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Weißrussland: Explosion mitten im Berufsverkehr

Foto: Andrei Stasevich/ AP

Weißrussland Explosion verwüstet U-Bahn-Station in Minsk

Mitten im abendlichen Berufsverkehr hat eine heftige Detonation die U-Bahn im weißrussischen Minsk erschüttert. Mindestens elf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Präsidenten Lukaschenko geht von einem Anschlag aus - und verschärft die Sicherheitsmaßnahmen drastisch.

Minsk - Ausnahmezustand in Minsk: Bei einer schweren Explosion in einer Metrostation in der weißrussischen Hauptstadt sind am Montag mindestens elf Menschen getötet worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Präsidenten Alexander Lukaschenko. Dieser habe sich in einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts zu Wort gemeldet. Demnach wurden zudem rund hundert Menschen bei dem Vorfall verletzt, einige von ihnen schwer.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belta ereignete sich die Explosion im letzten Wagen eines in die Station Oktjabrskaja einfahrenden Zugs. In anderen Berichten ist von zwei Explosionen die Rede. Augenzeugen zufolge stieg schwarzer Rauch aus der Metrostation auf. Der Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge droht die Decke der Station einzustürzen. Viele Menschen liefen blutüberströmt und mit zerfetzter Kleidung aus der Station. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, einem Menschen seien beide Beine abgerissen worden. Dutzende Opfer seien mit Verbrennungen und offenen Wunden auf Tragen fortgeschafft worden.

Der Ausgang der Metrostation Oktjabrskaja liegt direkt am Hauptbüro von Lukaschenko und seiner Residenz. Er machte sich in der betroffenen Haltestelle Oktjabrskaja ein Bild der Lage und legte Blumen nieder. Zwei weitere Stationen wurden gesperrt.

Lukaschenko berief eine Krisensitzung ein und befahl, die Sicherheitsvorkehrungen in dem ohnehin scharf kontrollierten Land noch zu verstärken. Am Unglücksort trafen Mitarbeiter des weißrussischen Geheimdienstes KGB ein.

Russland bietet Hilfe an

Zur Ursache der Explosion ist noch nichts bekannt, die Polizei geht aber von einem Terroranschlag aus. Die Art der Verletzungen der Opfer deuteten auf einen Anschlag hin, zitierte Interfax eine Polizeiquelle. Ähnlich äußerte sich auch Lukaschenko. Er sagte, die Explosion sei "absichtlich" herbeigeführt worden, um Frieden und Stabilität im Land zu untergraben. Womöglich seien Täter "aus dem Ausland" am Werk gewesen.

Die russische Nachrichtenagentur Itartass meldete unter Berufung auf das Katastrophenschutzministerium, es handele sich um eine Bombenexplosion. Die Umstände des Unglücks würden noch untersucht. Auch über die Art des eingesetzten Sprengstoffs bestünde noch keine Klarheit.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew habe mit Lukaschenko telefoniert und Hilfe bei den Ermittlungen und der Behandlung der Verletzten angeboten. Russland sei bereit, den von dem Terroranschlag Betroffenen, alle notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, erklärte Präsidentensprecherin Natalia Timakowa laut Itartass.

Explosion mitten im Berufsverkehr

Der Ausgang der Metrostation Oktjabrskaja führt sowohl zum Hauptbüro von Präsident Lukaschenko als auch zu seiner Residenz. Das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats liegt ebenfalls dort. Die Station verbindet die beiden Hauptmetrolinien der Stadt miteinander. Die Explosion ereignete sich um 18 Uhr Ortszeit und damit mitten im abendlichen Berufsverkehr.

Minsk war zuletzt im Juli 2008 Schauplatz eines Bombenanschlags mit Dutzenden Verletzten gewesen. Damals explodierte während eines Open-Air-Konzerts zum Nationalfeiertag ein mit Schrauben gespickter Sprengsatz. Unter den Zehntausenden Besuchern der Veranstaltung in der Innenstadt befand sich auch Lukaschenko, der sich allerdings weit entfernt vom Anschlagsort aufhielt.

Lukaschenko war erst im Dezember wiedergewählt worden, die Wahlen waren jedoch umstritten. Nach dem Urnengang gab es Massenproteste gegen den Staatschef. Dabei wurden Hunderte Menschen festgenommen, von denen die meisten wieder frei kamen. Mehr als 40 Menschen wurden angeklagt, darunter fünf Oppositionskandidaten. Mehrere Angeklagte wurden zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren verurteilt.

Weißrussland steht zudem vor dem Staatsbankrott und wartet auf einen Milliardenkredit aus dem Nachbarland Russland. Führende Regierungsgegner sind ins Ausland geflohen. In Internetblogs war in ersten Reaktionen die Rede davon, dass die weißrussische Führung möglicherweise versuche, von den schweren innenpolitischen Problemen des Landes abzulenken.

ffr/dpa/AFP/Reuters
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