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Sipri-Studie: Die Arsenale der Rüstungsnationen

Foto: REUTERS/ US Navy

Weltweite Waffenstudie China rüstet auf, der Westen spart

Es ist ein fast schon historischer Rückgang: Erstmals seit der Jahrtausendwende haben die Regierungen weltweit weniger Geld für Rüstung ausgegeben als im Vorjahr. Ein Grund ist der US-Abzug aus Afghanistan und dem Irak. Doch Experten warnen: In vielen Ländern geht es jetzt erst los.

Hamburg - Das US-Militär fährt im Westpazifik derzeit kräftig auf. Zwei Zerstörer patrouillieren vor der koreanischen Halbinsel. Sogar das selten gezeigte SBX-1-Schwimmradar ist in die Krisenregion verlegt, um vor möglichen Raketenstarts aus Nordkorea zu warnen. Tarnkappenjets dröhnen am Himmel über Südkorea. Alles Hightech-Ausrüstung, alles sehr teuer: Die Streitkräfte zeigen (Nordkorea), was sie haben. Mit Blick auf diese Waffenschau überrascht eine Zahl im Jahresbericht der weltweiten Rüstungsetats: Die USA haben ihre Militärausgaben von 2011 bis 2012 um sechs Prozent zurückgefahren.

Das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) analysiert jährlich die weltweiten Rüstungsetats. Im aktuellen Bericht kommen die Sipri-Experten zu einem bemerkenswerten Ergebnis. Nicht nur die USA haben reduziert - auch die gesamten weltweiten Rüstungsausgaben sind zwischen 2011 und 2012 erstmals seit 1998 gesunken. Zwar nur um 0,5 Prozent, aber immerhin. Die Gesamtsumme beträgt 1,75 Billionen Dollar.

Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 waren die globalen Militärausgaben konstant gestiegen. Antreiber waren die USA, die sich in Afghanistan und dem Irak gleich in zwei äußerst kostspielige Kriege stürzten. 2010 und 2011 blieben die Werte noch relativ konstant, nun folgt der Rückgang.

Nach der Ursache mussten die Sipri-Beobachter nicht lange suchen. Unter den Top 15 der Rüstungsnationen verzeichnen die USA die größten Einschnitte. Wobei diese Angabe äußerst relativ zu sehen ist. Mit 682 Milliarden Dollar gab das US-Militär immer noch mehr aus als die nächsten zehn Länder auf der Liste zusammen. Zum Vergleich: für die Nummer zwei auf der Liste, China, gibt Sipri einen geschätzten Etat von 166 Milliarden Dollar an.

Anders gerechnet war das Pentagon für 39 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich. Auch das ein gewaltiger Wert - auch hier gilt jedoch: Zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion liegen die USA unter 40 Prozent.

Die Truppenreduzierung im Irak und in Afghanistan dürften laut der Studie den größten Einfluss auf das sinkende US-Budget gehabt haben. Die Ausgaben für diese Überseeeinsätze sanken binnen eines Jahres von 159 auf 115 Milliarden Dollar. Für die kommenden Jahre sind weitere Budgetkürzungen für das Pentagon vorgesehen. Aber auch die weltweite Finanzkrise habe sich auf die Budgets ausgewirkt.

Ein ähnlicher Trend zieht sich durch die Auflistungen der meisten west- und zentraleuropäischen Länder. Egal ob Großbritannien (minus 0,8 Prozent), Frankreich (-0,3) oder Italien (-5,2). Nur Deutschland verzeichnete mit 0,9 Prozent ein kleines Plus.

Während in den USA, Europa und Australien (-4,0) also der Trend zum Sparbudget geht, rüsten andere Nationen weiter kräftig auf:

  • Unter den Top 15 machte Russland den größten Sprung und erhöhte seine Ausgaben im Beobachtungszeitraum um 16 Prozent. Das Land bleibt auf Platz drei der wichtigsten Rüstungsnationen. Ein Ende der Einkaufstour ist nicht in Sicht: Bis ins Jahr 2020 will der Kreml rund 700 Milliarden Dollar in sein Militär investieren.
  • Auch Saudi-Arabien investiert im großen Stil in seine Streitkräfte. Zwölf Prozent betrug der Anstieg binnen eines Jahres, das Land kletterte im Rüstungsranking auf Platz sieben (Details in der Fotostrecke).
  • China verwaltet mit Ausgaben von geschätzten 166 Milliarden Dollar das zweitgrößte Militärbudget der Welt. 7,8 Prozent bedeuten gleichzeitig das dritthöchste Wachstum in den Top 15.

"Wir beobachten eine Veränderung bei den weltweiten Rüstungsausgaben", sagt Sam Perlo-Freeman, der den Sipri-Bericht mitverantwortet. "Die reichen westlichen Länder fahren ihre Budgets langsam zurück. Dafür holen die weniger entwickelten Regionen rasant auf", so Perlo-Freeman. Zwar sei das Kräfteverhältnis, vor allem durch die übermächtigen USA, noch immer eindeutig. Der beschriebene Trend lasse sich jedoch nicht ignorieren.

Tatsächlich sind auch abseits der Top 15 bemerkenswerte Veränderungen zu beobachten:

  • In Osteuropa stiegen die Ausgaben im Jahr 2012 um 15,3 Prozent. Neben Russland war die Ukraine mit plus 24 Prozent einer der Antreiber.
  • Lateinamerika legte um 4,2 Prozent zu. Paraguay (plus 43 Prozent) und Venezuela (plus 42) verzeichneten hier spektakuläre Wachstumsraten.
  • Im Nahen Osten registrierte Sipri einen Anstieg von 8,4 Prozent. Saudi-Arabien ist schon fast traditionell einer der größten Waffenkäufer. Den weltweit größten Anstieg bei den Militärausgaben verzeichnete jedoch Oman mit einem Plus von 51 Prozent.
  • In Nordafrika stiegen die Militärausgaben um 7,8 Prozent, angetrieben von einer Modernisierungswelle bei den Streitkräften in mehreren Ländern.

"Alles deutet darauf hin, dass die weltweiten Ausgaben auch in den kommenden Jahren sinken - zumindest bis der Nato-Abzug aus Afghanistan komplett ist", sagt Sipri-Experte Perlo-Freeman. Es dürfte jedoch nicht mehr lange dauern, bis sich die Rüstungslust in den aufstrebenden Ländern auch massiv auf die Gesamtausgaben auswirkt.

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