Weißes Haus zu Bonitäts-Abstieg "Wir müssen uns mehr anstrengen"

Die Regierung in Washington hat sich für eine von allen Parteien getragene Finanzpolitik ausgesprochen. Zuvor war die Bonität der USA herabgestuft worden. Auch Europa steckt in der Schuldenkrise - die Finanzminister der großen Industrienationen wollen deswegen noch am Samstag konferieren.

Das Weiße Haus am Freitag: "Unserer Nation ein stärkeres finanzielles Fundament geben"
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Das Weiße Haus am Freitag: "Unserer Nation ein stärkeres finanzielles Fundament geben"


Washington - Die US-Regierung sorgt sich um die Reaktion der Finanzmärkte am Montagmorgen: Nach dem Entzug der Bestnote bei der Kreditwürdigkeit hat das Weiße Haus die Parteien des Landes zur Geschlossenheit in der Wirtschafts- und Finanzpolitik aufgerufen.

"Wir müssen den Willen, die Fähigkeit und das Engagement unserer Nation, zusammenzuarbeiten und unsere Herausforderungen im Finanz- und Wirtschaftsbereich anzugehen, besser verdeutlichen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Samstag in Washington. US-Präsident Barack Obama glaube, "dass es wichtig ist, dass unsere gewählten Führer zusammenkommen, um unsere Wirtschaft zu stärken und unserer Nation ein stärkeres finanzielles Fundament zu geben".

Obama werde alle Mitglieder des US-Kongresses in den kommenden Wochen ermutigen, "unser gemeinsames Bekenntnis zu einer stärkeren Erholung und einem gesünderen langfristigen Weg bei den Finanzen über politische und ideologische Differenzen zu stellen", fuhr Carney fort. Der von Demokraten und Republikanern in der vergangenen Woche ausgehandelte Kompromiss zur Erhöhung der US-Schuldengrenze sei dabei "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung" gewesen. "Doch der Weg, dorthin zu gelangen, war zu lang und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet. Wir müssen größere Anstrengungen unternehmen, um zu zeigen, dass unsere Nation bereit ist und die Kraft hat, die finanzpolitischen und ökonomischen Herausforderungen anzugehhen."

Sorge um die Finanzmärkte

Carney bekräftigte, dass Obama es vorgezogen hätte, einen "großen Handel" zu erzielen, der die US-Schulden um vier Billionen Dollar (2,8 Billionen Euro) verringert hätte. Demokraten und Republikaner im US-Kongress hatten am Dienstag nur Stunden vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit eine Anhebung der US-Schuldengrenze bei gleichzeitigen Haushaltseinsparungen verabschiedet. Der Kompromiss sieht eine zweistufige Anhebung des Schuldenlimits um 2,1 Billionen Dollar sowie Haushaltskürzungen von mehr als 2,4 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren vor.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte daraufhin am Freitag die Kreditwürdigkeit der USA erstmals in der Geschichte herabgestuft. Dabei hatte die Agentur gefordert, die Schuldenlast um vier Billionen Dollar zu verringern. China hatte Washington daraufhin scharf für seine "Schuldenabhängigkeit" kritisiert und umfangreiche Sparmaßnahmen gefordert. Peking hält 1,2 Billionen Dollar an US-Schulden, mehr als jedes andere Land.

Eine Herabstufung der US-Bonität kommt nicht völlig überraschend. Die drei wichtigsten Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch hatten während des Haushaltsstreits in den USA mit einem entsprechenden Schritt gedroht. Die US-Zentralbank versuchte, die Finanzmärkte zu beruhigen. An der Sicherheit staatlicher Anleihen werde sich nichts ändern, teilte die Fed mit.

Als Konsequenz aus der Herabstufung fürchten Experten weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Bereits in den vergangen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste an den Aktienmärkten gegeben - zumal weiterhin die europäische Schuldenkrise gärt.

Finanzminister wollen telefonieren

Die Finanzminister der G20, der Gruppe der 20 führenden Industrienationen der Welt, wollen deshalb Samstagnacht eine Telefonkonferenz abhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Mitarbeiter des brasilianischen Finanzministeriums. Demnach soll das Telefonat um 23.30 Uhr deutscher Zeit stattfinden. Das Thema: die Krise in Europa und den USA.

Bei der Telefonkonferenz soll es um den Austausch von Informationen und Meinungen gehen. Ebenfalls wollen die Finanzminister der G7 mit ihren Notenbankchefs ein telefonisches Treffen abhalten. Das erfuhr Reuters von einer "europäischen Quelle". Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet von der Verabredung. Das Telefonat soll offenbar am späten Samstag oder am Sonntag abgehalten werden.

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch 17 Staaten, die von S&P die Bestnote AAA erhalten, darunter auch Steueroasen und Zwergenstaaten. Von den führenden Industrienationen (G7) gibt die Agentur jetzt nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada die höchste Bewertung.

ore/AFP/dapd/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
off_road 06.08.2011
1. Kalkül auf das Kurzzeitgedächtnis
Zitat von sysopDie Regierung in Washington*hat sich für eine von allen Parteien getragene Finanzpolitik ausgesprochen. Zuvor war die Bonität der USA herabgestuft worden. Auch Europa steckt in der Schuldenkrise - die Finanzminister der großen Industrienationen*wollen deswegen noch am Samstag konferieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778789,00.html
Vor zwei Tagen hieß es noch: "Wir müssen mehr Schulden aufnehmen." Die Herabstufung hat Obama selbst zu verantworten.
Dumme Fragen 06.08.2011
2. Was...
sagen eigentlich die Tea-Party-Vordenker dazu??
simieto 06.08.2011
3. .
Zitat von off_roadVor zwei Tagen hieß es noch: "Wir müssen mehr Schulden aufnehmen." Die Herabstufung hat Obama selbst zu verantworten.
Nicht wirklich. Er wollte ja die Einnahmen des Staates verbessern. Die Neoliberalen haben das verhindert. Aber es hat auch sein Gutes, um so eher stürzt dieses System ab. Nur wer noch am Heck der Titanic steht empfindet den Aufschwung.
law1964 06.08.2011
4. Die USA müssen sparen aber nicht am falschen Ende
Logisch die USA müssen sparen, aber auch aufpassen wo sie sparen. Der arbeitende Bürger darf nich noch mehr belastet werden. Arbeit muss sich lohnen, dazu gehört auch das die Arbeit die geleistet "normal" versteuert wird. Dies bedeutet die illegale Einwanderung und die damit verbundene Schwarzarbeit konsequent bekämpfen (Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber). Mehr Eigenverantwortung Krankenkasse bitte selbst entscheiden lassen ja oder nein....Beim Militär sollte man nicht sparen. Die USA müssen flexibel bleiben und einsatzbereit.
law1964 07.08.2011
5. Die USA müssen sparen aber nicht am falschen Ende
Logisch die USA müssen sparen, aber auch aufpassen wo sie sparen. Der arbeitende Bürger darf nich noch mehr belastet werden. Arbeit muss sich lohnen, dazu gehört auch das die Arbeit die geleistet "normal" versteuert wird. Dies bedeutet die illegale Einwanderung und die damit verbundene Schwarzarbeit konsequent bekämpfen (Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber). Mehr Eigenverantwortung Krankenkasse bitte selbst entscheiden lassen ja oder nein....Beim Militär sollte man nicht sparen. Die USA müssen flexibel bleiben und einsatzbereit.
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