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31. März 2003, 17:24 Uhr

Wieczorek-Zeul

Deutschland wird zu Irak-Wiederaufbau beitragen

Bei einem Wiederaufbau des Iraks nach dem Ende des Krieges wird auch Deutschland einen Beitrag leisten. Zugleich erneuerte die Bundesregierung aber die Forderung, dass die Hauptverantwortung dafür bei denen liegen müsse, die den Krieg begonnen haben.

Heidemarie Wieczorek-Zeul: Schon jetzt der irakischen Bevölkerung helfen
DPA

Heidemarie Wieczorek-Zeul: Schon jetzt der irakischen Bevölkerung helfen

Berlin - Im Moment komme es vordringlich darauf an, die Menschen im Irak vor einer humanitären Katastrophe zu bewahren, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Die Hilfswerke müssten sicheren Zugang zu den Bedürftigen bekommen. Das "Food for Oil“- Programm dürfe nicht länger blockiert werden. Das Wichtigste sei jedoch, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet werde, betonte die Ministerin.

Wieczorek-Zeul sagte nach einem Treffen mit Hilfsorganisationen, sie teile die Meinung, dass der Wiederaufbau unter der Autorität der Vereinten Nationen stehen müsse. Die Errichtung eines US-Protektorats müsse ausgeschlossen werden. "Selbstverständlich wird es unter diesen Bedingungen eine europäische und auch eine deutsche Beteiligung geben müssen."

Der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Josef Sayer, forderte, der Wiederaufbau dürfe nicht allein von der Entscheidung der möglichen Siegermächte abhängig sein. Gefragt seien vielmehr langfristige entwicklungspolitische Perspektiven. Deshalb sei die Entwicklungspolitik gerade jetzt wichtig und müsse in der Region verstärkt werden.

So wie diese kurdischen Flüchtlinge sind viele Menschen im Irak auf Hilfe angewiesen
REUTERS

So wie diese kurdischen Flüchtlinge sind viele Menschen im Irak auf Hilfe angewiesen

Heribert Rührig vom Bündnis "Aktion Deutschland Hilft“ sagte, die gesamte Bevölkerung des Irak von 25 Millionen Menschen werde von humanitärer Hilfe abhängig, wenn der Krieg noch lange dauere. Darauf müssten die Hilfswerke vorbereitet sein. Schon jetzt sei davon auszugehen, dass rund zehn Millionen Menschen Hilfe benötigten. Im Moment gebe es aber keine Möglichkeit, in den Irak hineinzukommen.

Alexander Christoph von der Organisation "Architekten für Menschen in Not" berichtete bereits vergangene Woche in SPIEGEL ONLINE, dass durch das Handelsembargo schon vor Kriegsbeginn 60 Prozent der Menschen nur durch Hilfsgüter vor dem Verhungern gerettet wurden.

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