Welthungerbericht 2015 Zahl der Hungernden sinkt unter 800 Millionen

Wirtschaftswachstum und eine produktivere Landwirtschaft verbessern die weltweite Ernährungslage. Aber noch immer hat etwa jeder Neunte nicht genug zu essen.

Mit Dünger gegen Hunger: Steigende Erträge in der Landwirtschaft weltweit
AP

Mit Dünger gegen Hunger: Steigende Erträge in der Landwirtschaft weltweit


Die Zahl der chronisch Unterernährten sinkt weltweit. Allerdings hungern noch immer etwa 795 Millionen Menschen, ungefähr jeder Neunte auf der Welt. Das geht aus dem Welthungerbericht 2015 hervor, den Uno-Organisationen am Mittwoch in Rom vorgestellt haben.

Damit fällt die Zahl der Hungernden unter die Marke von 800 Millionen. 2014 galten rund 805 Millionen Menschen als chronisch unterernährt, 2013 hatte die Zahl noch bei 842 Millionen gelegen. Anfang der Neunzigerjahre waren es nach Angaben der Uno sogar 200 Millionen mehr: Mehr als eine Milliarde Menschen hungerten damals.

Grund für die positive Entwicklung seien unter anderem Wirtschaftswachstum in Ländern wie China und eine produktivere Landwirtschaft. Die meisten unterernährten Menschen lebten in Asien und Afrika. Den Bericht stellten die Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) vor.

Welthungerhilfe: "Kaum Fortschritte"

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, sieht die Entwicklung dennoch kritisch: Der Bericht zeige "kaum Fortschritte in der weltweiten Hungerbekämpfung", monierte sie am Mittwoch. "Setzt sich der Trend der letzten zehn Jahre fort, rückt unser Ziel - eine Welt ohne Hunger bis 2030 - in weite Ferne." Das sei dann erst nach dem Jahr 2060 zu erreichen.

Sie fordert die G7-Staaten auf, eine deutliche Trendwende einzuleiten. Die Regierungen müssten die staatlichen Mittel zur Hungerbekämpfung bis 2030 kontinuierlich erhöhen, so Dieckmann.

Mehr als 70 Länder erreichen Milleniumsziel der Uno

Auch der Uno-Bericht kritisiert nach wie vor die Lage. Nur 72 Länder haben es demnach geschafft, eins der Milleniumsziele der Vereinten Nationen umzusetzen: Die Zahl der chronisch Unterernährten in ihrem Land um die Hälfte zu reduzieren.

Die sogenannten "Millenium Development Goals" sind acht Entwicklungsziele, die 2000 von Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern beschlossen wurden und 2015 erreicht sein sollen. Eins der Ziele war es, die Anzahl der weltweit in Armut lebenden Menschen zu halbieren. Weitere Ziele waren, Bildung für alle Kinder zu garantieren, die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen und die Gesundheit von Müttern und Kindern zu verbessern. Aids und andere Krankheiten sollten bekämpft werden, ökologische Nachhaltigkeit gefördert und eine Entwicklungspartnerschaft zwischen armen und reichen Ländern erreicht.

sas/dpa



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