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26. Dezember 2010, 17:59 Uhr

WikiLeaks-Enthüllungen

US-Drogenfahnder operieren wie Geheimdienst

Mehr als 5000 Agenten der amerikanischen Anti-Drogen-Behörde DEA kämpfen gegen Rauschgiftkartelle - inzwischen liefern sie auch politische Informationen aus dem Ausland. Das zeigen US-Botschaftsdepeschen. Demnach agiert die Organisation ähnlich wie ein Nachrichtendienst.

Washington - Die Ermittler von der US-Drogenfahndungsbehörde DEA schmücken sich gerne mit ihren Erfolgen. Mal entdecken sie Schmugglertunnel an der Grenze zu Mexiko, mal stürmen sie ein Heroinlabor in New York. Die Beamten können bei ihrer Arbeit offenbar auf überaus umfangreiche Ressourcen zurückgreifen. Die "New York Times" berichtet am Wochenende, dass die Drug Enforcement Administration (DEA) sich zu einer global agierenden Organisation entwickelt hat - ähnlich einem traditionellen Nachrichtendienst.

Das Betätigungsfeld der DEA gehe mittlerweile weit über das Vorgehen gegen den internationalen Drogenhandel hinaus, meldet das Blatt und beruft sich dabei auf Depeschen aus US-Botschaften, die von der Enthüllungs-Website WikiLeaks veröffentlicht wurden. Die DEA wurde 1973 gegründet. Zu Beginn hatte sie noch 1470 Agenten - heute sind es nach eigenen Angaben 5235.

Laut "New York Times" hat sich die DEA durch die internationalen Verflechtungen des Drogenhandels längst aus dem Schatten der Bundespolizei FBI gelöst; wie das FBI ist sie dem Justizministerium unterstellt. Die Drogenfahnder liefern nun über den Kampf gegen Rauschgift hinaus zusätzliche Informationen aus dem Ausland.

Die Behörde mit 87 Büros in 63 Ländern habe wegen ihrer Spezialisierung oft besseren Zugang zu Regierungen in Staaten mit hoher Drogenkriminalität als der US-Geheimdienst CIA, heißt es in der "NYT". Die Kompetenzen seien inzwischen so umfangreich, dass fremde Regierungen die DEA um Hilfe beim Kampf gegen die inländische Kriminalität ersuchten.

So habe Panamas Staatschef Ricardo Martinelli dem US-Botschafter im August 2009 eine dringende Nachricht über sein Mobiltelefon geschickt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ein Botschaftstelegramm. "Ich brauche Hilfe, um Telefone anzuzapfen", habe der Staatschef geschrieben und die DEA um Unterstützung beim Vorgehen gegen seine politischen Rivalen gebeten.

Eine ähnliche Forderung sei Anfang des Jahres aus Paraguay gekommen. Die Regierung habe die DEA um Hilfe ersucht. Ziel der Abhöraktion sollten Mitglieder der bewaffneten Guerilla-Organisation Paraguayische Volksarmee (EPP) sein. In beiden Fällen wurde die Unterstützung der Zeitung zufolge abgelehnt - worauf wüste Drohungen folgten, die DEA aus dem Land zu werfen.

In Mexiko wiederum hält das Militär offenbar größere Stücke auf die DEA als auf die eigene Polizei. Nach einem Botschaftstelegramm vom Oktober 2009 baten Armeevertreter in privaten Gesprächen die Drogenbehörde um eine engere Zusammenarbeit, weil sie der mexikanischen Polizei nicht trauten.

Rauschgift durch Mehl ersetzt

Mehrere Episoden in den Botschaftsdepeschen beschreiben die enge Verquickung von Politik und Drogenhandel in zahlreichen Ländern, wie es in dem Bericht weiter heißt.

Die DEA wollte den Bericht nicht kommentieren, auch das US-Außenministerium gab keine Stellungnahme ab.

kgp/AFP/dpa

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