Westjordanland Israel zieht den Sperrgürtel enger

Nach der blutigen Anschlagsserie vom Sonntag, bei der mindestens 14 Israelis und zwei Palästinenser getötet wurden, will Israel den Belagerungsring um palästinensische Städte im Westjordanland noch enger ziehen. Derweil explodierte bereits eine neue Autobombe.


Jerusalem/Tel Aviv - Bei der Explosion eines Autos im Norden Israels ist am Montagnachmittag einer der Insassen getötet und ein anderer verletzt worden. Wie die Polizei berichtete, ereignete sich die Explosion in der israelisch-arabischen Stadt Umm al-Fachem. Die Polizei ging davon aus, dass eine Bombe in dem Fahrzeug transportiert wurde, die vorzeitig hochging.

Die radikale Palästinenser-Organisation Hamas hatte als Vergeltung für den tödlichen Anschlag der Israelis auf Hamas-Führer Salah Schahada in Gaza zehn Attentate in Israel angekündigt. Nach der Bombenexplosion in einer Cafeteria der Hebräischen Universität mit sieben Toten flog am Sonntag ein Bus bei Safed in die Luft. Mindestens neun Menschen wurden dabei getötet, fast 40 weitere Fahrgäste verletzt.

Angesichts der Flut der Attacken will die israelische Armee die seit fast zwei Jahren belagerten palästinensischen Städte im Westjordanland noch stärker abriegeln. Am Montag berichtete der israelische Rundfunk, Palästinenser dürften die seit Wochen besetzten Städte Ramallah, Tulkarm, Dschenin, Nablus und Kalkilia künftig nur noch verlassen, wenn sie humanitäre Gründe geltend machen können.

Dafür werde Israel auf militärische Vergeltungsmaßnahmen verzichten, hieß es in der Nacht zum Montag nach einem Treffen von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser mit der Armeeführung.

Israelische Soldaten erschossen Montag früh im Dorf Burka bei Nablus zwei Palästinenser, die an Gewalttaten gegen Israelis beteiligt gewesen sein sollen. Am späten Sonntagabend hatten mutmaßliche Extremisten auf einer Straße südlich von Nablus ein israelisches Siedler-Ehepaar erschossen.

Die für diese Woche angesetzten und seit langem geplanten Gespräche mit führenden Palästinenservertretern hat die Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon abgesagt.

In den ersten palästinensisch-israelischen Gesprächen seit Wochen sollte über Erleichterungen für die Palästinenser nach der israelischen Wiederbesetzung weiter Teile des Westjordanlandes Mitte Juni beraten werden.



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