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David Petraeus: Sturz des Vorzeige-Generals

Foto: AP/ The Charlotte Magazine

Ehebruch-Affäre des Ex-CIA-Chefs Wie das FBI Petraeus auf die Schliche kam

Sie nannten ihn "König David", jetzt steht er als simpler Ehebrecher da: Der tiefe Sturz des Ex-CIA-Chefs Petraeus wirft viele Fragen auf. Wann wusste das FBI Bescheid? Und hielt es Informationen so lange zurück, bis der Präsidentschaftswahlkampf gelaufen war?

Was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, hat die amerikanische Geheimdienst-Community in den vergangenen Monaten keinen wirklich guten Job gemacht. Denn sie hat für eine Menge Wirbel gesorgt und den US-Präsidenten in peinliche Lagen manövriert.

Da enthüllten mehrere Medien im Sommer die Schattenkriege des US-Präsidenten: Wie Barack Obama als Richter und Henker zugleich höchstselbst die Opfer der Drohnen-Attacken auswählt. Dann gab es die Story des CIA-Agenten, der sich als Selbstmordattentäter ausgab und so al-Qaida täuschen konnte. Und: Die Rolle der CIA während der Angriffe auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi wirft Fragen auf. Oder: Kurz vor der US-Wahl feuerten iranische Kampfjets auf eine amerikanische Drohne, das Pentagon veröffentlichte den Vorfall aber erst nach der Wahl.

Wer wusste wann von der Affäre?

Und nun auch noch der CIA-Chef persönlich. Der Rückzug des hochangesehenen Ex-Generals David Petraeus wegen einer außerehelichen Liebesaffäre sorgt in Washington für Aufsehen und viele Fragezeichen.

Denn nach der ersten Schockwelle - ausgerechnet dieser als "Mr. Disziplin" bekannte Mann! - stellt sich nun die Frage: Wer wusste wann was? Die Bundespolizei FBI offenbar war schon seit einigen Wochen im Bilde, informierte die zuständigen Ausschüsse im Parlament aber erst am Freitag. Also nach der Präsidentschaftswahl. Warum zögerte das FBI? Worauf warteten die Bundespolizisten? All dies wird in den nächsten Wochen untersucht werden.

Der weitere Ablauf, rekonstruiert von diversen US-Medien unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter und Quellen im Kongress, war dann dieser: Das Weiße Haus wurde am Mittwoch, also am Tag nach der Wahl, vom obersten US-Geheimdienstchef James Clapper informiert; Obama selbst erhielt die brisante Nachricht am Donnerstag. Kurz darauf bat Petraeus ihn im persönlichen Gespräch um seine Entlassung. Obama zögerte, wartete - wie er das bei großen Entscheidungen stets macht - eine Nacht lang und akzeptierte Petraeus' Rücktritt schließlich am Freitag.

Soviel ist klar: Die Affäre Petraeus ist schon jetzt äußerst unangenehm für den Präsidenten. Sie wäre aber noch weitaus unangenehmer für den Wahlkämpfer Obama gewesen, kurz vor dem Tag der Entscheidung.

Wenn der Chef des mächtigsten Geheimdiensts der Welt eine Liebesaffäre hat, dann ist das alles andere als seine Privatangelegenheit. Schließlich könnten ausländische Mächte hinter der Geliebten stehen - oder sie selbst sucht Zugang zu klassifizierten Informationen. Der Rücktritt des bisher als äußerst integer bekannten Petraeus also war wohl zwangsläufig.

Doch wie ist ihm das FBI auf die Schliche gekommen? Dafür werden derzeit mehrere Varianten gehandelt.

Variante eins: Drohungen der Geliebten. Alles begann vor ein paar Monaten mit einer Beschwerde wegen belästigender Mails, die Paula Broadwell - also die Petraeus-Geliebte - geschrieben haben soll. Empfänger war den Recherchen der "Washington Post" zufolge eine andere Frau, die Broadwell offenbar als Bedrohung für ihre geheime Beziehung zum CIA-Chef wahrnahm. Wer diese zweite Frau ist? Unklar. Es muss sich aber um eine Person in Petraeus' engerem Umfeld handeln.

Die bedrohte Frau jedenfalls wandte sich direkt ans FBI, bat um Schutz und Ermittlungen. In Broadwells Mails entdeckten FBI-Agenten dann die Liebesbotschaften des CIA-Chefs. Petraeus hatte dazu nicht den dienstlichen, sondern seinen privaten E-Mail-Account verwendet. Weil das wiederum ein Sicherheitsrisiko darstellt, suchten die FBI-Experten nach Spuren von Hackern - hatte jemand das Konto gekapert? -, gaben dann aber Entwarnung. Petraeus selbst wurde nach dieser sehr wahrscheinlichen Variante, die auch die "New York Times" unter Berufung auf Regierungs- und Parlamentskreise vertritt, vor zwei Wochen informiert.

Variante zwei: Fahndung nach Durchstechereien. Seit dem Ärger mit den Info-Lecks im Sommer verfolgt das FBI alle möglichen Spuren. Und dabei stieß die Bundespolizei dann eher zufällig auf die Liebesaffäre von Petraeus, der immerhin Hunderte Mails an Broadwell geschrieben hatte. Diese Version vertritt etwa die Nachrichtenagentur Reuters.

Variante drei: die Dr.-Sommer-Spur. Auf Twitter machte am Samstag der Eintrag eines betrogenen Ehemanns in einem Beratungsforum der "New York Times" aus dem vergangenen Sommer die Runde: Der anonyme Verfasser schreibt dort, seine Frau habe eine Affäre mit einem führenden Regierungsmitarbeiter. Dessen Rolle sei es, "ein Projekt zu managen, dessen Fortschritt weltweit als Demonstration amerikanischer Führungsstärke" gesehen werde. Er wisse nun nicht, so der Mann, wie damit umzugehen sei.

Hat hier der Broadwell-Ehemann gesprochen? Man kann es nicht wissen. Die Annahme ist höchst spekulativ. Denn es wird im Regierungskosmos Washingtons mit Sicherheit noch ein paar andere Fremdgeher geben.

So wird der tiefe Sturz des Mannes, den sie mit Anspielung auf die Bibel "König David" nannten, die Hauptstadt noch einige Zeit beschäftigen. Präsident Obama droht ein ungemütlicher Jahresausklang. Einerseits muss er in den wenigen verbleibenden Wochen eine Lösung im Haushaltsstreit mit den Republikanern finden, damit das Land nicht neuerlich in eine Rezession rutscht.

Andererseits könnten die Spannungen zwischen den Parteien sowie zwischen Kongress und Präsident nun weiter zunehmen und Obamas Kompromiss-Suche erschweren: Denn in nächster Zeit geht es in diversen Parlamentsausschüssen nicht mehr nur allein um die Aufklärung der Terror-Attacke in Bengasi - sondern auch um die Rolle von FBI und Regierung in der Affäre Petraeus.

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