Davos-Gipfel Chef des Weltwirtschaftsforums will Merkel als EU-Kommissionschefin

Was kommt nach der Kanzlerschaft? Kurz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos wünscht sich dessen Gründer Klaus Schwab im SPIEGEL den EU-Spitzenposten für Angela Merkel: "Ich sehe niemanden außer ihr, der das könnte."
Klaus Schwab

Klaus Schwab

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

In diesem Jahr endet die Amtszeit von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Und wenn es nach Klaus Schwab, dem Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos geht, dann sollte Angela Merkel nach Brüssel wechseln und Junckers Nachfolge antreten.

"Ich hoffe, dass Frau Merkel sich nicht aus der Politik zurückzieht. Ich würde mir wünschen, dass sie die nächste Präsidentin der EU-Kommission wird", sagt Schwab im Interview mit dem SPIEGEL. Europa brauche Reformen, aber vor allem eine starke, staatsmännische Führung, um die EU zusammenzuhalten. "Ich sehe niemanden außer ihr, der das könnte", sagt Schwab. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch bei SPIEGEL+ .)

Schwab sieht Europa als möglichen Verlierer des globalen Handelskonfliktes. Dieser Konflikt sei "in Wahrheit ein Kampf um die Vorherrschaft in der vierten industriellen Revolution". Wer in der digitalen Ökonomie führend sei, verschaffe sich einen kaum einholbaren Vorsprung. "Wir sehen das bei Konzernen wie Google, Amazon und Alibaba, das Gleiche gilt jedoch auf staatlicher Ebene: Es geht darum, ob China oder die USA die Vorherrschaft gewinnen", so der WEF-Gründer.

Und weiter: "Europa ist in diesem Kampf zu meinem tiefen Bedauern praktisch nicht mehr existent." Der Kontinent brauche "einen Kraftakt wie die Mondlandung, um in der Digitalwirtschaft wieder Anschluss zu gewinnen".

Das Weltwirtschaftsforum findet vom 22. bis 25. Januar in Davos statt. Erwartet werden rund 2500 internationale Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.

Im SPIEGEL verteidigt Schwab das Treffen gegen den Vorwurf, vor allem den Interessen der globalen Konzerne zu dienen. "Wir sind kein Lobbyverein", so der WEF-Chef. Kein Unternehmen dürfe mehr als 0,3 Prozent zum Budget der Organisation beitragen. "Wir parieren nicht, wenn jemand droht, uns zu verlassen."

Er wehrt sich auch gegen die häufig kritisierte Einladungspolitik des Forums. Es sei wichtig, dass hochrangige Regierungsvertreter der USA, Chinas und Russlands nach Davos kämen, um das "Risiko einer politischen Konfrontation zwischen diesen drei Großmächten zu verringern".

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Besuch in Davos am Donnerstag abgesagt und dies mit dem innenpolitischen Streit über eine Mauer an der mexikanischen Grenze begründet. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte seine Teilnahme aus Termingründen ab.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.