Westjordanland Israel verschiebt Räumung von Beduinendorf

Israels Pläne zur Räumung eines Beduinendorfs hatten international für Protest gesorgt. Jetzt wurde der Abriss verschoben.

Protest vor Beduinendorf
REUTERS

Protest vor Beduinendorf


Die Anklage des Weltstrafgerichts hatte Israel vergangene Woche noch gewarnt: Die geplante Zwangsräumung eines Beduinendorfes im Westjordanland könnte ein Kriegsverbrechen darstellen, erklärte Chefanklägerin Fatou Bensoudain in Den Haag. Auch das Auswärtige Amt hatte Israels Räumungspläne kritisiert.

Tatsächlich stehen die Bagger nun vorerst still. Am Wochenende hat Israel beschlossen, die umstrittene Räumung um einige Wochen zu verschieben. Ziel der Entscheidung des Sicherheitskabinetts sei es, Verhandlungen mit den Einwohnern von Chan Al-Ahmar über eine freiwillige Räumung noch eine Chance zu geben, teilte das Büro des Regierungschefs Benjamin Netanyahu mit.

Israels Höchstes Gericht hatte die Räumung des Dorfes erlaubt und Klagen von Einwohnern gegen den Schritt zurückgewiesen. Am 1. Oktober war eine Frist abgelaufen, die Israel den Einwohnern zur freiwilligen Räumung gesetzt hatte.

Strategisch wichtiges Gebiet

Israel will die mehr als 180 Bewohner von Chan Al-Ahmar auf ein wenige Kilometer entferntes Grundstück umsiedeln. Das Beduinendorf wurde nach Ansicht Israels illegal gebaut. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass es für Palästinenser im Westjordanland kaum möglich sei, Baugenehmigungen zu erhalten.

Die Beduinensiedlung befindet sich östlich von Jerusalem in dem strategisch wichtigen Gebiet E1, das das Westjordanland in eine Nord- und eine Südhälfte unterteilt. Es gehört zu den 60 Prozent des Westjordanlandes, die unter voller israelischer Kontrolle stehen.

Netanjahu bekräftigte am Wochenende, man werde Chan Al-Ahmar räumen. "Ich habe keinerlei Absicht, dies bis auf weiteres zu verschieben, entgegen Medienberichten, sondern nur für eine kurze Zeit", sagte er bei einem Treffen mit US-Finanzminister Steven Mnuchin in Jerusalem.

kev/dpa



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