Weißrussland Diktator Lukaschenko gönnt sich Luxusjet

Weißrussland steckt wirtschaftlich tief in der Krise, doch Präsident Lukaschenko stört das wenig. Er hat sich auf Staatskosten einen neuen Luxusflieger für mehrere Millionen Dollar gekauft - aus Diktator-Beständen.

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Minsk/Hamburg - Viele politische Freunde hat Alexander Lukaschenko nicht mehr. Der Westen schneidet den weißrussischen Präsidenten, weil dieser die Opposition in seinem Land gewaltsam unterdrückt. Auf das Regime in Turkmenistan in Zentralasien kann sich Lukaschenko aber noch verlassen. Als Ende April Staatschef Gurbanguly Berdymuchammedow in Minsk zu Besuch war, machten die beiden einen Deal: Lukaschenko kaufte seinem Freund aus Aschchabad eine Boeing ab - nicht irgendeine.

Es handelt sich um die Luxusmaschine, die früher dem ehemaligen turkmenischen Herrscher Saparmurad Nijasow gehörte. Dieser benutzte den Jet von Oktober 2004 bis zu seinem Tod im Dezember 2006, wie "Bakutoday" und das regierungskritische weißrussische Nachrichtenportal Charter97 berichten. Danach blieb das Flugzeug am Boden - Nijasows Nachfolger Berdymuchammedow hatte Angst, es zu benutzen. Er sah die Maschine als ein schlechtes Zeichen, ein Omen für Misserfolg.

Angaben aus internationalen Flugregistern bestätigen jetzt Lukaschenkos Flug-Deal: Demnach wechselte die Boeing 767-300ER mit der Baunummer 33968, Kennzeichen: EZ-A700 den Besitzer: Nicht mehr Turkmenistan Airlines, sondern die weißrussische Staatsairline Belavia betreibt jetzt die Maschine - neues Kennzeichen: EW-001PB.

Das Flugzeug ist mit vielerlei Extras ausgestattet: breiten weißen Ledersitzen und -sofas, edler Holzvertäfelung, goldenen Vorhängen. Im Duschbereich der VIP-Maschine sollen wertvolle Metalle und sogar Juwelen verbaut worden sein. Experten schätzen nach Medienberichten den Wert der Boeing auf mindestens 124 bis 160 Millionen Dollar.

Hinzu kommen eine Kommunikationsanlage mit Satellitentelefon und ein Abwehrsystem, das das Luxusflugzeug vor Raketenangriffen schützt. Mit dieser Ausstattung erhöhe sich der Preis der Boeing noch einmal, sagen Experten.

Wie viel Geld der weißrussische Staat für das Flugzeug genau bezahlte, ist unklar. Jedenfalls steckt die hochverschuldete Ex-Sowjetrepublik in einer tiefen wirtschaftlichen Krise: Die Inflation ist drastisch auf über 100 Prozent gestiegen, die Weißrussen können sich für ihre Löhne immer weniger kaufen. Eishockey-Fan Lukaschenko rief schon mehrmals die Bevölkerung auf, den Gürtel enger zu schnallen, auch er verzichte auf neue Schlittschuhe, sagte der Diktator.

Seine neue Maschine soll nun möglichst bald in Dienst genommen werden. Dazu soll das Luxusflugzeug mit der grünen Heckflosse umgespritzt werden. Künftig soll das belarussische Logo auf dem Flugzeug prangen.

Allerdings muss sich Alleinherrscher Lukaschenko noch gedulden, bis er mit seiner neuen VIP-Maschine umherjetten kann. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE steht das Flugzeug mit der grünen Heckflosse in einem Hangar in Istanbul. Auf den dortigen Sabiha Gökcen Airport wurde es am 8. Mai überführt.

Mitarbeit: Benjamin Bidder



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Seite 1
event-horizon-2012 30.05.2012
1. Dummer Artikel
Zitat von sysopREUTERSWeißrussland steckt wirtschaftlich tief in der Krise, doch Präsident Lukaschenko stört das wenig. Er hat sich auf Staatskosten einen neuen Luxus-Flieger für mehrere Millionen Dollar gekauft - aus Diktator-Beständen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835777,00.html
Deutschland ist pleite und Merkel bekommt auch einen neuen Jet. Wo ist das Problem ?
rolandjulius 30.05.2012
2. Lukaschenkos Luxusjet
Ob seine Leute wohl im Stande sind, alle versteckten Wanzen in diesem Luxusliner zu finden? Ich wuerde diesem Vogel nicht trauen
caecilia_metella 30.05.2012
3. Der kleine Unterschied
Die einen Könige dürfen das. Die anderen dürfen es nicht.
flaschenöffner 30.05.2012
4. .
Klar ist Lukaschenko ein schlimmer Finger, aber dieser Artikel voller Mutmaßungen ist ein Sack heisser Luft. Ein Staatsoberhaupt braucht nun mal eine vorzeigbare Regierungsmaschine. Lustig ist eher der second-hand-flugzeugpool der deutschen Flugbereitschaft.
glen13 30.05.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSWeißrussland steckt wirtschaftlich tief in der Krise, doch Präsident Lukaschenko stört das wenig. Er hat sich auf Staatskosten einen neuen Luxus-Flieger für mehrere Millionen Dollar gekauft - aus Diktator-Beständen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835777,00.html
Meine Güte, wird man jetzt auch schon für solche Artikel bezahlt? Was ist das? Journaille to go?
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