Weißes Haus "Trump und Merkel kommen sehr gut miteinander aus"

Nach dem Hin und Her der vergangenen Tage scheinen Merkel und Trump nun um Beschwichtigung bemüht: Beide priesen die Bedeutung des Verhältnisses zwischen den USA und Europa.

Merkel und Trump beim G7-Gipfel auf Sizilien
AFP

Merkel und Trump beim G7-Gipfel auf Sizilien


Nach der erneuten Kritik von US-Präsident Donald Trump an Deutschland hat sein Sprecher versucht, die Wogen zu glätten. Die USA sähen Deutschland als wichtigen Verbündeten an, sagte Trumps Sprecher Sean Spicer am Dienstag. "Sie kommen sehr gut miteinander aus", ergänzte er mit Blick auf Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Er hat großen Respekt vor ihr."

Zuvor hatte Trump per Twitter erneut Deutschland wegen seines Handelsüberschusses angegriffen und der Bundesregierung zu geringe Ausgaben für die Nato vorgeworfen. "Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern", schrieb Trump am Dienstag.

Merkel betonte am Dienstag hingegen die "überragende" Bedeutung der transatlantischen Beziehungen. Dies ändere nichts daran, dass die Europäer ihr Schicksal "auch allein in die Hand nehmen müssen", sagte sie nach einem Treffen mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi.

Merkel hatte nach dem G7-Gipfel und dem ausbleibenden Bekenntnis Trumps zum Pariser Klimaabkommen kritisiert, dass sich die Europäer nicht mehr völlig auf ihre Partner verlassen könnten. Ihre deutlichen Worte in Richtung der USA fanden weltweit Beachtung - und Trump-Sprecher Spicer versuchte sie nun offenbar umzudeuten.

Spicer deutet Merkels Worte um - als Beleg für Trumps Erfolg

Entgegen der vorherrschenden Wahrnehmung als Kritik am US-Präsidenten interpretierte Spicer Merkels Aussage als Bestätigung von Trumps Kurs. Die Aussagen der Kanzlerin seien großartig, sie entsprächen genau dem, "was der Präsident gefordert hat", sagte Spicer. Sie seien ein Beleg dafür, dass Trump "Ergebnisse erzielt" - immer mehr Länder erhöhten nun ihren Anteil an den gemeinsam zu tragenden Lasten.

Merkels indirekte Kritik war allerdings von der SPD bereits verstärkt worden. So hatte sich Außenminister Sigmar Gabriel zu Wort gemeldet und den USA unter Trump eine Führungsrolle in der westlichen Wertegemeinschaft abgesprochen.

Der Versuch, zu beschwichtigen, folgte aber ebenfalls: Gabriel sagte am Dienstag, die USA seien "älter und größer als die jetzige Konfliktlage, und deswegen glaube ich, dass wir auch wieder zu guten Verhältnissen in Zukunft kommen werden."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz legte in seiner Kritik an Trump am Dienstag bei einem Spargelausflug mit dem konservativen "Seeheimer Kreis" in Berlin noch einmal nach. Der "Zerstörung der Werte des Westens" müsse man sich "in den Weg stellen", sagte Schulz. Allerdings räumte auch er ein, dass Deutschland weiter auf die Zusammenarbeit mit den USA angewiesen sein werde, etwa im Anti-Terror-Kampf.

sun/Reuters

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alpstein 31.05.2017
1. Einfache Strategie
Trump muss seinen Wähler deren Wunsch nach dem starken leader erfüllen und für die Wirtschaft den Waffenhandel ankurbeln
gammoncrack 31.05.2017
2. Auch wenn Herr Spicer versucht, die Aussagen von Angela Merkel zu relativieren,
bleibt doch letztlich das Fazit aus Trumps Auftreten auf dem G7-Gipfel, dass sich Europa aus vorhandenen Abhängigkeiten lösen muss. Weitere Zusammenarbeit ist damit ja nicht ausgeschlossen. Damit hat Frau Merkel natürlich Recht. Dass die amerikanische Regierung versucht, das nun umzudeuten, ist doch nur zu verständlich. Die in den USA durch die Ansage von Frau Merkel und auch die von Herrn Gabriel eingetretene Betroffenheit der Medien und auch eines größeren Bevölkerungskreises erfordert nun von Donald Trump dagegen zu steuern. Innenpolitisch schon als Versager gebrandmarkt zu sein, ist schlimm genug. Wenn aber die eigene Bevölkerung nun auch seine außenpolitischen Fettnäpfchen wahrnimmt und die möglichen Folgen erkennt, dann ist er wirklich über kurz oder lang erledigt. Dass hier niemand eine Trennung in allen Punkten von den USA proklamiert, ist doch ausschließlich der Hoffnung geschuldet, dass Trump's Ende kurz bevor steht. Und dann geht es wieder im normalen Geschäftsbetrieb weiter.
frickartist 31.05.2017
3.
Solange dieser Ignorant im Weissen Haus haust,ist für Europa die Aussicht auf gute professionelle Beziehungen zu den USA hoffnungslos.Für ihre mutigen Worte erntet Angela Merkel hier in USA bei den Mainstream Medien breite Beachtung und zwischen den Zeilen Zustimmung.Selbst Trump Wähler kapieren allmählich,dass sie sich einen Dilettanten gigantischen Ausmasses eingehandelt haben.Spätestens wenn' s ihnen an den Geldbeutel geht - das wird sehr bald geschehen,Stichworte Steuer,Krankenversicherung - wird es hier ein grosses Heulen und Zähneklappern geben.Ich nehme jede Wette an,dass Trump vor Ablauf seiner Amtszeit aus dem Amt entfernt wird - weil er entweder die Lust verliert und die Sehnsucht nachbdem Golfplatz übermächtig wird,oder weil er per Impeachment gefeuert wird.Als Präsident entspricht er voll und ganz dem Titel seiner früheren tv-show: The Apprentic,was mit " der Lehrling" zu übersetzen ist.Für ihn gilt allerdings:Ein Lehrling der besonders unfähigen Sorte.
fidhelma 31.05.2017
4. so kann man es auch sehen
Langsam wird es mühselig. Es wird Zeit, dass der von einem Großteil der Amis aufgrund eines für uns undurchsichtigen Wahlsystem gewählten Präsident endlich seine politischen Initiativen umsetzen darf. Bitte vor allem innenpolitisch, so dass seine Wähler/innen spüren, was sie sich eingebrockt haben ("best healthcare ever", "best tax reform ever", "bring back our jobs" usw. usw.). Alle außerhalb Trumpland müssen sich von den USA emanzipieren . Das ist schon lange überfällig.
elizar 31.05.2017
5. der Spicer wieder
Ich hab ja schon fast Mitleid mit ihm. Spicer kann doch niemand mehr Ernst nehmen, der sich selbst ein bisschen informiert. Und die, die dann noch übrig wären, die kriegen dann in regelmäßigen Abständen per Twitter vom Donald den nächsten Beleg dafür, dass die Aussagen Spicers nichts wert sind. Es sollte mittlerweile jedem klar sein, dass das derzeitige Weiße Haus wohl in seiner eigenen Realität lebt.
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