Weißrussland Polizeiheere gegen Demonstranten

Mit mehr als 82 Prozent der Stimmen war der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko am Sonntag im Amt bestätigt worden. Seine Gegner zweifeln seither am Wahlergebnis. Zu Tausenden demonstrieren sie heute in Minsk - und stehen vor riesigen Polizei-Einheiten.


Minsk - Mehrere Tausend Polizisten versuchten heute Mittag in der weißrussischen Hauptstadt, eine Demonstration von rund 3000 Lukaschenko-Gegnern zu verhindern. An beiden Zugängen zum zentralen Oktoberplatz drängten Beamte in Kampfausrüstung aus so genannten Anti-Aufruhr-Einheiten die mehreren Tausend Demonstranten ab. Mindestens 2000 Protestierende wichen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in einen nahe gelegenen Park aus.

Anti-Aufruhr-Einheit in Minsk: Polizisten stemmen sich gegen Demonstranten
AFP

Anti-Aufruhr-Einheit in Minsk: Polizisten stemmen sich gegen Demonstranten

Zuvor hatten Hunderte Demonstranten eine Polizeiabsperrung in der Nähe des Platzes durchbrochen. Die Sicherheitskräfte errichteten Metallgitter, um den Oppositionsanhängern den Zugang zu versperren. Ein Polizeikordon stemmte sich den andrängten Demonstranten entgegen, die "Es lebe Weißrussland" und "Schande" skandierten. Es kam zu vereinzelten Prügeleien zwischen den Protestlern und Ordnungshütern. Insgesamt wurde die Atmosphäre aber als relativ gelassen beschrieben.

Die Polizei forderte die Anhänger des Oppositionsführers Alexander Milinkewitsch auf, nach Hause zu gehen, da die Kundgebung nicht genehmigt und damit gesetzeswidrig sei. Nach der umstrittenen Wiederwahl Lukaschenkos hatten bereits Hunderte Demonstranten vier Nächte lang auf dem Platz ausgeharrt. Ihr Zeltlager war gestern von Sicherheitskräften geräumt worden.

Milinkewitsch hatte für heute zu einer Versammlung von Regierungsgegnern anlässlich des inoffiziellen weißrussischen Nationalfeiertags aufgerufen. Seine Anhänger zweifeln das Wahlergebnis von offiziell mehr als 82 Prozent für Lukaschenko an und fordern Neuwahlen. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte die Wahl als "weder fair noch frei" kritisiert.

Das Vorgehen der weißrussischen Regierung gegen die Oppositionsanhänger war von der Europäischen Union und den USA stark kritisiert worden. US-Präsident George W. Bush bekundete den demokratischen Kräften Weißrusslands in einer persönlichen Botschaft seine Sympathien. "Ich sende meine Grüße an jene, die sich für die Rückkehr der Freiheit in Weißrussland einsetzen", sagte Bush gestern in Washington. Die Gedanken der Vereinigten Staaten seien mit allen Menschen, die verfolgt, festgenommen, inhaftiert und geschlagen worden seien.

kaz/AFP/dpa



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