WikiLeaks-Enthüllungen Codename Projekt 8

AFP

5. Teil: Die Stimmung kippt


Gegen Mitternacht schließt das Restaurant, es geht zurück in die Redaktion des "Guardian", den Wein nehmen wir mit. In einem kleinen Konferenzraum sollen die Absprachen besiegelt werden. Alan Rusbridger fasst den Stand der Dinge zusammen: Beginn der Publikation nicht vor Ende November, die Themen sollen anfangs nur aus ausgewählten Ländern stammen und globale Bedeutung haben, der SPIEGEL und der Guardian erhalten Zugang zu dem Material, der "Guardian" wird Heather Brooke unter Vertrag nehmen und damit sicherstellen, dass die zweite Kopie der Depeschen kein Problem darstellt. Offen bleiben das genaue Veröffentlichungsdatum und die Frage, welche Zeitung aus den USA dabei sein wird.

Es sieht so aus, als sei eine Einigung zum Greifen nah, doch dann kippt die Stimmung noch einmal, als David Leigh um 0.39 Uhr fragt: "Haben wir einen Deal mit dem SPIEGEL und dem 'Guardian'?"

"Wir haben einen Deal mit dem SPIEGEL, vielleicht haben wir einen Deal mit dem 'Guardian'", antwortet Assange. "Der 'Guardian' ist verantwortlich dafür, dass das Material auch bei der 'New York Times' liegt." Mascolo, der zuvor schon gedrängt hat, die "New York Times" nicht auszuschließen, erwidert: "Es wird mit uns keine Vereinbarung geben, wenn der 'Guardian' nicht dabei ist."

Das Treffen endet ohne Ergebnis

Assange zuckt mit den Schultern und sagt: "Wir müssen den SPIEGEL nicht dabeihaben."

Das Treffen endet nach knapp fünf Stunden, um kurz nach ein Uhr nachts ohne Ergebnis, aber mit der Verabredung, dass alle Seiten darüber nachdenken und am nächsten Mittag zu einer Entscheidung kommen. Und so geschieht es: Am nächsten Mittag stimmt Mark Stephens im Namen von Julian Assange den Absprachen zu, und als Bill Keller in einem weiteren Telefonat mit Rusbridger versöhnliche Signale sendet, ist auch die "New York Times" dabei. Verabredet wird eine Veröffentlichung in der Nacht auf den 29. November 2010, alle beteiligten Medien sollen zeitgleich um 22.30 Uhr online gehen.

Es gibt keinen schriftlichen Vertrag, nur ein "Gentlemen's Agreement", wie Assange sagt. "Projekt 8", wie die Veröffentlichung der Botschaftsberichte intern bei WikiLeaks genannt wird, kann beginnen.

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harryklein 27.01.2011
1. Wikileaks sells
Meine Meinung: es ist einfach nur armselig, wie der Spiegel im Huckepack von Wikileaks versucht soviel Geld wie möglich zu machen. Erst ein Sonderheft, dann noch ein - leider gefloppter - Spiegel-Titel. Nun, wie die NY Times, noch ein schönes Buch. Wer braucht eigentlich solche "Journalisten"?
Thomas Kossatz 27.01.2011
2. Überkrähe
Zitat von sysopDie Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen hat die Diplomatie erschüttert. Aber wie kam es dazu? In einem neuen Buch schildern die SPIEGEL-Redakteure Holger Stark und Marcel Rosenbach die dramatischen Verhandlungen mit WikiLeaks-Chef Assange - und wie das Projekt fast gescheitert wäre. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741992,00.html
Aha, das ist also die Weltverbesserung Marke Wikileaks: Nicht mehr Regierungen entscheiden einsam über Geheimhaltungen, sondern Herr Assange ganz allein. Aber auch dafür werden sicherlich seine Jünger eine Entschuldigung finden. Und für den Wunsch eines geschönten Portraits in der NYT. Welcher Journalist arbeitet eigentlich noch ohne Scheere im Kopf, wenn er mit einer solchen Überkrähe zu tun hat? Naja, was soll's. Die Interessen Deutschlands sind in den Händen jeder Regierung, egal welcher Farbe, allemal besser aufgehoben als bei diesem Egomanen. Wir brauchen dringend weniger Staatsgeheimnisse, aber einen Kernbereich der Geheimhaltung, der auch geschützt ist. Alles andere ist gefährliche Naivität. Staaten wie Deutschland haben keine FReunde und keine Feinde... nur Interessen, und die gilt es zu wahren.
Walter Sobchak 27.01.2011
3.
Keinen cent werde ich fuer dieses Buch ausgeben. Der Spiegel sollte endlich mal wieder Journalismus betreiben und sich nicht wie die Sau im Pfuhl anderer rollen. Frueher gingen Geheimpapiere noch an den Spiegel direkt. Diese Zeiten sind laengst vorbei. Wo Der Spiegel mit der Regierung Kohl immer hart ins Gericht geht, wird vor Schroeder und Merkel und der ganzen Chunta gekuscht und alles schoengeschrieben.
yogi_muc 27.01.2011
4. Why not!
Ein paar Beiträge dieser Brisanz würden uns vielleicht http://www.memoro.org/de-de/ auch guttun :-), allerdings als persönlicher Viedeobeitrag, wie üblich! Nicht anonym.
eth_problembär 27.01.2011
5. Assange ist ein Verbrecher
hoffentlich kriegen sie ihn wegen der "Vergewaltigungen" dran. Schlimmer als jeder Anwalt der Mann, versucht seine gestohlenen Dateien auch noch zu verkaufen...
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