WikiLeaks-Gründer Assange zu Treffen mit der Polizei bereit

Binnen 24 Stunden könnte der Haftbefehl vollstreckt werden: Die englische Polizei hat nun offenbar alle Dokumente vorliegen, um WikiLeaks-Gründer Julian Assange festzunehmen. Dieser ist nach Angaben seines Anwalts zu einem Treffen mit der britischen Polizei bereit.

WikiLeaks-Website mit Schweizer Adresse: Konto geschlossen, Haftbefehl angekommen
REUTERS

WikiLeaks-Website mit Schweizer Adresse: Konto geschlossen, Haftbefehl angekommen


London/Bern - Der wegen Vergewaltigungsvorwürfen international gesuchte WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist nach Angaben seines Anwalts zu einem Treffen mit der britischen Polizei bereit. "Julian Assange ist wegen nichts angeklagt worden", sagte Mark Stephens am Montag im BBC-Fernsehen. Momentan liefen Vorbereitungen für ein freiwilliges Treffen mit der Polizei, bei dem offene Fragen geklärt werden sollten. Nähere Angaben machte Stephens nicht.

Die schwedische Staatsanwaltschaft wirft Assange Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vor. Er weist die Vorwürfe von sich und soll sich Medienberichten zufolge in Südostengland aufhalten.

Die schwedischen Strafverfolgungsbehörden hatten kurz zuvor mitgeteilt, dass der britischen Polizei nun alle Informationen vorlägen, die für eine Festnahme Assanges nötig seien. Eine mit rechtlichen Fragen zwischen den schwedischen und britischen Behörden vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die britischen Behörden hätten einen Haftbefehl gegen Assange mindestens zweimal an die Schweden zurückgesandt, weil er nicht hieb- und stichfest gewesen sei. Sobald die Mängel behoben worden seien, könnte eine Verhaftung Assanges rasch erfolgen. Anfang Dezember wurde Assange von der internationalen Polizeibehörde Interpol auf die Fahndungsliste gesetzt.

Assange hat die Vorwürfe als Intrige zurückgewiesen. Der 39-jährige Australier hat mit der Veröffentlichung Tausender vertraulicher Diplomatenberichte vor allem die US-Regierung gegen sich aufgebracht.

Scotland Yard werde Assange womöglich in den kommenden 24 Stunden festnehmen, falls sein genauer Aufenthaltsort bekannt sein sollte, zitierte der britische Sender BBC zuvor nicht näher genannte Quellen. Die britische Press Association berichtet, dass der Polizei der Haftbefehl nun komplett vorliege. Im Falle einer Verhaftung durch britische Behörden würde Assange dem City of Westminster Magistrates' Court vorgeführt, der über seine Auslieferung nach Schweden entscheiden könnte. Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage, man äußere sich in solchen Fällen erst, wenn jemand festgenommen worden sei.

Der Londoner Anwalt des Internetaktivisten, Mark Stephens, hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt, der Haftbefehl sei eine Farce. Die Polizei wisse, wo sich Assange aufhalte. Er werde alles tun, um die Auslieferung seines Mandanten zu verhindern, damit er von Schweden aus nicht in die USA gebracht werde könne, sagte Stephens.

Schweizer Post schließt Konto

Der Finanzdienstleister der Schweizer Post hat ein Konto von Julian Assange geschlossen. Grund sei, dass der Australier bei der Kontoeröffnung falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht habe, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Als seinen Wohnort habe Assange Genf angegeben, was sich bei einer Überprüfung der Daten aber als unwahr herausgestellt habe, hieß es weiter. Assange könne keinen Schweizer Wohnsitz nachweisen. Dies sei jedoch Voraussetzung für eine Kundenbeziehung. Man werde nun versuchen, mit Assange Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, auf welches Konto das Geld überwiesen werden könne, sagte ein PostFinance-Sprecher.

WikiLeaks erklärte daraufhin am Montag, es handele sich um ein Konto von Julian Assange mit einem Guthaben in Höhe von 31.000 Euro, darunter auch private Mittel. Das Geld sei für die Verteidigung des WikiLeaks-Gründers und seiner Mitarbeiter bestimmt gewesen. Assange bemühe sich um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz, sei aber derzeit noch ein Flüchtling ohne festen Wohnsitz. Deshalb habe er bei der Firma die Adresse eines Anwalts angegeben.

Am Wochenende hatte der Internet-Bezahldienst PayPal sein WikiLeaks-Konto wegen angeblicher "Verletzung der Nutzungsbedingungen" gesperrt. Beobachter gehen davon aus, dass die Tochtergesellschaft des Internet-Auktionshauses Ebay seine Geschäftsbeziehung zu WikiLeaks auf Druck der USA hin beendet hat.

Seit der Veröffentlichung von mehr als 250.000 Diplomatenberichten steht die Organisation zunehmend unter Druck. So hatte das US-Unternehmen Amazon der Website Speicherplatz gekündigt, auf denen die Dokumente gespeichert waren. Ein Dienstleister, der die Anbindung der Internetadresse wikileaks.org bereitstellte, hatte der Seite ebenfalls gekündigt.

ore/luk/dpa/AFP



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Ty Coon, 04.12.2010
1.
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
Sehr viel. Vertrauliche Gespräche sind die Grundlage der Diplomatie. Wenn es allerdings darum geht, verbrecherische Machenschaften aufzudecken, dann sind solche Plattformen wie WikiLeaks legitim.
eikfier 04.12.2010
2. ...bestenfalls
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
...die Frage ist natürlich völlig berechtigt? Schließlich hat kein Geringerer als unser späterer Bundespräsident Gustav Heinemann mal geseufzt:"...regiere du mal dieses Welt!" - und meinte damit sicherlich auch unsere gehaßt-geliebten und in jedem demokratischen Falle dringend benötigten Journalisten, ist meine Meinung - Wer den Journalisten nicht nur in Gedanken, sondern tatsächlich einen Maulkorb umhängt, dem geht´s mindestens so wie Kaiser WilhelmII. in der bekannten "Feuerzangenbowle", wenn er nicht sogar Micky-Leaks zu ungeahnter Popularität verhilft - ein bißchen schlimm, ein bißchen doof, ein bißchen lächerlich, denke ich bestenfalls...
Sharoun 04.12.2010
3. Wieviel Wahrheit traut man dem Souverän zu?
Aus teilweise nachvollziehbaren Gründen trauen Exekutive und Legislative ihrem Wahlvolk nicht über den Weg. Allright; das sollte dann aber auch so benannt werden und nicht die übergroße Fahne einer allgegenwärtigen Mitbestimmung -verwirklicht in dieser und durch diese Gesellschaft- geschwenkt werden. Denn das ist nur noch Verhöhnung!
sieben777 04.12.2010
4. PayPal Konto gelöscht
Wir Internet-Nutzer sind nun gefragt. Wehren wir uns gegen dieses Doppelmoral-System? Warum beachten jetzt plötzlich PayPal und Amazon ihre eigenen AGBs? Warum funktioniert die Löschung der verschiedenen Webseiten von Wikileaks so zügig aber bei den der Kinderporno Seiten denn nicht??? Da kann etwas nicht stimmen.
maximillian64 04.12.2010
5. Paypal, DNS, Hosting für Wikileaks abgestellt.
Die sukzesive Verabschiedung der USA von der Meinungsfreiheit ist wie jede Aufgabe von Grundrechten im Tausch gegen Sicherheit ist ein Punktsieg der Kräfte mit all den Gesetzten eigentlich Bekämpft werden sollen. Das Internet ist heute nur noch für cyber- und echte- krimminelle und wirklich frei. Was meinen die Strafverfolger, Politiker und Serviceprovider in den USA den wo WikiLeaks demnächst gehostet wird und spenden einsammelt? Wenn der Druck so weiter aufrecht erhalten wird wird auch die Schweiz und andere Nationen dem Portal die Gastfreunschaft kündigen. Wikileaks wird dann wohl bald bei den gleichen Providern gehostet die Heute bereits Al Quaida Blogs und deren Paymentprovider hosten? Verkehrte Welt!
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