Weißes Haus Hillary geht, Laura kommt

Am Samstag tritt der neue US-Präsident George W. Bush sein Amt an. Die Frau an seiner Seite, Laura Bush, wird als ruhig und relativ zurückhaltend beschrieben. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Hillary Clinton dürfte sich die neue First Lady der USA weit gehend aus der Politik heraushalten.


Washington - "Ich kann Ihnen versichern, dass ich niemals in New York für den Senat kandidieren werde", scherzte die Frau des künftigen US-Präsidenten George W. Bush kurz nach dem Wahltag mit Blick auf die politische Karriere von Hillary Clinton.

Bleibt eher im Hintergrund: Die neue First Lady Laura Bush
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Bleibt eher im Hintergrund: Die neue First Lady Laura Bush

Freunde und Beobachter, die ihre Aktivitäten als First Lady des Staates Texas sechs Jahre lang verfolgten, sehen Laura Bush eher in der Tradition ihrer Schwiegermutter Barbara Bush, die sich während der Amtszeit von George Bush aus der Politik heraushielt.

Stattdessen wird sich Laura Bush voraussichtlich der frühkindlichen Erziehung, der Bildung, der Kunst und der Bekämpfung von Brustkrebs widmen. Beth Ann Bryan, die Leiterin der texanischen Initiative für Familienbildung, ist überzeugt davon, dass sich an diesen Interessen auch mit dem Sprung ins internationale Rampenlicht nichts ändern wird.

Frau mit Kunstsinn

Als ehemalige Lehrerin und Bibliothekarin interessiert sich Laura Bush für Bücher, Geschichte, Kunst, Gesundheit und Kinder. Sie hat jährliche Veranstaltungen mitorganisiert, die texanische Autoren bekannt machen und Spenden für öffentliche Bibliotheken sammeln sollten. Sie sorgte für Ausstellungen texanischer Maler und Bildhauer und dekorierte öffentliche Gebäude des Staates mit historischer Kunst.

Laura Bush wurde in der texanischen Stadt Midland geboren und wuchs als Einzelkind auf. Später besuchte sie die gleiche Schule wie ihr späterer Ehemann, obwohl sich damals beide noch nicht näher kennen lernten. Nach Abschluss ihres Bibliothekarsstudiums an der Universität von Austin arbeitete sie bis zu ihrer Heirat mit George W. Bush als Grundschullehrerin und Bibliothekarin. Die 54-Jährige ist Mutter der Zwillingstöchter Jenna und Barbara.

Sein Versprechen: Laura muss nie eine politische Rede halten

Die zurückhaltende Frau hatte keine Erfahrung mit der Öffentlichkeit, bis ihr Mann in die Politik einstieg. Eine der Lieblingsgeschichten von George W. Bush ist die über seine Verlobung mit Laura im Jahr 1977 nach dreimonatigem Werben. Damals versprach er, sie müsse niemals eine politische Rede halten. Kurz darauf, als er sich um ein Abgeordnetenmandat im Kongress bewarb, wurde Laura Bush aufgefordert, vor einem größeren Publikum zu sprechen. Damals habe sie planlos drauflos geplaudert, erinnert sie sich.

Stimmung machen für den Sieg: Laura Bush auf dem Parteitag der Republikaner
DPA

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Seitdem ist jedoch eine erfahrene Rednerin aus ihr geworden. Sie sprach zweimal auf Parteitagen der Republikaner, darunter die gut aufgenommene Rede, in der sie der Nation ihren Mann als Präsidentschaftskandidaten vorstellte. Während des Wahlkampfs unterstützte sie George W. Bush mit der landesweiten Kampagne "W steht für Frauen", in der sie das Kürzel "W" als Symbol für seinen Einsatz für Frauen (Women) pries. Besonders häufig trat sie dabei in Schulen auf, wo sie den Kindern dann Geschichten vorlas.

"Die Öffentlichkeit mag eine solche Person"

Die Professorin Molly Meijer Wertheimer, die sich mit US-Präsidentengattinnen befasst, ist davon überzeugt, dass die Amerikaner Laura Bush ins Herz schließen werden. "Ich habe das Gefühl, dass sie eine bescheidene und ziemlich scheue Frau ist", sagt Wertheimer. "Und die Öffentlichkeit mag eine solche Person." Diese Meinung teilt offenbar auch der neue Präsident. "Ich scherze, dass mir das Gleiche passiert ist wie meinem Vater", schrieb Bush während des Wahlkampfs in einer Autobiografie. "Unsere beiden Frauen sind sehr viel beliebter als wir." Dass seine Frau scheu sei, hört Bush allerdings nicht gern. Er hält die Bezeichnung "ruhig" für treffender. Dem schließt sich seine Mutter Barbara an: "Laura ist der ruhende Pol in George W.s stürmischem Temperament."

Natalie Gott, AP

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