Weltweite Proteste Großdemonstrationen für die Freiheit von Farc-Geiseln

Über eine Million Menschen gingen auf die Straße: Bei Demonstrationen zum Unabhängigkeitstag haben Kolumbianer am Sonntag weltweit die Freilassung der rund 700 Entführten gefordert, die sich immer noch in der Gewalt linksgerichteter Rebellen befinden.


Bogotá - "Freiheit! Freiheit!", riefen die Menschen bei Kundgebungen im ganzen Land. "Keine Entführungen mehr", skandierten Demonstranten in der Hauptstadt Bogotá. Allein dort versammelten sich nach Behördenangaben über 900.000 Menschen. Auch in rund 50 Städten im Ausland fanden ähnliche Veranstaltungen statt, darunter in Paris, London, Miami und New York. Neben der linken Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc), die rund 700 Menschen in ihrer Gewalt haben, werden noch mindestens 2000 weitere Opfer von Mafia- oder paramilitärischen Gruppen festgehalten.

Weltweite Demonstrationen zugunsten von Farc-Geiseln: Rund 700 werden weiter vermisst
AFP

Weltweite Demonstrationen zugunsten von Farc-Geiseln: Rund 700 werden weiter vermisst

Die Plaza Bolivar im Zentrum Bogotás war gefüllt mit weiß gekleideten Demonstranten, die Fähnchen in der Friedensfarbe weiß und rot-blau-gelbe Nationalflaggen schwenkten. In der Dschungelstadt Leticia sang Popstar Shakira bei einer Militärparade die Nationalhymne. Der Parade wohnten Präsident Alvaro Uribe sowie dessen Kollegen aus Brasilien und Peru bei, Luiz Inácio Lula da Silva und Alan Garcia. Im ganzen Land träten 120.000 Musiker auf, um für die Befreiung der Farc-Geiseln zu spielen, sagte Uribe.

In Paris eröffnete die kürzlich befreite Geisel Ingrid Betancourt in der Nähe des Eiffelturms ein "Konzert für die Freiheit", bei dem Popstar Juanes vor Tausenden auftrat, wie Shakira ist er ebenfalls Kolumbianer. Betancourt rief den Anführer der Farc-Rebellen, Alfonso Cano, zu Frieden auf. "Verstehe, dass jetzt Zeit ist, das Blutvergießen zu beenden, dass die Zeit gekommen ist, Gewehre mit Rosen zu tauschen", erklärte Betancourt, die sich mehr als sechs Jahre in der Gewalt der Farc befand. Insgesamt gab es in 20 europäischen, sechs asiatischen und 27 US-amerikanischen Städten Kundgebungen.

Der kolumbianische Vizepräsident Fracisco Santos mischte sich in Bogotá unter die Demonstranten. Die Farc müsse erkennen, dass ihr Kampf vorbei ist, sagte Santos der Nachrichtenagentur AP. "Ihre einzige Option ist es, sich an den Verhandlungstisch zu setzen - das heißt, die Waffen niederzulegen." Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens kämpfen seit 44 Jahren gegen die Regierung. Durch die jüngste Geiselbefreiung, mehrere Militärschläge und den Tod des früheren Kommandanten gilt die Organisation als stark geschwächt.

cjp/AP/dpa



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