Westjordanland Deutscher Arzt getötet

Bei einem israelischen Raketenangriff auf eine palästinensische Siedlung im Westjordanland ist ein deutscher Arzt ums Leben gekommen.


Ramallah/Bethlehem - Der Arzt lebte nach Angaben seiner Schwägerin seit 22 Jahren in der palästinensischen Kleinstadt Beit Dschallah. Der 68-jährige Harold Fischer habe sich während des israelischen Angriffs am Mittwochabend mit seiner Frau, einer 45-jährigen palästinensischen Christin, unter der Treppe des Hauses versteckt. Dann habe er Hilferufe von Nachbarn gehört, deren Haus von einer Rakete getroffen wurde. Als er herübergerannt sei, um den Nachbarn zu helfen, habe ihn eine Granate getroffen und sofort getötet.

Der Vater dreier Kinder im Alter von 17, 15 und elf Jahren habe jahrelang als Physiotherapeut in einer Klinik gearbeitet, sei aber inzwischen pensioniert gewesen, sagte die Schwägerin.

Der israelische Angriff auf Beit Dschallah war der bislang schwerste auf die Kleinstadt bei Bethlehem. Palästinenser hatten von dort aus am Abend auf den Jerusalemer Vorort Gilo geschossen, der auf von Israel besetztem Gebiet liegt. Die israelische Armee nahm die Stadt daraufhin mit Artillerie und Hubschraubern stundenlang unter schweres Feuer.

Weitere Angriffe israelischer Kampfhubschrauber wurden in der Nacht aus den Städten Tulkarem, Salfit und Hebron im Westjordanland gemeldet.

Die Kämpfe zwischen Palästinensern und Israelis waren am Mittwoch erneut eskaliert. Anlässlich ihres zwölften "Unabhängigkeitstags" - am 15. November 1988 hatte Arafat in Algier symbolisch die Unabhängigkeit Palästinas ausgerufen - hatten die Palästinenser ihre Proteste ausgeweitet. Im Laufe des Tages kamen acht Palästinenser ums Leben.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.