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31. August 2010, 16:20 Uhr

Wiederaufbau im Irak

Kontrolleure decken Vergeudung von US-Geldern auf

Die USA haben mehr als 50 Milliarden Dollar in den Wiederaufbau des Irak gesteckt. Kontrolleure haben nun herausgefunden, dass mindestens fünf Milliarden davon in fragwürdige oder überflüssige Projekte investiert wurden.

Chan Bani Saas - Von den 50 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 40 Milliarden Euro), die die USA für den Wiederaufbau des Irak zur Verfügung gestellt haben, sind mehr als zehn Prozent verschwendet worden - das ergab eine Prüfung durch ein amerikanisches Kontrollgremium. Insgesamt wurden demnach mehr als fünf Milliarden Dollar Steuergelder in Projekte investiert, die als überflüssig oder zumindest sehr fragwürdig eingestuft werden. Die Untersuchung umfasst allerdings "nur" rund 300 Einzelprüfberichte, die für den Generalinspekteur für den irakischen Wiederaufbau angefertigt wurden. Es wäre also möglich, dass die Summe noch höher liegt, als bisher angenommen.

Einige Projekte sind Totalausfälle, während bei anderen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Der für die Golfregion zuständige Kommandeur des Pionierkorps des US-Heeres, Oberst Jon Christensen, berichtete von mehr als 4800 Projekten, die seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 fertiggestellt worden seien und 233 weiteren, die nun schnellstmöglich zu Ende gebracht würden. 595 Projekte hätten, meist wegen Sicherheitsbedenken, aufgegeben werden müssen. Christensen räumt ein, dass Fehler gemacht worden seien. Aber "es gibt Grenzen dessen, was wir leisten können", sagte er. Letztlich komme es darauf an, was die Iraker daraus machten.

Und die sind nicht immer glücklich mit den amerikanischen Wohltaten. Zahlreiche Projekte waren nicht mit denjenigen abgesprochen, die sie nachher nutzen sollten. "Anfangs haben wir nicht so eng mit den Leuten zusammengearbeitet, dass wir mitbekamen, was ihre Bedürfnisse waren", sagte Christensen. Mittlerweile sei die Zusammenarbeit sehr eng.

Schaimaa Mohammed Amin, die Vorsitzende des Wiederaufbau- und Entwicklungskomitees der Provinz Dijala, weiß von einem Beispiel aus ihrer Region zu berichten: So wurde eine Honigfabrik gebaut und in Betrieb genommen, obwohl eine Schule und Infrastrukturprojekte viel nötiger gewesen wären. Ablehnen konnten die Iraker solche und andere in ihren Augen ungeeignete Bauten kaum. "Wir wurden fast gezwungen, sie anzunehmen", sagte Amin.

Am Ende müssen sie für die Fertigstellung von Gebäuden zahlen, die sie gar nicht wollten. Manchmal weigern sich Ministerien aber auch, Baustellen zu übernehmen. Dann werden die mit Steuergeld errichteten Bauruinen sich selbst überlassen. Sie verwittern langsam, bis sie der Wüstensand wegträgt.

Kim Gamel, apn

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