Weißrussland Lukaschenko begnadigt regierungskritischen Nuklearmediziner

Die Begnadigung kam für Juri Bandashewski völlig unerwartet: Seit vier Jahren saß der Nuklearmediziner wegen kritischer Äußerungen zur Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in einem weißrussischen Arbeitslager ein. Jetzt ließ die für ihre Menschenrechtspolitik kritisierte Regierung den Facharzt frei.


Minsk - "Ich habe das nicht erwartet, und ich habe nicht darauf gehofft", sagte Bandashewski, als er am Sonntagabend nach Hause in die Hauptstadt Minsk zurückkehrte. Er habe nur versucht, zu überleben und sich gesund zu halten. "Jetzt will ich einfach nur weiterleben. Ich weiß nicht wo, und ich weiß nicht, was ich tun werde." Zunächst werde er auf seine Frau Galina warten, die nicht zu Hause sei.

Bandashewski war 1999 festgenommen und wegen angeblicher "Bestechlichkeit" im Jahr 2001 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Der Nuklearmediziner hatte damals das weißrussische Medizininstitut Gomel geleitet und der Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko vorgeworfen, das Ausmaß der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 in der benachbarten Ukraine verschleiert und damit gegenüber der Bevölkerung fahrlässig gehandelt zu haben. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international hatte die Gefangennahme des Arztes kritisiert.



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