Wiederaufbau Geberländer vereinbaren "Afghanistan-Pakt"

Die internationale Staatengemeinschaft hat Afghanistan weitere Finanzhilfe in Milliardenhöhe zugesagt. Auf einer hochrangig besetzten Konferenz in London verabschiedeten die Teilnehmer heute einen neuen "Afghanistan-Pakt".


London - Der Pakt ist ein Aufbauprogramm für die kommenden fünf Jahre. Er soll das immer noch von Krieg und Bürgerkrieg geschundene Land voranbringen. Ziele sind unter anderem der Aufbau einer Afghanischen Nationalarmee (ANA) mit bis zu 70.000 Soldaten. Zudem sollen bis Ende 2007 alle illegalen Milizen entwaffnet sein. Außerdem gehört auch die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Leitungswasser sowie mehr Schulbildung für Kinder dazu.

Tony Blair, Hamid Karzai und Kofi Annan: Pakt für die nächsten fünf Jahre
AP

Tony Blair, Hamid Karzai und Kofi Annan: Pakt für die nächsten fünf Jahre

Der Deutsche Tom Koenigs soll die Umsetzung des "Afghanistan-Pakts" im Uno-Auftrag überwachen. Der Grünen-Politiker tritt am 15. Februar das Amt als Uno-Botschafter für Afghanistan an.

Die zweitägige Konferenz mit mehr als 70 Teilnehmerstaaten knüpft an frühere Treffen in Bonn, Berlin und Tokio an, bei denen Afghanistan nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban Ende 2001 ebenfalls Hilfe zum Wiederaufbau erhalten hatte. Anders als bei früheren Gelegenheiten ging es zwar nicht in erster Linie um weitere Finanzhilfen. Aber natürlich wurde viel über Geld geredet: US-Außenministerin Condoleezza Rice kündigte für 2007 Hilfe in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro) an, was vom Kongress noch bewilligt werden muss. Einen ähnlich hohen Betrag stellten die USA bereits für das laufende Jahr zur Verfügung. "Der in Afghanistan vollzogene Wandel ist bemerkenswert, aber noch unvollständig", sagte Rice. Großbritannien stellte 455 Millionen Pfund (665 Millionen Euro) für die nächsten drei Jahre in Aussicht.

Als nach wie vor größte Probleme nannte Präsident Hamid Karzai Terrorismus und Drogenhandel. Er mahnte die Staatengemeinschaft nachdrücklich, in den gemeinsamen Anstrengungen nicht nachzulassen. Durch den Terrorismus würden nicht nur Sicherheit und Unabhängigkeit in Afghanistan allein gefährdet. Beim Versuch, den Anbau von Mohn zu beenden seien noch mindestens zehn Jahre harter und systematischer Anstrengungen erforderlich.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan sagte, Afghanistans Weg zu Sicherheit und Demokratie sei ein Anliegen der gesamten Welt. "Afghanistan erwartet eine Friedensdividende, und es verdient sie auch."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier versprach, die internationale Gemeinschaft wolle den Wiederaufbau zu einem erfolgreichen Ende bringen. "Ausmaß und Tempo werden aber mehr denn je von den Vorgaben der afghanischen Regierung und des afghanischen Parlaments abhängen."



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