Weißrussland Über hundert Demonstranten und Reporter festgenommen
Minsk am Mittwoch: Polizisten in Zivil nehmen eine junge Demonstrantin fest
Foto: VIKTOR DRACHEV / AFPMinsk - Sie organisierten die nicht genehmigten Kundgebungen nach arabischem Vorbild über soziale Netzwerke: In etwa zehn Städten Weißrusslands beteiligten sich insgesamt etwa 2.500 Menschen an Demonstrationen gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko, meldete die unabhängige Agentur Belapan am Mittwoch.
Die Polizei der Ex-Sowjetrepublik löste die friedlichen Proteste gewaltsam auf: Mehr als hundert Regierungsgegner und mindestens zehn Journalisten seien festgenommen worden, berichteten Aktivisten. Dabei protestierten die Demonstranten statt mit politischen Parolen stumm mit bloßem Händeklatschen.
Der Protest am Mittwoch war Teil einer Reihe wöchentlicher im Internet organisierter Kundgebungen, bei denen Tausende - vorrangig junge - Menschen gegen die Regierung und deren Wirtschaftspolitik auf die Straße gehen. Das Land steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit vor 20 Jahren.
Wegen ausstehender Zahlungen hat Russland jetzt die Stromlieferungen an den Nachbarn gestoppt. Zwar decken die Importe aus Russland nur rund zehn Prozent des weißrussischen Bedarfs, der Lieferstopp am Mittwoch dürfte den Druck auf das wirtschaftlich angeschlagene Land aber weiter erhöhen.
Eine Sprecherin des weißrussischen Energieministeriums, Ljudmila Senkowich, sagte, es sei unklar, wann das Land seine Schulen abbezahlen könne, da die Währungsreserven zurückgingen. Russland gilt traditionell als der wichtigste Geldgeber und Verbündete Weißrusslands. In den vergangenen Jahren stellte Moskau die wirtschaftlichen Subventionen allmählich ein, während Russland sich um die Kontrolle über weißrussische Industrieanlagen bemühte.
Vergangene Woche versorgte Russland im Rahmen einer aus sechs ehemaligen Sowjetrepubliken bestehenden Wirtschaftsgemeinschaft seinen Nachbarn mit einem Notkredit über 800 Millionen Dollar (562 Millionen Euro). Die Summe lag aber weit unter der, die Weißrussland benötigt. Unabhängigen Experten zufolge braucht Minsk umgehend mindestens neun Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro), um seine Finanzen zu stabilisieren.