Wettrüsten am Golf Militärexperten warnen vor Irans Schattenmarine

Ist Irans Militär stark genug, um die Straße von Hormus zu blockieren? Mit einer Doppelstrategie wäre dieses Szenario laut Experten denkbar: Seeminen auf den Schifffahrtswegen und Guerilla-Angriffe durch die Marine der Revolutionsgarden. Doch auch die Nachbarstaaten haben aufgerüstet.

Iranische Marine bei Manöver: Wettrüsten am Golf, zu Wasser, zu Lande und in der Luft
AP

Iranische Marine bei Manöver: Wettrüsten am Golf, zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Von und


Berlin/Beirut - Nur 54 Kilometer breit ist die sogenannte Straße von Hormus, die Iran von der Arabischen Halbinsel trennt. An klaren Tagen sieht man Iran von den Klippen der omanischen Provinz Musandam, im warmen Wasser dazwischen sind in den insgesamt nicht einmal zehn Kilometer breiten Fahrrinnen zu jeder Tages- und Nachtzeit Dutzende Schiffe unterwegs. Sie holen bei den rohstoffproduzierenden Anrainern des Persischen Golfs ihre kostbare Fracht, schippern sie durch diese enge Passage und von hier aus über alle Meere in die Welt.

Gut 40 Prozent des auf dem Seeweg transportierten Erdöls passieren diese Seestraße, das ist ein Fünftel des weltweit geförderten Öls: Die Straße von Hormus ist damit ein Lebensnerv der Weltwirtschaft. Und dieses Nadelöhr droht Iran zu blockieren, sollten die USA ihre Sanktionen gegen Teheran verschärfen.

Die Amerikaner reagierten, erst mit Worten, dann mit Taten: Am Donnerstag wurde bekannt, dass die US-Armee zwei Flugzeugträger und weitere Schiffe in die Nähe des Persischen Golfs entsandte. Am Montag verlegte das Militär die "Carl Vinson" ins Arabische Meer, in den nächsten Tagen soll ihr die "Abraham Lincoln" folgen. Amerikanische Militärs bezeichneten den Vorgang als Routinemaßnahme, die in keinem Zusammenhang mit den iranischen Drohungen stehe, die Straße von Hormus zu sperren. Gleichwohl wirft diese Entwicklung ein Schlaglicht auf das andauernde Wettrüsten am Golf - zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Die Saudis geben sechsmal mehr Geld für das Militär aus als Iran

In Deutschland sorgte im vergangenen Sommer der vom SPIEGEL enthüllte Export von bis zu 270 "Leopard 2"-Panzern aus der Bundesrepublik nach Saudi-Arabien für großes Aufsehen. Nur wenige Monate zuvor waren saudische Truppen auf Bitten der dortigen Regierung nach Bahrain einmarschiert um den Aufstand in dem Kleinstaat am Golf niederzuschlagen. Die Saudis machen Iran für die Rebellion der Schiiten in Bahrain verantwortlich und bezichtigen Teheran, das Königshaus in Bahrain stürzen zu wollen. Saudi-Arabien betrachtet sich selbst als Frontstaat gegen den wachsenden Einfluss Irans in der Golfregion.

Fotostrecke

7  Bilder
Konflikt mit Teheran: Wettrüsten am Golf
Diese Rolle lässt sich Riad einiges kosten: Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) gab Saudi-Arabien 2010 etwa 34 Milliarden Euro für sein Militär aus - Tendenz steigend. Damit stecken die Saudis mehr als sechsmal so viel Geld in ihre Armee wie Teheran. Traditionell sind die USA und Großbritannien die wichtigsten Waffenlieferanten. Erst vor wenigen Wochen vereinbarten Riad und Washington die Lieferung von 84 Kampfjets vom Typ F-15SA sowie Dutzenden Kampfhubschraubern. Außerdem modernisierte die saudische Armee in den vergangenen Jahren ihr Arsenal an Flugabwehrraketen.

Für den Fall eines amerikanischen oder israelischen Angriffs auf Iran rechnet Saudi-Arabien mit Vergeltungsschlägen auf seine Ölförderanlagen. Dafür ist Riad nach Einschätzung von amerikanischen Beobachtern nun gerüstet. Mit dem Erwerb weiterer moderner Kampfjets sei zudem auch die saudi-arabische Luftwaffe der iranischen überlegen.

Doch auch die USA sind offenbar zunehmend besorgt wegen eines möglichen Überraschungsangriffs Israels auf Iran. Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta und andere hochrangige Regierungsvertreter hätten die israelische Führung deshalb eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt, berichtet die Zeitung "Wall Street Journal". Zugleich ergriffen die USA aber bereits Maßnahmen, um ihre Einrichtungen im Nahen Osten im Falle einer militärischen Eskalation zu schützen, so das Blatt.

In Israel, das sich durch mögliche iranische Atombomben gefährdet sieht, läuft seit Monaten eine Debatte über das Für und Wider einer Militäraktion gegen atomare Einrichtungen in dem islamischen Staat. Aber auch die USA haben wiederholt gewarnt, alle Optionen einschließlich militärischer Aktionen gegen Iran lägen "auf dem Tisch".

Im Schatten des großen Bruders Saudi-Arabien rüsten die kleineren Golfstaaten ebenfalls immer weiter auf. So kauften die Vereinigten Arabischen Emirate kurz vor Jahresende 2011 ein Flugabwehrsystem von der amerikanischen Waffenschmiede Lockheed Martin vom Typ Thaad im Wert von fast vier Milliarden US-Dollar. Bereits seit 2008 besitzen die Herrscher von Dubai und Abu Dhabi "Patriot"-Abwehrraketen.

Iran könnte die Straße von Hormus verminen

Schutzpatronin der arabischen Golfstaaten bleibt jedoch die US-Armee. In Bahrain ist die Fünfte Flotte der US-Marine stationiert. Außerdem stehen amerikanische Soldaten in Kuwait, Saudi-Arabien, Katar und dem Oman. Nimmt man die US-Stützpunkte im Irak, in Afghanistan, Pakistan und den zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken mit dazu, ergibt sich das Bild eines umzingelten Landes: Iran ist von amerikanischen Militärbasen nahezu umringt.

Iran selbst hat zwei Flotten, die beim Versuch, die Straße von Hormus zu sperren, zum Einsatz kommen könnten: erstens die offizielle Marine, deren Schiffe noch aus der Ära des Schahs stammen und kaum eine Gefahr darstellen. Die zweite, parallel dazu operierende Flotte jedoch ist bestens gerüstet. Die Marine der Revolutionsgarden ist in den vergangenen Jahren von Teheran zur Kommandotruppe ausgebaut worden, mit der Iran einen sogenannten asymmetrischen Krieg am Golf führen könnte. Ausgerüstet mit Schnellbooten, Mini-U-Booten und gegen Schiffe einsetzbaren Lenkraketen ist diese Schattenmarine auf Angriffe mit Guerilla-Taktik spezialisiert. Die seefahrenden Garden sind unberechenbare Akteure, die den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach Expertenmeinung zumindest kurzfristig unterbrechen könnten.

Sorgen bereiten westlichen Militärs dabei vor allem die Seeminen, von denen Iran inzwischen mindestens 2000 Stück besitzen soll. Mit Hilfe der schwimmenden Bomben könnte Teheran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus lahmlegen, ohne auch nur einen weiteren Finger zu rühren, sagen Experten. "Alles, was die Iraner tun müssen, ist zu behaupten, dass sie die Meerenge vermint haben", sagte Jon Rosamund, Marine-Experte beim Sicherheitsmagazin "Jane's" der Nachrichtenagentur Reuters. "Der gesamte Tankerverkehr würde sofort zum Erliegen kommen."

Sollte Iran sich entscheiden, die Minen tatsächlich auszubringen, könnten diese zwar möglicherweise aus der Luft unschädlich gemacht werden. Doch das könnte Tage dauern: In dieser Zeit wären die vor der Meerenge auf Reede liegenden Tanker ein leichtes Ziel für Raketenangriffe und Attacken mit Schnellbooten. Im Falle eines bewaffneten Konflikts "wird alles zur selben Zeit stattfinden", sagte Michael Connell, Direktor eines Programms für Iranstudien der US-Marine, der "New York Times".

mit Material von dpa

insgesamt 189 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
UnitedEurope 14.01.2012
1.
Zitat von sysopIst Irans Militär stark genug, um die*Straße von Hormus zu blockieren? Mit einer*Doppelstrategie wäre dieses Szenario laut Experten denkbar: Seeminen auf den Schifffahrtswegen und Guerilla-Angriffe durch die*Marine der Revolutionsgarden. Doch auch die Nachbarstaaten haben aufgerüstet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809022,00.html
Die größte Gefahr mögen wohl die Minen sein, das stimmt. Doch da der Persische Golf ein relativ kleines Meer ist, würde die iranische Marine sehr schnell komplett zerstört werden, ebenso wie die am Meer ligenden Häfen. Man müsste nur die unzähligen Flugzeuge aus Saudi-Arabien, den VAE, den Flugzeugträgern etc. drüber schicken und da bliebe nicht viel übrig. Danach könnte man sich dann in aller Ruhe um die Minen kümmern, wofür Deutschland dann wahrscheinlich Unterstützung schicken würde.
robert.haube 14.01.2012
2. Big Bang für die Weltwirtschaft
Lange hat´s gedauert. Nun ist er da, der erste vernünftige Artikel in Spon zu diesem Thema. Zu ergänzen: Mit dem Tag der Erklärung, Hormuz sei gesperrt, wird keine Versicherung der Welt auch nur eine Barkasse versichern, die in den Persischen Golf einfahren möchte. Der Öltransport käme unmittelbar zum erliegen. Eine Preisexplosion beim Erdöl würde die angeschlagene Weltwirtschaft nicht verkraften können und kollabieren.
silverhair 14.01.2012
3.
Zitat von UnitedEuropeDie größte Gefahr mögen wohl die Minen sein, das stimmt. Doch da der Persische Golf ein relativ kleines Meer ist, würde die iranische Marine sehr schnell komplett zerstört werden, ebenso wie die am Meer ligenden Häfen. Man müsste nur die unzähligen Flugzeuge aus Saudi-Arabien, den VAE, den Flugzeugträgern etc. drüber schicken und da bliebe nicht viel übrig. Danach könnte man sich dann in aller Ruhe um die Minen kümmern, wofür Deutschland dann wahrscheinlich Unterstützung schicken würde.
Mal wieder viel Muskeln und wenig Verstand. Die Politische Situation ist keineswegs alle gegen einen , sondern die anderen Staaten auf der Welt spielen da auch noch ein wörtschen mit , von China über Russland und Pakistan - und von den anderen Ländern in NO und Nordafrika überhaupt nicht zu reden. Da mal eben ein Land platt machen ist eher der Anfang eines Weltkrieges und kaum seine Beendigung! Und Seeminen schalten sie nicht so einfach aus - die meisten schwimmen auch nicht an der Oberfläche mehr , sondern dümpeln unter Wasser - und die in einem 10 km Breiten und so 30 km langen Kanal zu finden dürfte Monate dauern - den auch nur eine übersehene dürfte bei Explosion eines Tankers die gesamte Strasse dann endgültig still legen! Die Welt ist kein Spielplatz mehr für Muskelbepackte das Gehirnerweichte Möchtegern Kriegsspieler mehr - und ein Flächenland wie den Iran anzugreifen dürfte eine Katastrophe im NO auslösen ...
drouhy 14.01.2012
4. Grins,
Zitat von UnitedEuropeDie größte Gefahr mögen wohl die Minen sein, das stimmt. Doch da der Persische Golf ein relativ kleines Meer ist, würde die iranische Marine sehr schnell komplett zerstört werden, ebenso wie die am Meer ligenden Häfen. Man müsste nur die unzähligen Flugzeuge aus Saudi-Arabien, den VAE, den Flugzeugträgern etc. drüber schicken und da bliebe nicht viel übrig. Danach könnte man sich dann in aller Ruhe um die Minen kümmern, wofür Deutschland dann wahrscheinlich Unterstützung schicken würde.
man könnte auch schlicht die Sanktionen unterlassen und den seit dem Sturz des Schahs herrschenden Kalten Krieg gegen den Iran einstellen. Davon würden alle Völker partizipieren, nur die üblichen Verdächtigen würden ihre brisante Ware nicht los. Dumm nur, dass genau diese beste Verbindungen ins Weisse Haus haben. Das Gefasel einer 54km breiten Strasse von Hormus ist lächerlich, da die Fahrrinne durch iranisches Hoheitsgebiet verläuft und 5km breit ist. Zudem hat der Iran, wie auch die USA das entsprechende Seerechtsabkommen nicht ratifiziert und ist damit an nichts gebunden. Das Getrommel zur Erhöhung des Ölpreises werden die Autofahrer und der Verbraucher bezahlen dürfen, da ja nur alleine die Drohung der Verminung den Schiffsverkehr zum Erliegen bringt. Natürlich ist es verständlich, dass man den Iran nun verbefreien muss - wie sonst soll Nabucco wirtschaftlich arbeiten. Da kommt eine nicht vorhandene A-Bombe, deren Existenz auf Annahmen und Sagen beruht gerade recht. Dass den sunnitischen Schlächtermonarchien der schiitische Iran ein Dorn im Auge ist - logisch, schliesslich geht der Glaubenskrieg ja schon ein paar Jährchen.
silverhair 14.01.2012
5.
Zitat von robert.haubeLange hat´s gedauert. Nun ist er da, der erste vernünftige Artikel in Spon zu diesem Thema. Zu ergänzen: Mit dem Tag der Erklärung, Hormuz sei gesperrt, wird keine Versicherung der Welt auch nur eine Barkasse versichern, die in den Persischen Golf einfahren möchte. Der Öltransport käme unmittelbar zum erliegen. Eine Preisexplosion beim Erdöl würde die angeschlagene Weltwirtschaft nicht verkraften können und kollabieren.
Der Versuch eine Stecknadel im heuhaufen zu finden ist schon extrem schwierig - aber wenn man nicht weiß ob überhaupt eine im Haufen ist ein mehr als mühselige Fleissarbeit! Aber eine einzige "übersehene" wobei man eben nicht weiss viele überhaupt dann vielleicht existieren würde durch eine Explosion den gesamten Schiffsverkehr auf Monate blockieren - vollkommen Unabhängig davon was man danach noch anstellt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.