E-Mail-Enthüllungen In Assads Welt

Youtube

Von und

3. Teil: Was steht in den Mails?


Der Mail-Verkehr liefert Hinweise darauf, was der Präsident über die Situation in der Protesthochburg Homs weiß und bei wem er sich Ratschläge holt, um dem wachsenden internationalen Druck standzuhalten.

  • Laut der E-Mails war der syrische Machthaber genau über die Anwesenheit ausländischer Journalisten im Stadtteil Bab Amr in Homs unterrichtet worden. Diesen Hinweis erhielt Assad laut dem "Guardian"-Bericht von seinem Berater Kahled al-Ahmad. "Mehrere westliche Medien-Delegationen haben das Gebiet erreicht, indem sie auf illegale Weise die Grenze zum Libanon überquerten", schrieb dieser laut einer der veröffentlichten Mails am 20. November 2011. Die Nachricht ging an die Adresse sam@alshahba.com, hinter der sich der syrische Diktator verborgen haben soll. In Homs waren im Februar eine US-Reporterin und ein französischer Fotograf ums Leben gekommen. Danach gab es immer wieder Spekulationen, dass die syrische Armee gezielt auf den Unterschlupf der Presseleute gefeuert haben könnte. Sogar von einer Ortung der Mobiltelefone war die Rede gewesen.
  • Am 31. Dezember 2011 ließ sich Assad von einem Vertreter Irans beraten, wie er der eskalierenden Lage in seinem Land Herr werden könnte. Wenig später sollte Assad sich in einer Rede an die Nation wenden - nun verlangte er offenbar Tipps für Inhalt und vor allem Tonlage dieser Ansprache. In einer langen E-Mail beruft sich Hadeel al-Ali, Medienexpertin des Präsidenten, unter anderem auf Gespräche mit politischen Beratern der iranischen Botschaft. Darin heißt es: "Die Sprache des Präsidenten muss kraftvoll und brutal sein. Denn das Volk muss einen starken Präsidenten sehen - keinen erschütterten. (…) All das dient dazu, den Menschen Zuversicht zu geben - gerade denen, die zaudern." Auch für den Ort der Rede und die Mischung des Publikums hat die Beraterin Tipps parat: Es sollten vor allem "die Familien von Märtyrern eingeladen werden, damit die Rede wie eine Feier wird." Eine Kapelle solle "ein starkes Lied für die Märtyrer spielen" und "eine der Witwen könnte eine kraftvolle Rede halten". Erst dann solle Assad auf die Bühne kommen.
  • Bereits im November hatte Sicherheitsberater Kahled al-Ahmad dem Präsidenten dringend empfohlen, die Rebellenhochburgen Homs und Idlib zurückzuerobern. "In aller Bescheidenheit finde ich, dass wir den Sicherheitsgriff verstärken müssen, um die Staatsmacht und Autorität in diesen Städten wieder herzustellen. Mit allen dafür nötigen Mitteln. Wenn die Saboteure die Staatsmacht nicht spüren, könnte der Plan der Araber ein sehr schlimmes Ende nehmen."
  • In einer der Mail-Korrespondenzen zwischen Assad und seiner Ehefrau spielt dieser seine eigenen Reformversprechen an das Volk herunter. Seine Zugeständnisse nennt er in dem Schreiben "unnütze Gesetze zu Parteien, Wahlen, Medien".
  • Doha ist eines der möglichen Fluchtziele für die Assads - möglicherweise noch im Jahr 2012. Unter der Betreffzeile "hey!" schreibt eine Tochter des Emirs von Katar am 30. Januar an die Ehefrau des Diktators: "Angesichts der Weltlage und der Eskalation zuletzt, gab es doch bisher nur zwei Möglichkeiten: Machthaber, die abtreten und politisches Asyl bekommen - oder Machthaber, die brutal angegriffen wurden. Ich glaube wirklich, dies ist die Gelegenheit, auszureisen und zu einem normalen Leben zurückzukehren. Ich bin mir sicher, dass ihr viele Orte habt, in die ihr gehen könnt. Doha ist einer davon."

insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Netcube 15.03.2012
1. ...
Zitat von sysopAPGeliebter Ehemann, grausamer Diktator: 3000 private E-Mails von Syriens Präsident Assad liegen offenbar dem "Guardian" vor. Nach Recherchen des Blatts sind sie authentisch. Die Korrespondenz mit Ehefrau und Beratern liefert einzigartige Einblicke in das Weltbild des Despoten - und zeigt seine Vorliebe für ein zynisches Video. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821618,00.html
Gestern noch: "Allerdings, so räumt die Zeitung ein, ließ sich nicht mit endgültiger Sicherheit bestätigen, ob die E-Mails tatsächlich echt sind." GehackterDiktatoren-Account: Tausende private E-Mails stellen Assad-Familie bloß - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821442,00.html)
ergo_789 15.03.2012
2. Schaden durch Anonymous
Zitat von sysopAPGeliebter Ehemann, grausamer Diktator: 3000 private E-Mails von Syriens Präsident Assad liegen offenbar dem "Guardian" vor. Nach Recherchen des Blatts sind sie authentisch. Die Korrespondenz mit Ehefrau und Beratern liefert einzigartige Einblicke in das Weltbild des Despoten - und zeigt seine Vorliebe für ein zynisches Video. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821618,00.html
Es scheint ja so zu sein, als ob die Veröffentlichung durch Anonymous der Aktion der syrischen Aktivisten geschadet hat. Immerhin hat Assad kurz darauf den Account nicht mehr genutzt. Meines Erachtens ein weiterer Beweis dafür, dass die Handlungen dieser Hackergruppierung (Anon) durch ihre Eingriffe von außen alles andere als hilfreich und möglicherweise sogar schädlich sind.
johnny01 15.03.2012
3.
Zitat von sysopAPGeliebter Ehemann, grausamer Diktator: 3000 private E-Mails von Syriens Präsident Assad liegen offenbar dem "Guardian" vor. Nach Recherchen des Blatts sind sie authentisch. Die Korrespondenz mit Ehefrau und Beratern liefert einzigartige Einblicke in das Weltbild des Despoten - und zeigt seine Vorliebe für ein zynisches Video. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821618,00.html
Assad schickt etwa seiner Frau den Link zu einem Clip aus einer US-Castingshow, das er als "beste Illusion aller Zeiten" preist. Ende Dezember schreibt sie ihm: "Wenn wir zusammen stark sind, werden wir das zusammen überstehen. Ich liebe Dich." Diese Frau liebt doch nur die Kohle! Es ist eine Schande, da Sie selbst aus Homs stammt, wo nun die Sunniten (wie Sie selbst) verfolgt werden. Was will Sie mit Ihrem Göttergatten durchstehen? Das Spiel ist für die Assads sowieso vorbei - sie werden niemals mehr so regieren können, wie vor der Rebellion. Das ist nicht mehr möglich. Man kann nur hoffen, dass die bald weg sind.
b.lödheimer 15.03.2012
4. So schnell
Zitat von NetcubeGestern noch: "Allerdings, so räumt die Zeitung ein, ließ sich nicht mit endgültiger Sicherheit bestätigen, ob die E-Mails tatsächlich echt sind." GehackterDiktatoren-Account: Tausende private E-Mails stellen Assad-Familie bloß - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821442,00.html)
ändern sich die Zeiten - da haben wir also nun mit den E-Mails wieder mal einen korrupt-feudalen Diktator nebst habgieriger und zu ausschweifendem Lebensstil neigenden Frau vor uns (also den Alptraum jedes schuftenden Mittelstandshausherren), ein altbekanntes Stereotyp, dem einer Marie-Antoinette ("dann sollen sie eben Kuchen essen") und ihres Ludwigs ("eine Revolte") nicht ganz unähnlich, erinnernd an Ferdinand und Imelda Marcos, nur eben zeitgenössisch upgedated. Der Diktator von Welt geht nicht, wie noch 1789, auf königliche Jagd und schreibt (wie zum 14. Juli 1789) "rien" in sein Tagebuch, sondern tut selbiges beim Shoppen online. Letztlich rechtfertigen ja solche Stereotype (wie 1792/93) den Tyrannensturz / -mord. Wobei noch interessant wäre zu erfahren, wer die "Aktivisten" sind - etwa dieselben Aktivisten, die auf ihren Serverfarmen jenseits des Atlantiks sowieso alle E-Mails mitlesen? Oder nur die von jenen Aktivisten unterstützten Aktivisten in Syrien? Oder haben wir es hier mit einer Mischung aus echten und 'veredelten' Mails zu tun? Ist Syrien übrigens nicht längst von Internetverbindungen abgeschnitten und von Störsendern umgeben? Auch diese Anonymus-Geschichte ist interessant - wurde da nicht neulich einer "umgedreht"?
amana 15.03.2012
5.
Zitat von sysopAPGeliebter Ehemann, grausamer Diktator: 3000 private E-Mails von Syriens Präsident Assad liegen offenbar dem "Guardian" vor. Nach Recherchen des Blatts sind sie authentisch. Die Korrespondenz mit Ehefrau und Beratern liefert einzigartige Einblicke in das Weltbild des Despoten - und zeigt seine Vorliebe für ein zynisches Video. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821618,00.html
Ich denke das schlimme an diesen Emailenthüllungen sind nicht die Einkäufe der First Lady, das hat man doch erwartet von ihr, sondern der Umstand dass als in Ihrer Heimatstadt Homs die Menschen im Mörserfeuer starben sie und Ihr Mann ihr kitschiges Alltagsleben mit Senden von Youtubevideos und done by 5 pm , love you Nachrichten weiterlebten. Das macht einen betroffen und bestärkt mich immer mehr im Glauben dass diese Familie dieses Herrscherpaar längst jenseits von Moral und Anstand handeln. Wenn es nicht über 8000 Tote auf allen Seiten gäbe, könnte man diese Imeldageschichten ja als Boulevardthemen abtuen, aber sie sind eine Ohrfeige für jeden Syrer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.