US-Wahl Wie Donald Trump Hillary Clinton schlagen kann

Ein genauer Blick auf die Landkarte der USA zeigt: Es spricht viel dafür, dass Hillary Clinton die Präsidentschaftswahlen gewinnen wird. Auch Donald Trump könnte es ins Weiße Haus schaffen - aber einfach wird es nicht.

Sichere Staaten für Demokraten (blau) und Republikaner (rot)

Sichere Staaten für Demokraten (blau) und Republikaner (rot)

Von , Washington


Donald Trump gibt sich stets siegesgewiss. Seit feststeht, dass er der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist, wird die Prahlerei immer schlimmer. "Wir werden gewinnen. Wir werden Hillary schlagen", tönt er.

Was Trump bei solchen Jubel-Arien gerne verschweigt: Die Zahlen sprechen derzeit gegen ihn. Zwar ist er bei den Vorwahlen seiner Partei der große Gewinner. Wenn der Milliardär bei der Präsidentenwahl am 8. November gegen Hillary Clinton erfolgreich sein will, die im Rennen der Demokraten klar in Führung liegt, muss er sich aber noch ordentlich ins Zeug legen.

Einige Vorteile liegen bei der Demokratin. Und dabei geht es nicht nur um aktuelle Umfragen, die Clinton in Führung sehen. Auch Wahlgewohnheiten und der demografische Wandel sprechen eher für sie als für ihn. Um zu verstehen, welche Möglichkeiten Trump trotzdem hat, zu gewinnen, lohnt ein genauer Blick auf das US-Wahlsystem und die Wahlkarte.

Hillary Clintons Weg zur Präsidentschaft

 Hillary Clinton
AP

Hillary Clinton

Zur Erinnerung: Die Präsidentschaftswahl in den USA ist ein zweistufiges Verfahren. Am 8. November wählen die Bürger in den 50 Bundesstaaten zunächst die 538 Wahlmänner und Wahlfrauen, die später dann den Präsidenten küren. Wer in einem Staat die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereint, bekommt in der Regel alle Wahlmänner- und Wahlfrauenstimmen des jeweiligen Staates. Also müssen Trump und Clinton am 8. November möglichst viele dieser Bundesstaaten gewinnen. Die Zahl der Delegiertenstimmen wiederum richtet sich nach der Bevölkerungszahl - so werden zum Beispiel im großen Kalifornien 55 Stimmen vergeben, während es in Vermont nur drei sind.

Für Hillary Clinton ist die Sache klar: Sie braucht mindestens 270 Stimmen. Es gibt 18 Staaten (plus Washington DC), in denen die Demokraten bei den vergangenen sechs Präsidentschaftswahlen stets gewonnen haben. Zu diesen Staaten zählen zum Beispiel Kalifornien, New York oder Michigan. Zusammengerechnet kämen aus diesen Hochburgen der Partei bereits stolze 242 Stimmen - siehe diese Karte:

Die treuesten Wähler der Parteien
sechs mal Republikaner gewählt seit 1992
sechs mal Demokraten gewählt seit 1992
weniger sichere Staaten und Swing States

Republikaner: 13 Staaten, 102 Wahlmänner

Demokraten: 19 Staaten, 242 Wahlmänner

Quelle: Washington Post

Wenn Clinton die Stammwählerstaaten gewinnt - plus einige wenige Staaten, die bislang mal so mal so wählten ("Swing States"), ist sie Präsidentin.

Im besten Fall könnte vielleicht sogar schon ein zusätzlicher Staat ausreichen. Im Clinton-Lager blicken alle Augen auf Florida: Ein Sieg in dem Swing State (29 Stimmen) würde ihr in diesem Szenario den Einzug ins Weiße Haus sichern.

Derzeit hat Clinton in Florida einen Vorsprung. Es gibt Umfragen, die sie 13 Prozentpunkte in Führung sehen, andere deuten auf ein eher knappes Rennen hin. Der Sunshine-State ist eine Latino-Hochburg, hier leben viele Einwanderer aus Kuba und Puerto Rico. Im Gegensatz zu Clinton kann Trump bei dieser Bevölkerungsgruppe bislang kaum punkten. Er schreckt sie durch seine Anti-Migranten-Sprüche sogar regelrecht ab.

Der demografische Wandel, der sich seit zwei Jahrzehnten in den USA vollzieht, könnte Clinton auch in anderen Staaten helfen. Die Zahl der weißen Wähler nimmt ab, die der Latinos, asiatischen Einwanderer oder Afroamerikaner nimmt zu. So könnte die Demokratin darauf hoffen, auch Republikaner-Hochburgen wie Arizona oder Georgia zu gewinnen (mehr dazu im sehr guten Blog von Chris Cillizza bei der "Washington Post").

Trumps Weg zur Präsidentschaft

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump

Bereits seit einigen Jahren kann die republikanische Partei weit weniger sichere Hochburgen vorweisen als die Demokraten. Es gibt insgesamt nur 13 Staaten, die seit 1992 bei jeder Präsidentschaftswahl rot (die traditionelle Farbe der Republikaner) eingefärbt waren. Dazu zählen zum Beispiel Texas, Alabama oder Oklahoma. Insgesamt kommen aus diesen Staaten lediglich 102 sichere Wahlmänner- und Wahlfrauenstimmen, es gibt noch weitere Staaten, die aktuell stark oder in der Tendenz den Republikanern zuneigen. Aber selbst wenn man diese Staaten Trump zurechnet, käme er aktuell lediglich auf 191 Stimmen. Auf der folgenden Karte sieht man die aktuellen Prognosen für die Einzelstaaten - klicken Sie auf die Staaten, um die Anzahl der Wahlmänner zu sehen.

Amerika hat die Wahl
Besonders umkämpfte Staaten

Republikaner (191 Wahlmänner)

Siege ziemlich wahrscheinlich
Siege möglich

Demokraten (253 Wahlmänner)

Siege ziemlich wahrscheinlich
Siege möglich

Quelle: LA Times

Trumps Strategie ist klar. Er hofft, die gesamte Wahlkarte verändern zu können, er will alle bisherigen Gewissheiten der Wahlforschung auf den Kopf stellen - drunter macht es der Milliardär nicht.

Trump will nicht nur die Republikaner-Staaten und wichtige Swing States gewinnen, sondern er zielt vor allem darauf ab, die Demokraten an ihrer Heimatbasis zu schlagen. Das bedeutet, er will Staaten erobern, in denen seit Jahrzehnten kein Republikaner gewählt wurde. Dazu zählen die alten Industriestaaten im Norden wie Pennsylvania und Michigan. Trump glaubt, dass seine globalisierungskritische Botschaft in den alten Arbeiterhochburgen des so genannten "Rust Belt" verfangen kann.

Trumps Vorteil: Seine populistische Botschaft treibt bei den Vorwahlen seit Monaten Menschen an die Wahlurnen, die bisher selten oder gar nicht zur Wahl gegangen sind - sei es aus Desinteresse oder aus allgemeinem Frust über die Politik. Trump mobilisiert also neue Wählergruppen - hauptsächlich in der weißen Bevölkerung. Das will er auch bei der eigentlichen Präsidentenwahl schaffen. Eine neue Umfrage zeigt Trump zum Beispiel in der Demokraten-Hochburg Pennsylvania nur einen Prozentpunkt hinter Clinton.

Trump zielt auch auf demokratische Wähler, die bislang noch den Clinton-Rivalen Bernie Sanders unterstützen. Allerdings zeigen die bislang wenig Sympathien für Trump. Laut einer aktuellen Umfrage können 86 Prozent der Sanders-Anhänger den Republikaner nicht ausstehen.

Und noch ein Faktor dürfte bei dieser Wahl wichtig werden: Das Wahlverhalten der Frauen. In den meisten wichtigen Swing States stellen Frauen inzwischen die Mehrheit der Wählerschaft. In Florida sind es zum Beispiel 55 Prozent. Auf diese Wählerinnen zielt Hillary Clinton. Trump ist dagegen bei Frauen wegen seiner zahlreichen Machosprüche aktuell äußerst unbeliebt. Wenn er wirklich gegen Clinton eine Chance haben will, muss er das in den verbleibenden sechs Monaten bis zur Wahl ändern.

Zusammengefasst: Hillary Clinton hat einige Vorteile gegenüber Trump, weil sie auf viele Stammwähler der Demokraten setzen kann. Im besten Fall könnte ihr schon ein zusätzlicher Sieg in Florida die Präsidentschaft sichern. Donald Trump dürfte es bis zur Wahl am 8. November sehr schwer fallen, diesen Nachteil wett zu machen. Er hofft aber, neue Wählergruppen ansprechen zu können.

Ergebnisse der US-Vorwahlen
insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
pasajo 11.05.2016
1.
Hillary Clinton sollte erst mal Bernie Sanders schlagen, danach kann sie sich um Trump kümmern.
Spiegelleser22 11.05.2016
2. Trump hat gute Chancen!
Ich komme viel mit Amerikanern zusammen. Sie meinten alle, Trump hat gute Chancen. Zwar seien die Latinos und die Schwarzen geschlossen für Clinton, aber diese Wählergruppe hat einen entscheidenden Nachteil. Die gehen kaum wählen. Im Gegensatz dazu die weiße Mittelschicht. Und die steht fast geschlossen hinter Trump.
coloneltw 11.05.2016
3. sie sollte sich
Sanders als Vize sichern. Auch er steht für eine neue Wählergruppe, die bisher nicht zur Wahl gegangen ist. Zudem sollte sie den Feind nie unterschätzen und bis zum letzten kämpfen, denn das schwierigste ist immer noch eine gewonnene Partie zu gewinnen. Hoffen wir das Trump seinem Wesen treu bleibt. Auch Amerikaner vergessen schnell. Wenn er plötzlich um Ausländer und Frauen wirbt könnte es knapp werden. Wenn er seinem Wesen treu bleibt werden die es nicht vergessen was für einen Idioten sie da eigentlich vor sich haben
kalle blomquist 11.05.2016
4. Wahlberichterstattung
Wenn Hillary Clinton sagt: "Wir werden gewinnen", steht im Spiegel so etwas wie: Die erfahrene Politikerin lässt sich nicht unterkriegen und unterstreicht selbstbewusst, dass sie fest an sich und ihren Sieg glaubt. Wenn Trump exakt dieselben Worte verwendet, steht im Spiegel: Der exzentrische Milliardär prahlt unverhohlen, als hätte er den Sieg schon sicher.
nero3 11.05.2016
5. Kann ich mir nicht vorstellen
Wenn die Republikaner bei den letzen zwei Wahlen bereits abgestraft wurden, kann ich mir kaum vorstellen, dass es nun jemand wie Trump schafft.
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