Weltgesundheitsorganisation Diktator Mugabe erhält Botschafterjob - und verliert ihn wieder

Kaum ernannt, ist er den Ehrentitel wieder los: Auf Wunsch des WHO-Chefs sollte Simbabwes Diktator Mugabe Afrika-Sonderbotschafter der Organisation werden. Daraus wird nun nichts.

Robert Mugabe
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Robert Mugabe


Die Weltgesundheitsorganisation der Uno (WHO) hat die erst fünf Tage alte Entscheidung, den afrikanischen Staatschef Robert Mugabe zum Sonderbotschafter gegen Krebs und Herzkreislauferkrankungen zu machen, zurückgezogen.

Simbabwes greiser Diktator war am Mittwoch unverhofft zu Ehren gekommen: Bei einer WHO-Konferenz in Uruguay ernannte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den 93-jährigen Machthaber zum Afrika-Botschafter für nichtübertragbare Krankheiten.

Simbabwe, in dem Mugabe seit 37 Jahren regiert, sei "ein Land, das eine landesweite Krankenversicherung ins Zentrum der Politik stellt und Gesundheitsvorsorge für alle Menschen biete", sagte Tedros. Es sei ihm eine Ehre, dass Mugabe eingewilligt habe, als "goodwill ambassador" für die WHO in Afrika nichtübertragbare Krankheiten zu bekämpfen.

Die Entscheidung wurde prompt scharf kritisiert. Iain Levine, Vizechef der US-amerikanischen NGO Human Rights Watch kommentierte, angesichts von Mugabes "widerwärtiger Bilanz in Sachen Menschenrechten, beschämt die Entscheidung, ihn zum Goodwill Ambassador zu machen, die WHO und Dr. Tedros".

Auch zahlreiche westliche Diplomaten erklärten der Nachrichtenagentur Reuters, ihnen sei nicht klar, wie die Entscheidung zustande gekommen sein könnte. Viele Simbabwer leiden unter Hyperinflation und Hunger, von der Ausbeutung der Bodenschätze profitiert eine Clique um den Langzeitherrscher und seine Frau Grace.

WHO-Konferenz mit Mugabe (links) und Direktor Tedros (4.v.l.)
AFP

WHO-Konferenz mit Mugabe (links) und Direktor Tedros (4.v.l.)

Noch am Mittwochabend erklärte der frühere äthiopische Gesundheits- und Außenminister Tedros, er werde seinen Entschluss überdenken. Jetzt zog er die Ernennung zurück.

Sonderbotschafter hat die WHO nur wenige, es sind keine Politiker, sondern Prominente aus Kultur und Wirtschaft. Zu ihnen gehören die chinesische Sopranistin Peng Liyuan oder der britische Fernsehjournalist James Chau.

Einen weltweiten Sonderbotschafter für nichtübertragbare Krankheiten hat die WHO obendrein schon: den New Yorker Unternehmer, Philanthropen und Milliardär Michael Bloomberg. Mugabe wäre in dem Fall damit Bloombergs afrikanischer Counterpart geworden.

cht/Reuters/dpa



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