Wiedervereinigung Zyperns Abstimmung am 24. April

Bei den Verhandlungen über die Wiedervereinigung Zyperns hat Kofi Annan den Parteien am Abend seinen Friedensplan übergeben. Am 24. April werden die Zyprioten darüber abstimmen. Zuvor hatte der Anführer der türkischen Volksgruppe den EU-Kommissar Günter Verheugen beschimpft. Er verglich den Deutschen mit einem Nazi-Offizier.


Rauf Denktasch: "So viel Parteinahme ist unmöglich"
EPA/DPA

Rauf Denktasch: "So viel Parteinahme ist unmöglich"

Nikosia - "Jeder hat sein letztes Wort gesagt. Die Diplomatie ist beendet", sagte ein türkischer Regierungsmitarbeiter. An den Verhandlungen im schweizerischen Bürgenstock hatten Vertreter Griechenlands, der Türkei sowie der griechischen und türkischen Zyprer über einen Uno-Friedensplan verhandelt.

Nachdem sich die Kontrahenten nicht einigen konnten, hat Uno-Generalsekretär Kofi Annan über die noch offenen Streitpunkte am Abend selbst entschieden und seine Vorschläge den Delegationen aus Griechenland, der Türkei und den beiden Volksgruppen der geteilten Mittelmeerinsel übergeben.

Die "Zeit der Entscheidung und des Handelns" sei gekommen, sagte Annan. Die Volksabstimmungen sollen un am 24. April stattfinden - vier Tage später als ursprünglich geplant. Sollte eine Seite den Plan dann ablehnen, tritt am 1. Mai nur der griechische Teil Zyperns der EU bei.

Zuvor hatte sich Rauf Denktasch über Verheugen beschwert, der an den Verhandlungen teilnahm. Verheugen habe kein Recht, über eine Wiedervereinigung Zyperns mitzureden. "Wer hat ihm das Recht gegeben sich einzumischen?", sagte Rauf Denktasch in Nikosia. "Mit welchem Recht marschiert er über meine Leute wie ein Nazi-General oder Unteroffizier und brüllt aus vollem Halse?" Dies habe mit Diplomatie nichts zu tun. "So viel Parteinahme ist unmöglich", sagte der 80-jährige Denktasch, der selbst nicht direkt an den Zypernverhandlungen teilnimmt. "Er übt unglaublichen Druck auf die türkischen Zyprioten im Interesse der griechischen Zyprer aus. Er versucht, die Uno-Vertreter zu beeindrucken."

Günter Verheugen: Befürworter der Wiedervereinigung
Europäische Gemeinschaften

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Im Fernsehsender n-tv sagte Denktasch, er werde bei einem Referendum für eine Ablehnung des Friedensplans werben, sollte dieser nicht grundlegend geändert werden. Die größten Differenzen gibt es über die Frage, wie viele griechische und türkische Soldaten auf Zypern bleiben sollen, über das Recht auf Eigentum und Freizügigkeit zwischen den beiden Teilen und über die Gültigkeit der EU-Bestimmungen.

Vor allem Denktasch wurde für das Scheitern der Friedensverhandlungen im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht. Auch dem Uno-Friedensplan, der eine föderale Lösung für die seit 1974 geteilte Mittelmeerinsel vorsieht, steht er sehr kritisch gegenüber. Er hat sich geweigert, die türkischen Zyprer in Bürgenstock zu vertreten. Der türkische Nordteil Zyperns ist international nicht anerkannt.



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