Wikileaks-Enthüllung NSA soll auch französische Wirtschaft bespitzelt haben

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat erneut Dokumente über Aktivitäten der NSA in Frankreich veröffentlicht. Demnach spähte der US-Geheimdienst nicht nur Staatspräsidenten, sondern auch Wirtschaftsvertreter aus.
Frankreichs Premier Hollande und US-Präsident Obama: Bespitzelter und Spitzel?

Frankreichs Premier Hollande und US-Präsident Obama: Bespitzelter und Spitzel?

Foto: DAMIEN MEYER/ AFP

Die USA haben nach Informationen der Enthüllungsplattform Wikileaks jahrelang die französische Wirtschaft ausspioniert. Wikileaks veröffentlichte in Zusammenarbeit mit den französischen Medien "Liberation" " und "Mediapart"  hierzu weitere als geheim bezeichnete Dokumente   des amerikanischen Geheimdienstes NSA.

Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass die USA angeblich jahrelang drei französische Präsidenten belauscht hatten. Frankreichs Außenministerium bestellte daraufhin den amerikanischen Botschafter ein. Die Frage, ob die USA ihre Geheimdienste auch zur Wirtschaftsspionage einsetzen, war schon bei früheren Enthüllungen zur amerikanischen Spionagepraxis aufgetaucht. Anfang Juni hatte der US-Vizeminister für Heimatschutz, Alejandro Mayorkas, dem im "Tagesspiegel" jedoch widersprochen .

Laut der neuen Enthüllungen sind allerdings offenbar doch jahrelang Verträge französischer Unternehmen von US-Geheimdiensten abgefangen worden. Zudem sollen auch der damalige Pariser Wirtschaftsminister und heutige EU-Kommissar Pierre Moscovici, hochrangige Beamte sowie der französische Botschafter in den USA sollen abgehört worden sein.

Die nun veröffentlichten Dokumente sind laut Wikileaks zum Teil mehr als zwölf Jahre alt. Unter ihnen befinden sich auch zwei Listen, die angebliche US-Spionageziele schildern. Demnach interessierte Washington sich unter anderem für französische Geschäftspraktiken und Beziehungen zu internationalen Finanzorganisationen.

Laut einem der Dokumente sollen US-Spione in den Jahren 2002 bis 2012 die Aufträge, Verhandlungen und Verträge französischer Unternehmen über internationale Aufträge und Investments ausspioniert haben. Dabei soll es den Angaben zufolge um alle Geschäfte gegangen sein, die einen Wert von 200 Millionen US-Dollar (rund 180 Millionen Euro) überschritten haben.

Betroffen sind demnach die Telekombranche, der Energiebereich sowie der Verkehrs-, Umwelt- und Gesundheitssektor. Zudem finden sich fünf knappe Zusammenfassungen von Abhörergebnissen. Darin ist unter anderem zu lesen, dass der damalige Wirtschaftsminister und heutige EU-Währungskommissar Moscovici sich 2012 sehr pessimistisch über die französische Wirtschaft geäußert haben soll.


Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde nahegelegt, dass das Gesamtvolumen der ausgespähten Geschäfte bei 200 Millionen US-Dollar gelegen habe. Tatsächlich sollen aber alle Geschäfte ab einem Wert von 200 Millionen US-Dollar ausspioniert worden sein. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

apr/dpa