Weimarer Dreieck Deutschland, Frankreich und Polen fordern starkes Mandat für Nahost-Friedenstruppe

Das Gipfeltreffen des "Weimarer Dreiecks" war Anfang Juli geplatzt, jetzt bemühen sich die Verteidigungsminister Deutschlands, Polens und Frankreichs um eine Normalisierung der angespannten Beziehungen. Beherrschendes Thema beim Treffen in Polen: eine Friedenstruppe für den Nahen Osten.


Wieliczka - Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie, Polens Radoslaw Sikorski und Franz Josef Jung (CDU) kamen im südpolnischen Wieliczka bei Krakau im Rahmen des sogenannten "Weimarer Dreiecks" zusammen. Bei den Beratungen ging es vor allem um die Lage im Libanon und in welcher Form eine internationale Friedenstruppe für den Nahen Osten zu Stande kommen könnte.

Die Minister forderten einen Waffenstillstand als Voraussetzung für den Einsatz internationaler Truppen. "Wir rufen zum Ende der Gewalt auf und zu einer Vereinbarung über den Einsatz einer internationalen Truppe", sagte die französische Ministerin Michèle Alliot-Marie mit Blick auf die Kämpfe zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah im Libanon. Die Mission müsse "sehr genau" definiert werden und "sowohl materiell als auch rechtlich sehr gut ausgestattet" sein, sagte Alliot-Marie weiter. Die drei Minister drückten bei ihrem Treffen Besorgnis über die Situation im Libanon aus. Zivilisten seien die Hauptopfer, außerdem sei die Infrastruktur bereits stark zerstört, sagte Alliot-Marie.

Alliot-Marie, Jung und Sikorski sprachen den Angaben zufolge auch über eine taktische französisch-deutsch-polnische Einheit aus 1500 Soldaten sprechen, die ab dem Jahr 2013 einsatzbereit sein solle.

Zuletzt hatten sich die Verteidigungsminister 2004 in Frankreich getroffen, turnusgemäß ist das nächste Treffen im kommenden Jahr in Deutschland geplant. Ein Anfang Juli geplanter Gipfel der Staats- und Regierungschefs des "Weimarer Dreiecks" in Weimar war von Polens Präsident Lech Kaczynski abgesagt worden. Als offizielle Begründung war "Unwohlsein" genannt worden. Kaczynski hatte sich kurz zuvor über einen Satirebeitrag in der "tageszeitung" geärgert. Das "Weimarer Dreieck" wurde 1991 ins Leben gerufen.

phw/AFP/AP



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