Wichtiger Durchbruch Zyperns Mauer soll weg

Die geteilte Insel auf dem Weg zur Wiedervereinigung: Zyperngriechen und -türken wollen erstmals seit Jahren wieder offizielle Verhandlungen aufnehmen - und symbolisch die Mauer in Nikosias Altstadt einreißen. Die Führer in Nord und Süd haben endlich Vertrauen ineinander gefunden.

Von Gerd Höhler, Athen


Athen - Die Ledra-Straße ist die beliebteste Flaniermeile im griechischen Süden Nikosias. Starbucks und Swatch, Diesel und McDonald’s: Boutiquen und Cafés säumen die Fußgängerstraße der zyprischen Inselhauptstadt. Aber ein paar Schritte hinter der Taverne "Romios" ist Schluss mit dem Shopping: eine zwei Meter hohe Blechwand versperrt den Weg. Dahinter liegt der türkische Sektor der geteilten Altstadt.

Historischer Handschlag: Christofias (l.) mit Talat (r.) und Unterhändler Möller
AFP

Historischer Handschlag: Christofias (l.) mit Talat (r.) und Unterhändler Möller

Die Wand an der Ledra-Straße war bisher ein Symbol der Teilung. Jetzt soll ihre Öffnung zum Sinnbild der erhofften Vereinigung des seit 34 Jahren gespaltenen Zypern werden.

Bei ihrem ersten Gipfeltreffen am Freitag vereinbarten der neu gewählte griechisch-zyprische Inselpräsident Dimitris Christofias und der türkische Volksgruppenchef Mehmet Ali Talat die Öffnung des Übergangs an der Ledra-Straße. Schon in wenigen Tagen sollen hier die griechischen Zyprer in den Nordsektor und die Inseltürken von dort in den Süden spazieren.

Und das soll nur ein erster Schritt sein: Am Ende steht womöglich die Wiedervereinigung der geteilten Insel. Denn Christofias und Talat einigten sich auf die Wiederaufnahme der vor vier Jahren gescheiterten Volksgruppenverhandlungen über eine Lösung der Zypernfrage. Gemischte Expertengruppen sollen in den kommenden Wochen eine Bestandsaufnahme früherer Vereinbarungen vornehmen und den Rahmen für neue Gespräche abstecken.

In spätestens drei Monaten wollen Christofias und Talat wieder zusammentreffen. Dann könnten die eigentlichen Verhandlungen beginnen, unter der Schirmherrschaft der Uno.

Der Zyperntürke Talat sprach nach der Begegnung am heutigen Freitag bereits vom "Beginn einer neuen Ära" auf Zypern. Gemeinsames Ziel sei eine "umfassende Lösung". Auch Christofias versprach: "Wir werden unser Äußerstes tun, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen."

Christofias, ein Reformkommunist, der Ende Februar zum Nachfolger des nationalistischen Hardliners Tassos Papadopoulos gewählt wurde, genießt gerade im türkischen Inselnorden großes Ansehen, weil sich seine Partei seit jeher für enge Kontakte der beiden Volksgruppen eingesetzt hat.

Treffen im Niemandsland

Das Treffen der beiden Volksgruppenchefs fand an einem historischen Ort statt: in der Residenz des Uno-Zypernbeauftragten Michael Möller. Sie befindet sich in einer ehemaligen Villa am Rand des alten Flughafens von Nikosia. Hier ist seit 34 Jahren kein Flugzeug mehr gelandet, kein Passagier mehr abgefertigt worden. Auf der Startbahn wächst Gras, Sträucher sprießen aus den Rissen im Asphalt des Vorfelds.



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