Weißrussland Oppositioneller Kosulin vorzeitig aus Haft entlassen

Rückkehr in die Freiheit: Gut zwei Jahre nach seiner Inhaftierung ist der weißrussische Oppositionsführer Alexander Kosulin vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Hintergründe der Begnadigung sind noch unklar.


Minsk - Erleichterung nach gut zwei Jahren hinter Gittern: "Er kommt definitiv nach Hause, und ich hoffe, er kommt für lange Zeit nach Hause", bestätigte die Tochter des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten, Olga Kosulina. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf einen Behördenvertreter, der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko habe Kosulin bereits am Freitag begnadigt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte die Entscheidung.

Oppositionsführer Kosulin: Überraschende Freilassung
DPA

Oppositionsführer Kosulin: Überraschende Freilassung

Den Grund für die Freilassung ihres Vaters kenne sie nicht, sagte Olga Kosulina weiter. Kosulins Sprecher kündigte an, der Oppositionsführer werde am Montag an dem Begräbnis seines Schwiegervaters teilnehmen und anschließend eine Pressekonferenz abhalten. Das Präsidialbüro in Minsk und das Gefängnis, in dem Kosulin, einsaß, waren zu keiner Stellungnahme bereit.

Kosulin war Ende März 2006 nach einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Wiederwahl des autoritär regierenden Präsidenten Lukaschenko festgenommen und zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Kurz zuvor war er als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl angetreten, hatte nach offiziellen Angaben aber nur 2,2 Prozent der Stimmen erhalten.

Der Westen setzte sich immer wieder für Kosulins Freilassung ein. Auf Drängen von EU und USA erhielt er im vergangenen Februar Hafturlaub, um an der Beisetzung seiner an Krebs gestorbenen Frau teilnehmen zu können.

Er hoffe, dass es sich nun um "eine dauerhafte Entlassung" handelt, erklärte Steinmeier in Berlin. Dies sei ein lange erhoffter und häufig angemahnter Akt der Menschlichkeit in Weißrussland, dem weitere folgen müssten. "Die Freilassung aller politischen Häftlinge ist Voraussetzung für eine schrittweise Wiederbelebung der Beziehungen zur Europäischen Union", erklärte Steinmeier weiter. Eine Zusammenarbeit mit Weißrussland könne nur auf Basis europäischer Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gelingen.

Auch das US-Außenministerium begrüßte die Nachricht von Kosulins Haftentlassung. "Wir hoffen auf andere positive Schritte der weißrussischen Behörden, die die Möglichkeit zu einer bedeutenden Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Weißrussland eröffnen könnten", erklärte Ministeriumssprecher Sean McCormack in Washington.

Die US-Regierung hatte den seit 1994 amtierenden Lukaschenko in der Vergangenheit als letzten Diktator Europas gebrandmarkt und wirtschaftliche Sanktionen gegen sein Land verhängt. Ende September finden in Weißrussland Parlamentswahlen statt.

han/AFP



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