das Mullah-Regime.


Teheran - Es ist wahrlich nicht die erste anti-israelische Hetze des iranischen Präsidenten, doch dieses Mal verband Mahmud Ahmadinedschad seine Drohung gegen den jüdischen Staat mit einer ganz konkreten Warnung vor einem Angriff auf den Libanon. "Wenn ihr dieses Jahr den Fehler vom vergangenen Jahr wiederholt, wird sich der Ozean der Nationen der Region empören und das zionistische Regime mit Stumpf und Stiel ausrotten", sagte Ahmadinedschad auf einer Massenkundgebung in Isfahan an die israelische Regierung gerichtet.

Irans Präsident Ahmadinedschad: Hetze gegen Israel
AFP

Irans Präsident Ahmadinedschad: Hetze gegen Israel

Ahmadinedschad reagierte mit seinen Äußerungen auf das verschärfte israelische Vorgehen gegen Führer der radikalislamischen palästinensischen Organisation Hamas. Bei einer Razzia wurden heute 33 führende Hamas-Mitglieder verhaftet, darunter auch ein Minister. Zugleich spielte der Eiferer aus Teheran auf die instabile Lage im Libanon an, wo Regierungstruppen nördlich der Stadt Tripoli in Kämpfe mit der radikalen palästinensischen Gruppe Fatah al-Islam verwickelt sind.

Im Streit um das iranische Atomprogramm wollen die USA eine härtere Gangart einschlagen. "Wir müssen die Sanktionen verschärfen", sagte US-Präsident George W. Bush heute in Washington. Seine Regierung werde "mit den europäischen Partnern zusammenarbeiten", um neue Maßnahmen auszuarbeiten.

Nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, ist Iran in der Lage, innerhalb der kommenden drei bis acht Jahre Atomwaffen zu entwickeln. Ahmadinedschad wies die internationalen Forderungen nach Einstellung des Atomprogrammes seines Landes erneut zurück.

Iran verstärkt Anreicherung

Bush kündigte an, auch mit den Präsidenten der Uno-Vetomächte Russland und China, Wladimir Putin und Hu Jintao, über schärfere Sanktionen gegen Iran zu sprechen. Bushs Forderung folgte auf die Veröffentlichung des neuen Iran-Berichts der IAEA. Die Behörde kommt darin zu dem Schluss, dass Iran der Aufforderung des Uno-Sicherheitsrats zur Aussetzung der Uran-Anreicherung erneut nicht nachgekommen sei. Vielmehr sei die Anreicherung verstärkt worden.

ElBaradei sagte bei einer Konferenz in Luxemburg, Teheran baue seine Kenntnisse und Fähigkeiten aus, ohne dass die IAEA Art oder Ziel des Atomprogramms überprüfen könne. Sollte sich die Lage in diese Richtung weiterentwickeln, werde es zu "einer größeren Konfrontation" kommen, warnte er. Es sei schwierig einzuschätzen, wie weit Iran genau vom Bau der Bombe entfernt sei, er teile jedoch die Einschätzung von US-Experten, dass es "in drei bis acht Jahren" passieren könne, sagte ElBaradei.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft forderte von der Regierung in Teheran "volle Transparenz und Kooperation" mit der IAEA. Die Forderungen der internationalen Gemeinschaft müssten erfüllt werden, "damit Vertrauen in die ausschließlich friedliche Natur des iranischen Atomprogramms aufgebaut werden kann", hieß es in Berlin. Ein bevorstehendes Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana solle Teheran nutzen, "um die Voraussetzungen für einen Verhandlungsweg zu schaffen".

Ahmadinedschad warf der internationalen Gemeinschaft vor, sie wolle mit ihren Sanktionsbeschlüssen die Islamische Republik in ihren Grundsätzen angreifen. "Die Feinde wollen eine Kapitulation, damit Iran in der Welt nichts zu sagen hat", sagte Ahmadinedschad laut Berichten iranischer Nachrichtenagenturen.

Der iranische Botschafter in Deutschland, Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti, betonte, das Atomprogramm diene allein friedlichen Zwecken. Iran habe ein Recht auf Nutzung der Atomenergie, sagte Basti dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. "Es gibt überhaupt keinen Grund, für niemanden, vor dem iranischen Atomprogramm Angst zu haben." Die Bundesregierung könne bei der Lösung des Konflikts eine wichtige Rolle spielen, sagte der Botschafter.

phw/AP/AFP



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