Trotz Trump-Skepsis Weißes Haus gibt düsteren US-Klimareport frei

Donald Trump hält den Klimawandel für eine "Erfindung", Hunderte Wissenschaftler belegen nun das Gegenteil - und sind erleichtert, dass die US-Behörden einen entsprechenden Bericht veröffentlicht haben.

Klima-Protest vor dem Weißen Haus
AFP

Klima-Protest vor dem Weißen Haus


13 US-Behörden haben am Freitag einen düsteren Klimareport veröffentlicht, der in weiten Teilen der Position der Regierung von Präsident Donald Trump zum Klimawandel widerspricht. Er sei "nicht sehr überzeugt", was den menschengemachten Klimawandel angehe, hat Trump in der Vergangenheit immer wieder betont. In dem Bericht wird nun klar ausgedrückt, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht werde.

Trotz des krassen Kontrasts zu den eigenen vertretenen Standpunkten habe das Weiße Haus nicht versucht, die per Gesetz alle vier Jahre vorgeschriebene Veröffentlichung zu blockieren. Auch bewahrheiteten sich die Befürchtungen vieler in der wissenschaftlichen Gemeinde nicht, dass die Regierung zuvor Änderungen an dem Report vornehmen könnte. Das sei nicht geschehen, zitierten US-Medien mehrere Experten.

In dem Bericht wird unter anderem vor einem möglichen Anstieg der Meeresspiegel um bis zu gut 2,40 Meter bis zum Jahr 2100 gewarnt. Auch listet der Report die Schäden auf, die als Folge der globalen Erwärmung bereits in den USA entstanden seien. "Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschlicher Einfluss die dominante Ursache der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist", heißt es in dem 2000 Seiten umfassenden mehrteiligen Dokument. Es gebe dafür "keine überzeugende alternative Erklärung".

Erstellt wurde der Bericht von Hunderten Wissenschaftlern in der Regierung und akademischen Welt, die Nationale Akademie der Wissenschaften in den USA überprüfte ihn vor der Weiterleitung an die 13 Regierungsbehörden.

Trump hatte vor seiner Wahl zum Präsidenten den Klimawandel wiederholt als "Erfindung" bezeichnet. Danach sind seine Äußerungen zwar vager geworden, aber Trump hat damit begonnen, unter seinem Vorgänger Barack Obama beschlossene Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren.

Weltweit angeprangert wurde der von ihm verkündete Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Die USA müssen sich daher auch erneut auf Kritik bei der internationalen Klimaschutzkonferenz in der kommenden Woche in Bonn einstellen - zumal vor dem Hintergrund des neuen Reports.

mkl/dpa



insgesamt 117 Beiträge
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freddygrant 04.11.2017
1. Auch in den ...
... USA und nicht nur in Europa solten sich alle Bürger im Klaren sein, dass es nicht fünf vor Zwölf sondern fünf nach Zwölf ist. Leute wie Donald Trump werden das weiter ignorieren und unsere Lebensgrundlagen der Technologie und dem Wirtschaftswachstum opfern.
conrath 04.11.2017
2. A man convinced against his will...
..is of the same opinion still. (Shakespeare zugeschrieben ) Aber die Argumente bröckeln. Es ist auch denjenigen, die den Klimawandel negieren und Trumps "Meinung" anhängen mitlerweile langsam klar, daß es keine gute Idee ist die Forschungsgelder zum Klima zu reduzieren, wenn gleichzeitig behauptet wird, daß es nicht wissenschaftlich erwiesen sei, daß der Klimawandel wesentlich durch den Menschen mit verursacht wird... Wissenschaftler, gebt nicht auf! Die Wahrheit kommt am Ende. Und sie beruht auf Fakten.
Kindergeburtstag 04.11.2017
3. !
Ich finde die Meinung von Steve Koonin gibt sehr gut das Problem mit diesem Report wieder: "Consider the different perception that results from “sea level is rising no more rapidly than it did in 1940” instead of “sea level rise has accelerated in recent decades,” or from “heat waves are no more common now than they were in 1900” versus “heat waves have become more frequent since 1960.” Both statements in each pair are true, but each alone fails to tell the full story."
roland.vanhelven 04.11.2017
4. immer noch ?
Trump haelt nicht den klimawandel fuer eine erfindung, sondern den menschengemachten klimawandel. grosser unterschied. bitte keine konditionierung...
joes.world 04.11.2017
5. Natürlich ist der Klimawandel Menschen-gemacht.
Wer mal eine Großstadt anfliegt und die Dunstglocke über der sieht muss das nur aufrechnen. Auf die vielen Städte dieser Welt mit Emissionen. Aber immer wieder interessant, wie erstaunt SPON noch ist, wenn in den USA Meinungen veröffentlicht werden, die nicht den Sprüchen entsprechen, mit denen Trump seine Wähler gewinnen will. Ist SPON nicht aufgefallen, dass der US-Präsident zwar bei jedem Minister das letzte Wort hat (ähnlich wie Merkel), aber die ihm immer wieder widersprechen dürfen (so gutmütig ist Merkel bei ihren CDU-Ministern nicht; man sehe sich nur an wie Uschi immer versucht nur ja nicht anderer Meinung zu sein wie die Chefin), ohne dass dies Konsequenzen für sie hat. Also warum sollen Wissenschafter, die nicht so abhängig von ihm wie seine Minister sind, nicht ihre Ergebnisse veröffentlichen dürfen? Nach 9 Monaten im Amt noch immer so wenig Verständnis darüber, wie Trump denkt, redet und handelt? Nämlich bei den drei genannten (denken/reden/handeln) oft in drei unterschiedlichen Richtungen.
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