Fall Assange Südamerikanische Staaten unterstützen Ecuador

Das südamerikanische Staatenbündnis Unasur stellt sich im Streit mit Großbritannien um Julian Assange auf die Seite Ecuadors. Allerdings halten nicht alle Nachbarländer die Entscheidung, dem WikiLeaks-Gründer diplomatisches Asyl zu gewähren, für richtig.

Assange in Ecuadors Botschaft in London: Diplomatischer Streit um sein Schicksal
DPA

Assange in Ecuadors Botschaft in London: Diplomatischer Streit um sein Schicksal


London - Im Streit zwischen London und Quito um die Ausreise von WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) die britische Drohung, die ecuadorianische Botschaft in London zu stürmen, verurteilt. In einer Abschlusserklärung unterstützten die Außenminister der Organisation allerdings nicht einstimmig die Entscheidung Ecuadors, Assange diplomatisches Asyl zu gewähren. Das Treffen zum Fall Assange am Wochenende in der ecuadorianischen Stadt Guayaquil war von der Regierung in Quito einberufen worden.

In der Erklärung hieß es, die Außenminister "verurteilten die Androhung von Gewalt zwischen Staaten" und bekräftigten "das Recht von Staaten, Asyl zu gewähren". Die Parteien wurden aufgefordert, "dem Pfad des Dialogs und direkter Verhandlungen" zu folgen, um eine akzeptable Lösung des Streits für alle zu finden. Die Sitzung dauerte nach Angaben des venezolanischen Unasur-Generalsekretärs Ali Rodriguez 20 Minuten.

Der Ton zwischen Großbritannien und Ecuador war in der vergangenen Woche rauer geworden. London hatte angedeutet, notfalls für eine Festnahme Assanges in die ecuadorianische Botschaft eindringen zu wollen, um seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen. Der britische Außenminister William Hague sagte später, es gebe keine solche Drohung. Der Präsident Ecuadors, Rafael Correa, bezeichnete das Vorgehen Londons am Samstag als "inakzeptabel, intolerabel, taktlos und rücksichtslos". Sein Land habe "eine souveräne Regierung, die vor niemandem niederkniet".

Der Australier Assange hält sich seit dem 19. Juni in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, um sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort soll er zu Vorwürfen sexueller Übergriffe befragt werden, fürchtet allerdings seine Auslieferung an die USA, wo ihm wegen Geheimnisverrats im schlimmsten Fall die Todesstrafe drohen würde. Assange zog 2010 den Zorn der US-Regierung auf sich, als auf seiner Enthüllungsplattform Hunderttausende geheime Dokumente über den Krieg im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen veröffentlicht wurden.

Vor Hunderten von Anhängern sprach der 41-jährige Australier am Sonntag vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Assange bedankte sich für die Unterstützung aus Ecuador und weiteren südamerikanischen Ländern. Er forderte die USA auf, ihre "Hexenjagd" auf Internetaktivisten zu stoppen und den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning und andere freizulassen und zu entschädigen. Mehrere hundert Journalisten, Fotografen, Assange-Unterstützer und Schaulustige hatten stundenlang vor der Botschaft ausgeharrt. Eine Hundertschaft der Polizei sperrte die Straße ab.

anr/dapd/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Emil Peisker 20.08.2012
1. mal recherchieren
Zitat von sysopDPADas südamerikanische Staatenbündnis Unasur stellt sich im Streit mit Großbritannien um Julian Assange auf die Seite Ecuadors. Allerdings halten nicht alle Nachbarländer die Entscheidung, dem Wikileaks-Gründer diplomatisches Asyl zu gewähren, für richtig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850902,00.html
Und welches Land, oder Länder hat/haben sich nicht angeschlossen? Der SPIEGEL könnte doch mal recherchieren.
Werner655 20.08.2012
2. Wer denn nun?
Zitat von sysopDPADas südamerikanische Staatenbündnis Unasur stellt sich im Streit mit Großbritannien um Julian Assange auf die Seite Ecuadors. Allerdings halten nicht alle Nachbarländer die Entscheidung, dem Wikileaks-Gründer diplomatisches Asyl zu gewähren, für richtig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850902,00.html
Welches der Nachbarländer hat denn nun die Entscheidung nicht für richtig gehalten?
Bhur Yham 20.08.2012
3. Mehr Demokratie wagen
Die richtige Antwort wäre der Friedensnobelpreis für Assange aus der Hand des schwedischen Königs. Dann bekäme den endlich wieder einmal jemand, der ihn sich redlich verdient hat. Außerdem wäre es ziemlich unschicklich, einen Nobelpreisträger an die Amis auszuliefern oder dort gar vor Gericht zu stellen. Aber das würde im Falle des Falles sein Nobelpreis-Bruder sowieso zu verhindern wissen. Andererseits, wenn's der den mit Assad verwechselt... Wäre echt Pech, aber solche kollateralen Opfer muß uns die Freiheit wert sein.
vincent12 20.08.2012
4.
Zitat von Bhur YhamDie richtige Antwort wäre der Friedensnobelpreis für Assange aus der Hand des schwedischen Königs. Dann bekäme den endlich wieder einmal jemand, der ihn sich redlich verdient hat. Außerdem wäre es ziemlich unschicklich, einen Nobelpreisträger an die Amis auszuliefern oder dort gar vor Gericht zu stellen. Aber das würde im Falle des Falles sein Nobelpreis-Bruder sowieso zu verhindern wissen. Andererseits, wenn's der den mit Assad verwechselt... Wäre echt Pech, aber solche kollateralen Opfer muß uns die Freiheit wert sein.
Habe diese Frage mal meinen Eltern gestellt: Warum veröffentlicht WikiLeaks hauptsächlich Infos über die US-Regierung und deren CIA? Weswegen kaum Infos über Russland und über alle Länder dieser Welt? Meine Eltern haben darauf geantwortet: "Ein guter Grund sei, dass der Westen militärisch, auch länger schon, den größten Einfluss hat auf der Erde. Allerdings nicht immer seriös (momentan oft nicht), außerhalb, handelt. Wikileaks würde von niemandem mehr Unterstützung erhalten, wenn es sich mit allen Ländern, u.a. Russland verkracht. Russland kann noch viel gegen den Konflikt, gegen die Welt, mitbewirken. Allerdings, wenn Russland später viel Mist auf der Erde baut, würde wikileaks hiervon deutlich mehr herausfinden und veröffentlichen, denke bzw. hoffe ich. Natürlich würden die USA weniger auf Assange gehen, wenn wikileaks über Russland viel aufdeckt. (Momentan muss wikileaks sich verstärkt um den Westen kümmern). Dann würden die wikileaks-Infos noch mehr als plausibel gesehn werden."
McUtty 20.08.2012
5. Kein Asyl dem Infoterrorist
Ich freue mich, dass einige Länder Assanges Asyl kritisieren (welche?). Der unter dem Deckmäntelchen des Journalismus agierende Assage veröffentlicht(e) unreflektiert geheime Dokumente. Dabei hat jeder Staat das Recht, Dinge im Geheimen vorzubereiten oder durchzuführen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, das die öffentlich diskutierte Politik nur die kleine Spitze des Eisbergs ist. 30 oder mehr Jahre später kann dann ein wenig mehr nachgelesen werden. Hatte Baader, Meinhof und Co noch versucht, durch Bombenterror gewaltsam Veränderungen herbeizuführen, so versuchen Informationsterroristen wie Assange etc. mit den Informationen aus dreistem Datenklau Aufmerksamkeit zu erregen. Terroristen sind immer eitel, so auch Assange. Dieser ist sogar noch feige. Er sollte sich mal mehr mit Mandela und anderen beschäftigen! Ich hoffe, dass sein Asyl irgendwann ausläuft und er sich vor einem zuständigem Gericht verantworten muss. Allen Nachmachern sei es ins Stammbuch geschrieben: Das Imperium schlägt immer (meist) siegreich zurück, ansonsten frisst die Revolution ihre Kinder. Nachsatz für den Zensor (kann entfernt werden): Wenn Ihnen meine Beiträge (manchmal auch ironisch/sarkastisch) nicht passen, lassen sie es mich wissen, das Verfassen von Beiträgen kostet Zeit und Mühe und ich schreibe ungern für die Tonne!
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