Wahl in Weißrussland Minsker Sicherheitskräfte nehmen Journalisten fest

Bei einer Kundgebung der weißrussischen Opposition in Minsk sind mehrere Reporter festgesetzt worden - darunter auch ein Team des ZDF. Deutsche Journalisten wurden mit Einreiseverboten belegt. Am Sonntag wählt die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik ein neues Parlament.
AP-Fotograf Sergei Grits: Geschlagen und abgeführt

AP-Fotograf Sergei Grits: Geschlagen und abgeführt

Foto: TATYANA ZENKOVICH/ AP

Minsk - Vor der Parlamentswahl an diesem Sonntag schottet sich die Ex-Sowjetrepublik Weißrussland mit Einreiseverboten für deutsche Journalisten weiter ab. Nach einer Korrespondentin des Deutschlandradios wurde nun die zuständige ZDF-Studioleiterin Anne Gellinek von der autoritären Führung in Minsk zur unerwünschten Person erklärt, wie die Journalistin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa bestätigte.

Bei einer Oppositionskundgebung in der Hauptstadt Minsk wurden unterdessen mehrere Mitarbeiter ausländischer Medien, darunter auch des ZDF, kurzzeitig festgenommen. Die ZDF-Journalisten seien kurzfristig festgehalten worden und inzwischen wieder auf freiem Fuß, sagte ein Sprecher des Mainzer Senders am Nachmittag der Nachrichtenagentur AFP. Die Mitglieder des Teams seien unversehrt.

Außer den ZDF-Mitarbeitern seien zwei Fotografen der Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press (AP) sowie vier Journalisten weißrussischer Medien festgenommen worden, erklärte die Vereinigung weißrussischer Journalisten. Die Agentur AP berichtete, ihr Fotograf Sergei Grits sei geschlagen worden.

Grits berichtete, er habe gemeinsam mit acht anderen Journalisten über eine von vier Aktivisten abgehaltene Protestaktion gegen die bevorstehende Parlamentswahl berichtet, als sie von Beamten in Zivil attackiert worden seien. Einer der Männer habe ihn am Hals gepackt, während ein anderer ihm einen Faustschlag aufs Auge verpasst habe.

Die friedliche Protestaktion junger Aktivisten anlässlich der Parlamentswahlen am 23. September habe unter dem Motto "Sage die Wahrheit" gestanden. Plötzlich seien die Journalisten von Unbekannten attackiert worden, dann seien sie festgenommen und in eine "unbekannte Richtung" gebracht worden.

Bereits im Vorfeld des Urnengangs beklagen Regierungsgegner massive Benachteiligungen. So wurde Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch wegen angeblicher Formfehler nicht als Kandidat zugelassen. Aus Protest gegen die ungleichen Bedingungen zogen die beiden größten Oppositionsparteien ihre Kandidaten zurück.

Der Westen blickt ohne große Hoffnung auf Wandel im Reich von "Europas letztem Diktator" Alexander Lukaschenko auf die Wahl am Sonntag.

Ende August wurde bekannt, dass deutsche Sicherheitsbehörden mit ihren weißrussischen Kollegen zusammenarbeiteten.

fab/AFP/dapd/dpa