Whistleblower Manning "Ich bin keine Pazifistin"

Vielen gilt Chelsea Manning als Heldin, weil sie Geheimdokumente der US-Streitkräfte an WikiLeaks übergab - vor allem Friedensaktivisten zeigten sich begeistert. Doch nun stellt Manning aus dem Militärgefängnis heraus klar: Als Pazifistin will sie nicht missverstanden werden.

Ex-Militär Manning (im Juli 2013): "Erschrocken und frustriert"
AP

Ex-Militär Manning (im Juli 2013): "Erschrocken und frustriert"


London - Es ist die erste öffentliche Stellungnahme, seit Chelsea Manning im August zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde - und offenbar will sie einiges geraderücken. Chelsea Manning, die als Bradley Manning bekannt wurde und mittlerweile offiziell als Frau lebt, erklärt in einem Schreiben ihr Missfallen über eine Vereinnahmung durch Friedensaktivisten. Dies berichtet der "Guardian".

Manning hatte im Jahr 2010 Hunderttausende Geheimdokumente an WikiLeaks weitergegeben. Dafür habe sie jedoch ihre ganz eigenen Gründe gehabt, erklärt sie nun.

"Ich würde nicht sagen, dass meine Handlungen besonders von dem Wunsch nach Frieden geprägt waren", schreibt sie in der Stellungnahme, aus welcher der "Guardian" zitiert. "Ich bin keine Pazifistin oder Kriegsgegnerin."

Ihr gefalle das Bild gar nicht, das ohne eigenes Zutun von ihrer Person in der Öffentlichkeit entstanden sei. Wenn überhaupt ein Schlagwort auf sie zutreffe, dann das einer "Verteidigerin der Transparenz", erklärt Manning. Trotzdem sei ihr klar, dass in die Herausgabe der heiklen Dokumente viel hineininterpretiert werden könne.

Besonders stößt sich Manning offenbar am Sean-MacBride-Preis, der ihr im September in Abwesenheit verliehen wurde. Die Auszeichnung geht an Menschen, die sich besonders für Frieden, Abrüstung oder Menschenrechte eingesetzt haben. Als Ersatz für Manning hatte Ann Wright den Preis entgegen genommen, eine frühere Soldatin und heutige Kriegsgegnerin. In ihrer Dankesrede hatte Wright über Manning gesagt, diese "fühle sich überwältigt, dass ihr Einsatz für den Frieden gewürdigt wird".

Manning stellt nun klar: Vom Sean-MacBride-Preis habe sie nichts gewusst - bis sie erfahren habe, dass sie ihn bekommt. Und von einem Einsatz für den Frieden wolle sie lieber nicht sprechen. So ehrenhaft die Preisverleihung sei, habe man sie in den kompletten Prozess nicht eingebunden. Darüber, so Manning, sei sie "erschrocken und frustriert". Man möge sich in Zukunft doch bitte auf ihre offiziellen, schriftlichen Stellungnahmen verlassen - und weniger selbst interpretieren.

Harte Strafe - und Hoffen auf Obama

Die heute 26-Jährige war wegen der Weitergabe von Hunderttausenden Geheimdokumenten an die Enthüllungs-Website WikiLeaks schuldig gesprochen worden. Zusätzlich zu der Haftstrafe über 35 Jahre wurde Manning - früher Obergefreiter - degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen.

Derzeit sitzt Manning im Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas. Bei guter Führung hat sie die Möglichkeit, in etwa neun Jahren auf Bewährung freizukommen. Zusätzlich hat Manning im September ein Gnadengesuch bei US-Präsident Barack Obama gestellt. Von ihm erhofft sie sich eine Verkürzung der Strafe.

Im August hatte Bradley Manning mitgeteilt, dass er ab sofort als Frau und unter dem Namen Chelsea leben möchte. Manning plant eine Hormontherapie. Ob die US-Streitkräfte diesem Wunsch allerdings nachkommen, ist noch offen.

jok



insgesamt 54 Beiträge
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axelkli 09.10.2013
1. Whistleblowerin bitte...
Wenn schon, denn schon
Hamstedt 09.10.2013
2.
Nett, weil irgendein verwirrter plötzlich meint eine Frau zu sein, wird im supratoleranten Speigel gleich das "Er" zum "Sie". Übrigens eine heuchlerische Überschrift, die englische Originalfassung dieses Satzes ist Geschlechtsneutral, abartig wie hier jetzt auch noch versucht wird, irgendwelches Gender-Zeugs in diese schwierige Debatte zu pressen
möglich 09.10.2013
3. optional
Das ist zwar nur eine Nebensächlichkeit, aber der Lead ist so sachlich falsch. Verurteilt wurde Bradley Manning, der später bekannt geben ließ, dass er fortan Chelsea genannt werden und als Frau leben will. Transgender - eine sprachliche Herausforderung.
Fischlord 09.10.2013
4. Verwirrt
Heißt der Whistleblower nicht Bradley Manning und ist ein Mann oder doch eine Frau? Ich bin verwirrt ^^.
darkview 09.10.2013
5. Wer ist der Urheber der Stellungnahme?
Die Antwort ist interessant. Wohl kaum von sich aus sagt sie das... Alles für Strafmilderungen...
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