Watergate Deep Throat outet sich

Eines der am besten gehüteten Geheimnisse ist gelüftet: Der ominöse Informant der Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein war FBI-Agent. Mehr als dreißig Jahre nach der Affäre, die US-Präsident Richard Nixon zu Fall brachte, hat sich "Deep Throat" geoutet. Auch die beiden Journalisten brachen ihr Schweigen.


Die Journalisten Bernstein und Woodward: An Versprechen gebunden
AP

Die Journalisten Bernstein und Woodward: An Versprechen gebunden

New York - Das Magazin "Vanity Fair" berichtet jetzt, bei "Deep Throat" handele es sich um einen FBI-Beamten namens Mark Felt. Der heute 91-jährige Pensionär brach nach mehr als 30 Jahren sein Schweigen. "Ich bin der Typ, den sie Deep Throat nannten", sagte Felt der Zeitschrift. Er lebt heute mit seiner Tochter Joan in Santa Rosa in Kalifornien. Die Familie habe alte Fotos für den Artikel zur Verfügung gestellt, der in der neuen Ausgabe am 8. Juni veröffentlicht wird.

Die beiden Journalisten, die den Skandal in der "Washington Post" enthüllten und berühmt wurden, zeigten sich zunächst verschwiegen. Bob Woodward und Carl Bernstein erklärten, sie würden sich nicht über ihre Quelle äußern. Sie hätten damals ein Versprechen gegeben, erst nach dem Tod der Person zu reden. Daran hielten sie sich. Doch am Abend bestätigten die beiden Journalisten der "Washington Post": Ja, Felt war der Informant.

Über die Identität des nach einem Pornofilm der siebziger Jahre benannten Informanten wurde in den vergangenen 30 Jahren viel spekuliert. Felt wurde dabei ebenso genannt wie verschiedene andere FBI-Spitzenmänner. Auch die damalige Führungsspitze der CIA geriet in Verdacht. Möglich schien selbst, dass der damalige Außenminister Henry Kissinger hinter "Deep Throat" steckte.

Nach Angaben von "Vanity Fair" erfuhr die Familie vor drei Jahren von engen Freunden Felts, dass der ehemalige FBI-Chef schon 1987 oder 1988 über seine Rolle geäußert hatte. Die Tochter habe ihren Vater dann bekniet, sich auch öffentlich zu erklären. Felt sei aber entschlossen gewesen, das Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Beim Anschauen eines Dokumentarfilms über den Skandal fragte die Tochter ihren Vater später: "Glaubst Du, dass 'Deep Throat' Nixon zu Fall bringen wollte?" Felt habe darauf geantwortet: "Nein, ich wollte ihn nicht stürzen. Ich habe nur meine Pflicht getan."

Nach Angaben der Zeitschrift willigte Felt erst dann in seine Enttarnung ein, als sich die Familie auf die möglichen Einnahmen durch eine Veröffentlichung verwies. Mit dem Geld sollen Schulden beglichen werden, die durch die Bezahlung der Schulausbildung der Enkel entstanden seien.

Nixon nach seinem Rücktritt: "Nur meine Pflicht getan"
DPA

Nixon nach seinem Rücktritt: "Nur meine Pflicht getan"

Angefangen hatte die beispiellose Affäre am 17. Juni 1972. Damals brachen in Washington fünf Männer in die Wahlkampfzentrale der oppositionellen Demokraten ein und installierten Mikrofone in den Büros. Ihre Spur führte auf direktem Wege ins Weiße Haus, zum Wahlkampfteam der Republikaner - und zum damaligen US-Präsidenten Nixon selbst.

Bob Woodward und Carl Bernstein, zwei junge Reporter von der "Washington Post", klemmten sich hinter den Fall - und sie enthüllten den größten Politskandal in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Regierung vertuschte, leugnete und log. Knapp zwei Jahre später, nach monatelangen Anhörungen vor dem Parlament und vor Gericht, war Nixon am Ende. Am 8. August 1974 dankte er ab.

Im wesentlichen stützten sich die Enthüllungen der beiden Reporter auf den Informanten, der laut Woodward zu nahezu allen Informationen Zugang hatte: "Deep Throat" wusste, was im Weißen Haus, beim FBI, im Justizministerium und in Nixons Wahlkampfbüro vor sich ging, und er traf die Journalisten nachts auf dunklen Parkplätzen, um seine Informationen preiszugeben. In ihrem krimiähnlichen Buch "All The President's Men" setzten Woodward und Bernstein "Deep Throat" ein Denkmal.



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